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Jagd

Volksverblödung im Kanton St. Gallen

Der IG Wild beim Wild war es immer schon ein grosses Anliegen, die Jägerschaft bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen.

Redaktion Wild beim Wild — 18. Juni 2025

Am 13. Juni 2025 wurden die diesjährigen Jagdprüfungen in St. Gallen abgeschlossen.

Insgesamt 36 Hobby-Jäger haben die Prüfungen bestanden und dürfen nun ihr Fähigkeitszeugnis entgegennehmen. Somit haben 73 % der angetretenen Prüflinge die Jagdausbildung erfolgreich beendet.

Zeitgleich berichten Medien wieder, wie unnütz die Jagdausbildung ist. Sie nützt und schützt rein gar nichts. Die Hobby-Jagd ist kein wissenschaftliches, wildbiologisch sinnvolles oder professionelles Wildtiermanagement.

Es gibt keine Vereine mit Rechtsstatus, deren Mitglieder dermassen in der Kriminalität verwurzelt sind, wie bei der Jagd. Die moderne Jagd ist geprägt von einem minderwertigen ethischen Bewusstsein und einem hohen Mass an Verantwortungslosigkeit.

Die heutige Hobby-Jagd zerstört das normale soziale Zusammenleben der Wildtiere, das ökologische Gleichgewicht, die natürlichen Verhaltensweisen, Familienstrukturen und Sozialverbände, Benutzung von Bauten und Verstecken, Wechsel von Tag– zur Nachtaktivität, erhöhte Reproduktion bestimmter Tierarten, verstärkte Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiete, unnatürliche Tierkonzentrationen in Hotspots, ökologisches Ungleichgewicht, lebenslanger gesundheitsschädigender psychischer und physischer Stress der Wildtiere, ungesundes Wildfleisch und vieles negative mehr.

Fakten statt Jägerlatein

Immer mehr Grossstadtmenschen zieht es aus ihrem Büro raus in die freie Natur – nicht nur zur Erholung, sondern auch für den Naturschutz. Würde man hier mehr sinnvolle Angebote zur Entschleunigung anbieten, müssten sie nicht bei der Jagd enden, absacken und verblöden.

Ein normaler Mensch will nicht erst einen Waffenschein machen müssen, um Biotope aufzuwerten oder Wildtiere mit Anstand, Respekt sowie Ehre zu hegen und zu pflegen. Hobby-Jäger retten im Frühling Rehkitze, damit sie ihnen im Herbst den Schuss antragen können.

Das fröhliche Auf-die-Schulter-klopfen bei dem Hobby-Jäger sieht heute beispielsweise bei den Füchsen so aus: obwohl jeder normale Wildbiologe weiss (und unzählige Studien und Fallbeispiele darauf hinweisen), dass auch die unsinnige Fuchsjagd ein vorgeschobenes Märchen ist – Jägerlatein eben.

An der Stelle des Fuchses kann man jedes beliebige Wildtier so hinlegen, nach der Hege und Pflege mit militanten Hobby-Jägern.

Hobby-Jäger verursachen auch mit der Niederwildjagd absichtlich schwerwiegende Störungen im natürlichen Artengleichgewicht, um erfolgreicher jagen zu können. 

Hobby-Jäger verbreiten sowohl bei den Menschen als auch bei den Wildtieren unsägliches Leid, Terror und Elend. Praktisch alles, was grausam, unnötig und herzlos ist, wird von Jagdverbänden gefördert, hat unlängst ein Gericht in Bellinzona bestätigt. Wegen Hobby-Jägern leiden Wildtiere. Nicht selten richten Hobby-Jäger ihre Waffen auch auf Menschen an.

Laut Studien fördern und verbreiten Hobby-Jäger sogar Krankheiten.

Hobby-Jäger tun sich schwer, wenn sie sich in der aufgeklärten Gesellschaft erklären müssen. Sie sind ungenügend, bis gar nicht gebildet. Und so watscheln die meisten Jagdscheininhaber mit folgender Einstellung durch die Natur:

  • Raubzeug muss man erlegen
  • Wildtiere sind Obst, das nur darauf wartet, geerntet zu werden
  • Ökologie sei: den Boden, Grundwasser und Wildtiere mit der Munition zu vergiften
  • im Wald möglichst viel Lärm zu veranstalten
  • Pelz ist Mode
  • Fleischkonsum sei gesund und dem Mensch angeboren
  • Jagd und Tierquälerei sind Tierschutz
  • Alkohol und andere Drogen gehören zur Gaudi an der Flinte
  • Jägerlatein ist Wissenschaft
  • Jagd sei eine tiefe Meditation
  • Töten sei ein Gebot Moses
  • Hobby-Jäger seien die Anwälte für die Wildtiere
  • usw.

Immer wieder werden aus dem Hobby-Jäger-Milieu Dinge behauptet, die bei einer genauen Analyse ihren Ursprung in der Jagdliteratur und derartigen unwissenschaftlichen Quellen haben. Das liegt vor allem an der häufig unzulänglichen Ausbildung in den Kursen zur Jägerprüfung, die überwiegend von teils Fanatikern mit sektenartigem Gedankengut durchgeführt werden und keinen regulären Qualifikationsnachweis brauchen. Nach der Ausbildung bewegt sich der Hobby-Jäger nur noch im Echoraum der Jagdpresse, die seine schiefen und oft auch falschen Darstellungen stetig wiederholt.

In den Jagdvereinen bestätigt man sich dann gegenseitig in seiner Sicht der Dinge. Auf diese Weise ist eine abgeschottete und militante Gruppierung entstanden, die für neue Informationen kaum zugänglich ist. Das Fatale dabei ist, dass Lokalpresse und Politik immer noch glauben, unter dem Jägerhut stehe Sachwissen bereit, weshalb sie bei allen Naturthemen gerne den örtlichen Hobby-Jäger befragen. So kontaminieren die Hobby-Jäger dann auch noch den öffentlichen Raum.

Hobby-Jäger werden von Beamten geschädigt

An der Stelle, wo Gewalt sich entlädt, werden genauso Schäden verursacht, wie am Punkt, auf den sie gerichtet ist. Und dies denkbar konkret auf neuronaler Ebene. Wissenschaftler haben dies bei Untersuchungen herausgefunden. Auch Neuropsychologen bestätigen: Die Amygdala, ein Kerngebiet im Gehirn, ist bei Gewalttätern auffällig zurückgebildet oder gestört. Ist dieser zentrale Teil des Gehirns defekt, ist unter anderem das Ekelgefühl ausgeschaltet.

Wer den Jagdschein macht, erhält also immer zweierlei: einen Schein fürs Töten und einen Schein fürs Verblöden.

Waidgerecht“ hat auch nichts mit Tierschutz zu tun. Die Waidgerechtigkeit der Hobby-Jäger widerspricht diametral dem Tierschutzgesetz. Waidgerecht ist vom Tierschutzgesetz ungefähr so weit entfernt wie eine Kuh vom Fahrradfahren. Die heutige Hobby-Jagd ist im Grunde schlichtweg kriminell. Nur ist unser Rechtssystem bisher nicht so weit, dies im Strafrecht zu berücksichtigen.

Immer mehr Menschen fühlen sich durch die Hobby-Jagd im 21. Jahrhundert belästigt oder bedroht.

Da loben wir uns den Kanton Genf mit einem professionellen Wildtiermanagement ohne Hobby-Jäger, aber mit integren Wildhütern. Am Genfersee gibt es Rebberge und andere Kulturen, wie in der Restschweiz auch. Offenbar haben sie dort aber menschliche und ethische Ansätze im Umgang mit Wildtieren und intelligente Massnahmen, um Kulturen zu schützen. Wildhüter veranstalten auch keine Treibjagden oder benötigen dazu Jagdhunde. Es werden in Genf keine Füchse, Marder, Dachse, Vögel usw. reguliert, nur weil Jagdzeit ist. Dies zeigt sich auch in der eidgenössischen Jagdstatistik. Dafür finden praktische Vergrämungsmassnahmen und sinnvolle Aufklärung und Hilfestellungen sowie Weiterbildung in der Bevölkerung mit den Wildhütern statt. Sicherheit, Fachwissen, Tierschutz und Ethik sind die Devise. Sanitarische und therapeutische Abschüsse der Wildhüter wie im Kanton Genf sind nicht das Gleiche, wie eine regulatorische Bejagung anhand des Jägerlateins oder falsch verstandener Naturerfahrung.

Insbesondere bei der Jagd und den Hobby-Jägern ist es elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten und Fake News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Die Hobby-Jagd ist seit Jahrzehnten nichts anderes als eine permanent kostenintensive Baustelle, Flickenteppich und Streitpunkt für Politik, Forst- und Landwirtschaft, Verwaltungen, Justiz, Krankenkassen, Versicherungen, Tierschutz-, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Polizei, Bund, Medien, usw.

Dossier Jagdverwaltung St. Gallen:

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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