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Jagd

Friedliche Koexistenz mit Wildschweinen

Afrikanische Schweinepest sorgt für Unsicherheit – Krankheit ist für Menschen ungefährlich

Redaktion Wild beim Wild — 11. November 2020

Begegnungen mit Wildschweinen in Städten oder stadtnahen Wäldern häufen sich.

Die Tiere sind ursprünglich Waldbewohner, durch die landesweite Bebauung schrumpft ihr Lebensraum allerdings zusehends, Maismonokulturen in Siedlungsnähe und Stadt-Mülltonnen ziehen Wildschwein-Familien zusätzlich an. Aktuell sorgen auch Berichte über die Afrikanische Schweinepest (ASP) für Unsicherheit. Das Virus befällt ausschliesslich Haus- und Wildschweine, für Menschen ist es ungefährlich. Im Herbst sind Wildschweine besonders aktiv, denn sie müssen sich für die nahenden Wintermonate eine Fettschicht zulegen und sind vermehrt auf der Suche nach Nahrung.

Der Mensch nimmt Wildtieren immer mehr Lebensraum. Wer auf Wildschweine trifft, sollte ihnen mit Respekt begegnen. Werden ein paar einfache Tipps befolgt, gibt es keinen Grund, sich vor den faszinierenden Tieren zu fürchten.

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Nadja Michler, Referentin für Wildtiere bei PETA Deutschland

Afrikanische Schweinepest: Fakten statt Panikmache

Nachdem die Afrikanische Schweinepest bereits mehrfach in Polen aufgetreten war, wurde der Erreger erstmals am 10. September bei einem im brandenburgischen Spree-Neisse-Kreis aufgefundenen toten Wildschwein nachgewiesen. Das Virus sorgt bei den Tieren für Fieber, Atemprobleme sowie Schwäche und führt in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen zum Tod. Bislang sind ausschliesslich Wildschweine betroffen.

Tipps für die Begegnung mit Wildschweinen

  • Waldspaziergänge sind gefahrenlos möglich: Es kann allerdings sein, dass in von der Schweinepest betroffenen, eng begrenzten Gebieten ein Betretungsverbot durch die zuständige Behörde verhängt wird.
  • Auf den Wegen bleiben: Grundsätzlich ist es ratsam, sich im Wald auf angelegten Wegen zu bewegen. Das dient der eigenen Sicherheit und schützt den natürlichen Lebensraum der tierischen Waldbewohner.
  • Genügend Abstand halten: Einige Wildschweine sind in Stadtnähe an Menschen gewöhnt und ergreifen nicht direkt die Flucht. Wer auf Wildschweine trifft, insbesondere wenn sie mit Frischlingen unterwegs sind, sollte genügend Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.
  • Tiere nicht füttern: Es ist verboten, Wildschweine zu füttern. Die Paarhufer ernähren sich unter anderem von Eicheln, Wurzeln, Pilzen, Schnecken und Aas und finden in der Natur genug zu essen.
  • Hunde anleinen: Wer mit Hunden spazieren geht, sollte sie im Wald oder gegebenenfalls in Parks anleinen. Es kann vorkommen, dass Hunde Wildschweine jagen und die Tiere so zu einer Reaktion provozieren.
  • Warnsignale erkennen: Schnauben Wildschweine, stellen sie den Schwanz auf oder klappern sogar mit den Zähnen, ist Vorsicht geboten. Spätestens jetzt sollte ruhig und langsam der Rückzug angetreten werden.
  • Gärten schützen: Um Wildschweine fernzuhalten, eignen sich solide, mindestens 1,5 Meter hohe Zäune, die im Boden verankert sein müssen.
  • Tote Wildschweine melden: Waldspaziergänger, die ein totes Wildschwein finden, können den Fund unter Angabe der Geokoordinaten in der «Tierfund-App» melden. Ausserdem kann das örtliche Veterinäramt informiert werden.

Wildschweine als «Gärtner des Waldes»

Wildschweine sind sehr intelligente Tiere und für die Gesundheit des Waldes unerlässlich. Durch ihr Wühlen im Waldboden wird die obere nährstoffreiche Humusschicht mit unteren Bodenschichten vermengt, was für Keimlinge lebensnotwendig ist. Wildschweine leisten somit als «Gärtner des Waldes» einen essentiellen Beitrag, indem sie zur Verjüngung des Bestands beitragen. Sie befreien ausserdem den Wald von «Schädlingen», indem sie den Blatthornkäfer-Bestand regulieren. Trotzdem werden die Tiere massiv gejagt. Im Jagdjahr 2018/19 wurden durch gezielte Panikmache des Bauernverbands wegen der Afrikanischen Schweinepest bundesweit rund 500’000 Wildschweine getötet.

PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Hobby-Jagd aus. Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit verursachen Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger unvorstellbares Leid. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Wildtiere, leiden unter den Verletzungen oft tagelang und sterben qualvoll, wenn sie bei der Nachsuche nicht gefunden werden. Mehr dazu im Dossier über das Tierschutzproblem Hobby-Jagd.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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