Wissenschaft

Die Jagdtätigkeit lässt die Art vermehren

Wissenschaftliche Daten auch in Italien zeigen unwiderlegbar, dass die Vermehrung der Wildschweinpopulation und damit auch die Zunahme von Schäden in der Landwirtschaft und von Verkehrsunfällen eine direkte Folge des Jagddrucks auf diese Art ist.

In einem Bericht weist Prof. Andrea Mazzatenta von der Universität Teramo und Experte für „Pheromone“ nach, dass die Zunahme der Wildschweinpopulation jägerlastig ist.

Prof. Mazzatenta hat während eines Vortrags in Vasto („Biologische Gründe für die Verbreitung von Wildschweinen und damit verbundene rechtliche Probleme“) mit genauen Forschungen, Daten und Grafiken gezeigt, dass die Hauptursache für die Vermehrung und Ausbreitung des Wildschweins in den Abruzzen die heftige Jagd ist, die vor allem in den letzten Jahrzehnten gegen diese Wildtiere gemacht wurde. In jagdfreien Gebieten wie Nationalparks besteht dieses Problem nicht, insbesondere wenn Wölfe anwesend sind.

Anhand von Dias erinnerte Prof. Mazzatenta daran, dass sich in der Toskana die Wildschweine wegen der Jagd verdoppelt haben und heute die 200’000 Marke überschritten haben.

Wie Prof. Mazzatenta erklärt, werden Wildschweinrotten von „matriarchalischen“ Weibchen dominiert. Aufgrund der Emission von Pheromonen der Leitbache – was die Fruchtbarkeit von Weibchen niedrigeren Ranges hemmt – sich als Einzige in der Rotte fortpflanzen.

Hobby-Jäger, die allerdings diejenigen sind, die das Problem der Wildschweinschwemme geschaffen haben, indem sie für ihre Jagdinteressen zusätzlich die ungarische Wildschweinart in Italien einführten, die viel grösser und produktiver ist als die italienische, kennen dieses Phänomen sehr gut.

In der Tat schiessen sie bei ihren Wildschweinjagden die matriarchalischen Weibchen ab, wodurch die Rotten zerfallen und eine „befreiende“ Reaktion bei den anderen, rangniedrigeren Weibchen ausgelöst wird, die sofort in die Brunst gehen, sich mehrmals im selben Jahr fortpflanzen und ihrerseits andere Rotten bilden.

Diese einfache „Wahrheit“, versuchen auch Tierschützer seit vielen Jahren und mit extremen Schwierigkeiten der Öffentlichkeit zu erklären, beginnt endlich berücksichtigt zu werden. Zum Beispiel hat eine Entscheidung des regionalen Verwaltungsgerichts der Toskana dazu geführt, die Jagd auf Wildschweine in Braccata auszusetzen, um den Zusammenhang zwischen Jagddruck und der Zunahme der Wildschweinpopulation zu verdeutlichen.

Sachverständige erwarten nun ähnliche Haltungen und konsequente gesetzgeberische Massnahmen von den Politikern auf allen Ebenen sowie eine sachgerechte Analyse des Phänomens durch die Bauernverbände, die sich bisher viel mehr um den Schutz der Interessen der Hobby-Jäger als um die ihrer Mitglieder gekümmert haben.

Ausserdem wird mehr intellektuelle Ehrlichkeit und berufliche Integrität von bestimmten Journalisten erwartet, die, um ein paar mehr Follower oder persönliche Sichtbarkeit zu haben, weiterhin dem falschen Mythos von der Jagd als Lösung aller Probleme Kredit und Raum geben und dann den Hobby-Jägern in die Hände spielen, indem sie die falsche Vorstellung verbreiten, es gäbe eine Invasion von Wildschweinen.

Bei vielen Journalisten, Politikern und Verwaltern, aber vor allem bei den landwirtschaftlichen Verbänden besteht kein Interesse an der Lösung des Problems „Wildschweine“. Vielmehr der Wunsch, die Dinge so zu belassen, wie sie sind. Geld vom Staat für Wildschweinschäden zu kassieren und mit jenen Wildschweinfleisch-Geschäfte zu machen, die das Problem verursacht haben.

Insgesamt haben alle Bemühungen inkl. illegaler Hochsitze, Nachtsichtgeräte, jagen in der Dunkelheit, usw. seitens der Hobby-Jäger in den vergangenen Jahre keinen Erfolg gebracht. Die Wildschweine vermehren sich gerade wegen der Jagd unaufhaltsam weiter.

1 Kommentar

  1. Gibt es auch bereits Auswertungen aus der Schweiz bez. Rehen und Füchsen? Sieht man Unterschiede zw. dem Kanton Genf (ohne Jagd) und anderen, ähnlichen Gebieten?

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