Bärenpopulation in Rumänien ausser Kontrolle?
In Rumänien sollen sich Angriffe von Bären auf Menschen häufen – behaupten Politiker und viele Medien.
In Rumänien sollen sich Angriffe von Bären auf Menschen häufen – behaupten Politiker und viele Medien.
Ursachen sind menschengemacht
Jagdverbände fordern eine hohe Abschussquote. Doch die Ursachen des Ärgers zwischen Bär und Mensch sind vor allem menschengemacht. Statistisch gesehen steigt weder die Zahl der Bärenangriffe noch die durch Bären verursachten Schäden. Vielleicht entsteht der Eindruck, dass Bären mehr angreifen, weil zum Beispiel die Forstwirtschaft zunimmt. Zwei Drittel der noch verbliebenen Urwälder Europas liegen in Rumänien – an sich ein optimaler Lebensraum für Bären. Doch seit Jahren werden die Schutzgebiete illegal abgeholzt.
Trophäenjagd seit 2016 verboten
Die Trophäenjagd auf Beutegreifer wie Bären und Wölfe wurde in Rumänien 2016 verboten. Befürwortende der Hobby-Jagd reden nun von einer Population von über 10’000 Bären. Die Gegnerschaft der Bärenjagd spricht von rund 2’000 Bären im Land.
Verschiedene Interessengruppen jonglieren mit unterschiedlichen Zahlen, die ihren Zielen am besten entsprechen.
Csaba Domokos, Umweltschutzorganisation Milvus
«Wir haben keine realistische, vertrauenswürdige Schätzung der Populationsgrösse, die mit wissenschaftlich fundierten Forschungsmethoden ermittelt wurde», sagte der Bärenexperte Csaba Domokos.
Seit der Ernennung des Umweltministers Barna Tanczos, der auch noch ein Hobby-Jäger sein soll, sind Umweltschützende in Rumänien besonders wachsam.
Bär und Mensch kommen sich meist aus Versehen in die Quere. Der Mensch steht nicht auf dem Speiseplan des Bären. Der Bär will eigentlich nur den Menschen von sich fernhalten.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Rolle und Kritik der Hobby-Jäger beleuchten wir Ausbildung, Macht und Selbstbild der Hobby-Jäger. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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