Weltelefantentag: Bienenzäune statt Kugeln
Am Weltelefantentag stellt Humane World for Animals bewährte Strategien in den Mittelpunkt – von der Immunverhütung bis zu Koexistenzkampagnen –, die das Überleben der Arten unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, dass Elefanten und Menschen sicher Seite an Seite leben.
Lebensraumverlust, Konkurrenz um natürliche Ressourcen, Konflikte zwischen Mensch und Tier, die Klimakrise, Wilderei und Trophäenjagd bedrohen das Überleben der Elefanten weltweit.
Alle drei existierenden Elefantenarten – der Asiatische Elefant, der Afrikanische Savannenelefant und der Afrikanische Waldelefant – sind vom Aussterben bedroht: Schätzungen zufolge gibt es in freier Wildbahn nur noch 50’000 asiatische und 415’000 afrikanische Elefanten.
Diese Zahlen spiegeln einen dramatischen Rückgang der Population wider: Die Population der Asiatischen Elefanten ist seit 1945 um mindestens 50 %, die der Afrikanischen Waldelefanten um mindestens 90 % und die der Afrikanischen Savannenelefanten um 70 % zurückgegangen.
Am einfachsten lassen sich die Arten anhand ihrer Ohren unterscheiden. Afrikanische Elefanten haben grössere Ohren, die praktischerweise wie der afrikanische Kontinent geformt sind. Afrikanische Elefanten haben ausserdem zwei fingerartige Greiffortsätze an den Spitzen ihrer Rüssel, mit denen sie Dinge greifen können, während asiatische Elefanten nur einen haben.
Der afrikanische Savannenelefant ist die grösste der drei Arten und das grösste Landtier der Erde. Ausgewachsene Männchen wiegen etwa 5’000 bis 6’000 Kilogramm.
Der Rüssel eines Elefanten besteht aus etwa 150’000 Muskeln, was ihn laut Sean Hensman, Elefantenspezialist im Schutzgebiet „Adventures with Elephants“ in Südafrika, zu einem „unglaublichen Werkzeug“ macht. Da ihre Rüssel keine Knochen haben, können Elefanten sie in alle möglichen Richtungen krümmen oder verdrehen und sogar kürzer oder länger machen. Sie benutzen ihn, um Wasser aufzusaugen und in ihren Mund zu blasen, um Nahrung aufzunehmen, oder für fast alles andere, was sie machen müssen.
Eine der beliebtesten Annahmen ist, dass Elefanten ein unglaubliches Gedächtnis haben. Das stimmt, sagt Hensman. Sie haben einen riesigen Temporallappen – den Teil des Gehirns, der das Gedächtnis steuert. Elefanten brauchen ein gutes Gedächtnis für die Standorte zahlreicher Nahrungs- und Wasserquellen, um in einigen der härtesten Klimazonen zu überleben.
Der Weltelefantentag, der am 12. August gefeiert wird, ist eine Gelegenheit, den Fortschritt der positiven Bemühungen zum Schutz der Elefanten zu bewerten. Humane World for Animals (früher Humane Society International) setzt sich seit Langem für innovative Immunkontrazeption und Koexistenzkampagnen ein, die dazu beitragen, für dieses ikonische Tier etwas zu bewirken.
Dr. Audrey Delsink, leitende Direktorin für Wildtiere bei Humane World for Animals South Africa, die ihr Leben diesen Initiativen verschrieben hat, sieht dies als eine Gelegenheit, Elefanten zu feiern, aber auch die Annahmen zu hinterfragen, die ihrem Management zugrunde liegen:
Wir sehen es als einen Aufruf, über traditionelle, todbringende Einheitsmodelle, überholte Paradigmen von Dominanz und Nutzen und Naturschutzkonzepte hinauszugehen, die das Wohlergehen der Tiere und die Prinzipien von Gerechtigkeit und Koexistenz ignorieren. Wissenschaftlich fundierte, humane Interventionen zur Elefantenpopulation ermöglichen es uns, mit Sorgfalt zu handeln und das Leben der Gemeinschaft und der Elefanten zu verändern.
Immunkontrazeption, eine für Tiere entwickelte Form der Fruchtbarkeitskontrolle, ist eine bewährte, humane Alternative zur Jagd auf Elefanten, die viele Wissenschaftler, darunter auch Delsink, für einen fehlgeleiteten Versuch halten, wilde Populationen zu kontrollieren. Sie und ihre Kollegen sind überzeugt, dass Immunkontrazeption eine bessere Möglichkeit bietet, die Elefantenpopulation zu reduzieren, und es andere hochwirksame Instrumente gibt, um die Auswirkungen und Konflikte zwischen Mensch und Elefant langfristig zu mildern. Deren Nutzen demonstrieren sie in einem laufenden Impfprogramm in Dutzenden Reservaten in Südafrika.
Während die Elefantenpopulationen insgesamt schrumpfen, schränken Lebensraumverlust und Landnutzungspolitik sie oft durch physische Barrieren wie Zäune oder ungeschützte Bereiche auf begrenzte Gebiete ein. Dies führt zu Konkurrenz um Ressourcen und Konflikten mit Menschen. Da die Umsiedlungsmöglichkeiten begrenzt sind, bietet die Immunkontrazeption eine humane Möglichkeit, diesen Problemen zu begegnen. Der Impfstoff wird aus der Ferne verabreicht, ohne die Tiere zu immobilisieren, und verhindert die Befruchtung.
Dank eines bahnbrechenden Immunkontrazeptionsprogramms von Humane World for Animals, Partnern des Onderstepoort Veterinary Population Management Laboratory, eingesetzten Spezialisten und Partnerreservaten konnten über 1’700 wilde Elefantenkühe in 50 Reservaten in ganz Südafrika sicher geimpft werden, um einer Überpopulation vorzubeugen und Konflikte mit Menschen langfristig zu reduzieren. Bislang wurden 70 % der Elefantenkühe ausserhalb des Krüger-Nationalparks – wo diese Verhütungsmethode nicht angewendet wird – behandelt. Ein einzelnes Weibchen kann in seinem Leben 8–10 Kälber zur Welt bringen, die exponentielle Wirkung des Immunkontrazeptionsprogramms ist also offensichtlich.
Obwohl der internationale Elfenbeinhandel gemäss CITES, dem Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen, verboten ist, trägt der illegale Handel mit Elefantenstosszähnen weiterhin zu deren Tötung und Dezimierung bei. Neben den verheerenden Auswirkungen der Wilderei hat die Trophäenjagd verheerende Folgen. Dabei werden Genehmigungen zum Töten von Elefanten erworben, um Körperteile als grausame Souvenirs mit nach Hause zu nehmen – eine Aktivität, die durch eine Gesetzeslücke im Elfenbeinhandelsverbot ermöglicht wird. Südafrika ist der führende Exporteur von CITES-gelisteten Jagdtrophäen für Säugetiere in Afrika – darunter auch Elefanten – und einer der grössten weltweit. Zwischen 2019 und 2023 wurden mehr als 23’000 einzelne Tiere als Trophäen exportiert.
Die USA und die Europäische Union sind die weltweit grössten Importeure von Jagdtrophäen.
Die Trophäenjagd hat besonders negative Auswirkungen auf das Ökosystem des Greater Amboseli-Kilimanjaro West in Ostafrika und bedroht dort das Überleben der Super-Tusker-Elefanten. Super-Tusker sind typischerweise ältere Männchen mit mindestens einem Stosszahn, der über 45 Kilogramm wiegt. Sie spielen eine entscheidende Rolle für das Gleichgewicht ihrer Ökosysteme und das Sozialverhalten der Bullen. Leider gibt es auf dem gesamten afrikanischen Kontinent weniger als 50 dieser ikonischen Bullen.
Für Elefantenaktivisten auf der ganzen Welt ist der Weltelefantentag kein Anlass zur Verzweiflung oder Resignation. Er ist vielmehr ein Aufruf zu neuem Engagement und neuen Anstrengungen, um ein globales Publikum über Elefanten aufzuklären, das Bewusstsein für ihre Bedürfnisse zu schärfen und ihre Notlage auf praktische Weise anzugehen – mit innovativen und wirkungsvollen Programmen, die wissenschaftlich fundiert sind und unter sorgfältiger Berücksichtigung der Interessen von Mensch und Elefant durchgeführt werden.
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