Heute Morgen, dem 28.11.2023, wurde ein von 158 Umwelt- und Tierschutzorganisationen aus 37 Ländern unterzeichneter Offener Brief an Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, gesandt, in dem er aufgefordert wird, den geplanten Abschuss von bis zu 70 % der Wolfspopulation in der Schweiz zu stoppen.
Der Abschuss der Wölfe wird auf der Grundlage einer kürzlich erfolgten Gesetzesänderung genehmigt, die den Schutz der Wölfe, einer „streng geschützten Tierart“ gemäss der Berner Konvention bzw. das Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, das die Schweiz ratifiziert hat, untergräbt. Ausserdem widerspricht die Entscheidung für die Abschussaktion dem Ergebnis eines nationalen Referendums im Jahr 2020.
Die von der Schweizer Regierung geplante Tötung wird die extremste sein, die in Europa seit der Erholung der Art durchgeführt wird. In einigen Kantonen werden ganze Rudel ausgerottet, in anderen werden gezielt Jungwölfe gejagt.

Die Gegner des Plans, die sich auf technische und wissenschaftliche Gutachten stützen, argumentieren, dass eine gesunde Raubtierpopulation unerlässlich ist, um die Ausbreitung von Krankheiten in Herbivoren zu kontrollieren und zu verhindern, dies zum grossen Nutzen der Wald- und Gebirgsökosysteme, des Viehbestands und der menschlichen Gesellschaft insgesamt. Die Konzentration auf vorbeugende Massnahmen wird die Angriffe auf Nutztiere verringern und unserer moralischen Verantwortung gerecht werden, mit wild lebenden Tieren zu koexistieren, anstatt sie zu zerstören.
Wir zitieren Unterzeichner des gemeinsamen Schreibens:
“Diese radikalen, einseitigen Massnahmen bedrohen nicht nur die fragile Wolfspopulation in der Schweiz, sondern haben negative Auswirkungen auf die gesamte Wolfspopulation der West- und Zentralalpen und des Jura. Präventive Massnahmen wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde sind wirksam, um die Angriffe auf Nutztiere zu reduzieren, und sollten in grösserem Umfang eingesetzt werden. Es gibt bessere Möglichkeiten, mit dieser Schlüsselart zu koexistieren, als willkürliche, gross angelegte Tötungen und Dezimierung”.
Die Vorsitzenden der IUCN SSC Canid Specialist Group, die den Brief mitunterzeichnet haben, erklären:
“Wir, die Vorsitzenden der IUCN SSC Canid Specialist Group, der weltweit führenden Expertengruppe für Wölfe und ihre wildlebenden Verwandten, bringen unsere tiefe Besorgnis und Ablehnung gegenüber den Gesetzesänderungen und der geplanten Verfolgung von Wölfen in der Schweiz zum Ausdruck. Der aktuelle Wolfsmanagementplan der Schweizer Regierung ist unwissenschaftlich und widerspricht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum zeitgemäßen Raubtiermanagement und Naturschutz”.
Avenir Loup Lynx Jura, eine von 22 Schweizer Organisationen, die den Brief unterstützen, warnt:
“Nicht nur der Wille des Schweizer Volkes wird missachtet, auch die Gesetzgebung und das Vernehmlassungsverfahren werden nicht respektiert. Diese Art, Politik zu machen, hat nichts mit dem Konsens zu tun, der unser Land stark gemacht hat”.
So Dr. Diana Soldo, Ökologin an der ETH Zürich und Gründerin von Waldexkursionen:
“Wölfe sind wichtig für gesunde und intakte Wälder und müssen dafür anerkannt werden und eine Daseinsberechtigung erhalten”.
AVES Frankreich fügt hinzu:
“Der Wolf kennt keine Grenzen oder Entfernungen. Um das langfristige Überleben dieser symbolträchtigen Raubtiere – sowohl zahlenmäßig als auch genetisch – zu gewährleisten, müssen wir die Koordinierung überdenken und umsetzen, um ihre Erhaltung und ihren Schutz zwischen grenzüberschreitenden Ländern zu gewährleisten.”
Und FERUS unterstreicht:
“Das Zusammenleben von Wölfen und Herden ist der einzige Weg in die Zukunft. Keine einzige Studie hat bewiesen, dass der Abschuss oder die Bejagung von Wölfen zum Schutz von Herden wirksam ist. Nur Herdenschutzmaßnahmen funktionieren. NEIN zur Wolfsjagd / JA zur Kohabitation.”
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