St.Gallen: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker

Um die erbarmungslose Verfolgung eines unseres interessantesten Beutegreifers im Kanton St.Gallen zu rechtfertigen, behauptet man kurzerhand, die Jagd auf Fuchs oder Dachs sei notwendig, weil deren Bestände ansonsten überhandnähmen – eine längst überholte Ansicht!

Grundsätzlich produzieren wenig bejagte Fuchspopulationen auch weniger Nachkommen. Menschen produzieren immer auch Konflikte mit Wildtieren, die den gleichen Lebensraum teilen. Der Mensch verursacht, insbesondere im Lebensraum der Wildtiere, extrem mehr Schäden als die paar Trauben an denen sich ein Dachs genüsslich tun kann.

In der Schweiz fallen besonders die Kantone Bern, Aargau, Graubünden, St.Gallen, Wallis, Luzern und Zürich negativ auf, mit einer überproportionalen Jagd auf Fuchs und Dachs.

Im Kanton Bern werden rund ein Fünftel aller Rotfüchse in der Schweiz abgeschossen, obwohl Fachleute keinen Sinn darin sehen.

«Wildbiologisch ist die Fuchsjagd nicht sinnvoll, der Bestand lässt sich so nicht regulieren.“

 Peter Juesy, Ex-Jagdinspektor des Kantons Bern.

Bekannt ist, laut der Schweizerischen Tollwutzentrale, dass die Aktivitäten der Hobby-Jäger die Krankheit nur noch mehr verbreitet hat und bei der Fuchsräude usw. ist es nicht anders.

Bei dem Stress und dem pathologischen Jagddruck der Hobby-Jäger im teilweise dicht besiedelten Lebensraum muss man sich auch nicht wundern, wenn Wildtiere krank werden.

St. Galler Jägerinnen und Jäger jagen auch nicht waidgerecht. Schweizer Jäger und Jagdverbände rühmen sich gerne, „waidgerecht“ zu jagen. Waidgerecht bedeutet nicht nur, konform mit den Gesetzen zu sein, sondern vielmehr auch stets den ungeschriebenen Regeln der Jagd zu folgen. Im Jagd-Kodex zur Waidgerechtigkeit aus dem Jahr 2014 erklärt der Schweizer Jagdverband seine Philosophie der Schweizer Jägerinnen und Jäger für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Jagd. Im Folgenden heisst es dort zum Beispiel:

  • Ich vermeide unnötige Beunruhigung des Wildes.
  • Ich vermeide unnötiges Leiden von Tieren.
  • Wo Einstände als Rückzugsgebiete des Wildes beeinträchtigt werden, setze ich mich für die Wildtiere ein.
  • Ich trage Sorge zur Umwelt und setze mich dafür ein, dass Lebensräume geschützt und aufgewertet werden.
  • usw.

Mit Beginn der Paarungszeit ab Anfang Dezember liegen auf der Jagdstrecke der St.Galler Jägerinnen und Jäger mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits tragende Füchsinnen und regelmässig die Fuchsväter. Die fallen dann später als Hauptversorger der jungen Fuchsfamilien aus. Insbesondere bei Nachtansitzen besteht eine grosse Gefahr, die Fähe mit einem Jungfuchs zu verwechseln und letztendlich ein für die Welpenaufzucht zwingend erforderliches Elterntier zu töten. Spätestens ab dem Beginn der Setzzeit der Füchse ist das eine Straftat. Wer jetzt noch Füchse jagt, jagt nicht waidgerecht. Selbst in der Jagdliteratur wird anerkannt, dass der Rüde für die Aufzucht der Jungtiere erforderlich ist. Die Jagdgesetzgebung wird aber dem Umstand nicht gerecht, dass ausgerechnet zwischen Paarungs- und Setzzeit (das ist die Zeit, wenn die Jungtiere zur Welt kommen) Fuchseltern besonders intensiv bejagt und getötet werden, was Tierquälerei ist.

Für den Fuchs scheint diese Jagdethik nicht zu gelten. Hier billigen Hobby-Jäger, Jagdverbände und Gesetzgeber selbst das Töten der zur Aufzucht notwendigen Elterntiere! „Wir fordern die zuständigen Behörden deshalb auf, durch entsprechende Gesetze oder Schonzeiten unverzüglich den Schutz von Elterntieren während der Paarungszeit und der Zeit der Jungenaufzucht zu gewährleisten„, erläutert Carl Sonnthal von der IG Wild beim Wild. Kantone, wie Genf, Neuenburg, Waadt, Fribourg, Zug oder Obwalden, tun dies bereits teilweise, um dieser Tierquälerei Einhalt zu gebieten.

Impfköder statt Symptombekämpfung

Hobby-Jäger propagieren angesichts des Auftretens von Fuchsräude intensive Fuchsbejagung als Allheilmittel zur Bekämpfung der Infektion. Ähnlich wie bei Tollwut und Fuchsbandwurm gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, warum noch erbarmungslosere Fuchsjagd die Ausbreitung der Räude eindämmen sollte – immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht möglich ist. Zudem fördert die Bejagung Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung – ähnlich, wie es für die Tollwut nachgewiesen ist eher steigen als sinken dürfte. Da die Räude herdförmig auftritt und in einigen Gebieten deutlich schlechter Fuß fassen kann als in anderen Regionen, vermuten Epidemiologen zudem, dass sich mancherorts weitestgehend gegen die Räude immune Fuchspopulationen herausbilden.

In Grossbritannien setzt die National Fox Welfare Society (NFWS) zum Beispiel mit angeblich grossem Erfolg ein homöopathisches Medikament ein, das erkrankten Füchsen in Siedlungsgebieten über einen präparierten Köder – in diesem Fall Honigsandwiches – verabreicht wird. Nach Angaben der NFWS wirkt die Behandlung in 99 Prozent aller Fälle.

Ein Präparat in Tablettenform, das bereits bei einmaliger Anwendung zwölf Wochen wirkt, ist Bravecto (Wirkstoff: Fluralaner). Bravecto wirkt gegen Räudemilben und wird erfolgreich zur Behandlung wild lebender räudekranker Füchse eingesetzt. Ebenso wie Selamectin wird Bravecto auch von säugenden Füchsinnen und Welpen gut vertragen.

Fakt ist zudem, dass die Räude schon seit Jahrzehnten in unregelmässigen Abständen lokal in aufflackert. Dabei zeigt sich, dass vor allem geschwächte Füchse besonders anfällig für eine Infektion sind. Neben Parasiten, Krankheiten oder Nahrungsmangel kann auch hoher Jagddruck die Konstitution der Tiere beeinträchtigen. So zeigen verschiedene Studien, dass beim Tod eines Fuchsrüden, der seine Familie mit Nahrung versorgt, der körperliche Zustand sowohl der Füchsin als auch der Welpen erheblich beeinträchtigt werden kann. Auch dies legt eine kontraproduktive Wirkung der Fuchsjagd nahe.

Mittlerweile gibt es mehrere Belege dafür, dass sich – insbesondere nach einem Räudezug – Fuchsbestände herausbilden, die weitgehend gegen die Räude resistent sind. Nur bei einem kleinen Teil dieser Tiere treten tatsächlich Symptome auf. Hobby-Jäger können einem Fuchs eine eventuelle Räuderesistenz jedoch nicht ansehen und töten somit wahllose resistente Tiere ebenso wie für den Parasiten anfällige. Infolgedessen wird der sich aus der Resistenz ergebende Überlebensvorteil eliminiert, was abermals dem Ziel der Reduktion von Räudefällen zuwiderlaufen dürfte.

Bern Fuchs Jagd

Für Füchse gibt es keine rechtliche Abschussplanung und Bestandserfassung. Die Jagd auf Füchse gleicht einer Kurzschlussökologie für ungenügend ausgebildete Jäger.

Es ist genau diese Mentalität der sinnlosen Ausbeutung aus Gier oder falsch verstandener Naturerfahrung, die dazu führt, dass die Schweiz von ganz Europa die längste rote Liste der bedrohten Arten hat. Sinnloses Töten auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene findet statt. Es ist offensichtlich, dass die Biodiversität, Lebensräume und Ökosysteme in der Schweiz nicht ausreichend von den Hobby-Jägern geschützt werden. Paradoxerweise, sind es immer auch diese Kreise aus Hobby-Jägern und Vieh-Bauernvertretern mit ihrer Lobbyarbeit, die über die Politik, Medien und Gesetze seit Jahrzehnten dafür verantwortlich zu machen sind. Sie sind es, die zeitgemässe, ethische Tierschutz-Verbesserungen notorisch blockieren und den seriösen Tier- und Artenschutz sabotieren.

Hobby-Jäger in St.Gallen sind als Treiber einer primitiven Gewaltkultur, was die Jagd zweifelsfrei ist, und Unruhestifter im Tierreich über die Kantonsgrenze bekannt.

Für die IG Wild beim Wild ist es nicht zielführend, den Kantonen mehr Befugnisse im Jagdgesetz zu geben, wie es am 17.5.2020 zur Abstimmung kommt – im Gegenteil. Sie können mit der Verantwortung nicht umgehen, sind überfordert, sind als Hobby-Jäger und Entscheidungsträger ungenügend ausgebildet und sie lügen. Zudem haben sie schon genug Narrenfreiheit. Aktuelle Beispiele sind zum Beispiel der Amtsleiter für Jagd und Fischerei im Kanton Zürich, der kürzlich die Nachtjagd auf Füchse eingeführt hat, mit der Behauptung, Füchse übertragen die Tollwut. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die terrestrische Tollwut besiegen – sie gilt in der Schweiz seit 1998 und in weiten Teilen Europas als ausgerottet! 

Gewalt beginnt in St.Gallen, wo Wissen endet

Immer wieder werden aus dem Hobby-Jäger-Milieu Dinge behauptet, die bei einer genauen Analyse ihren Ursprung in der Jagdliteratur und derartigen unwissenschaftlichen Quellen haben. Das liegt vor allem an der häufig unzulänglichen Ausbildung in den Kursen zur Jägerprüfung, die überwiegend von teils Fanatikern mit einem sektenartigem Gedankengut durchgeführt werden und keinen regulären Qualifikationsnachweis brauchen. Nach der Ausbildung bewegt sich der Hobby-Jäger nur noch im Echoraum der Jagdpresse, die ihre schiefen und oft auch falschen Darstellungen stetig wiederholt.

In den Jagdvereinen bestätigt man sich dann gegenseitig in seiner Sicht der Dinge. Auf diese Weise ist eine abgeschottete und militante Gruppierung (8) entstanden, die für wissenschaftliche Informationen kaum zugänglich ist. Das Fatale dabei ist, dass Lokalpresse und Politik immer noch glauben, unter dem Jägerhut stehe Sachwissen bereit und bei allen Naturthemen gerne den örtlichen Hobby-Jäger befragen. So kontaminieren die Hobby-Jäger dann auch noch den öffentlichen Raum.

Da loben wir uns den Kanton Genf mit einem professionellen Wildtiermanagement ohne Hobby-Jäger, aber mit integren Wildhütern. Am Genfersee gibt es Rebberge und andere Kulturen, wie in der Restschweiz auch. Offenbar haben sie dort aber menschliche und ethischer Ansätze im Umgang mit Wildtieren und intelligente Massnahmen, um Kulturen zu schützen. Es werden in Genf keine Füchse, Marder oder Dachse reguliert, nur weil Jagdzeit ist. Dies zeigt sich auch in der eidgenössischen Jagdstatistik (2). Dafür finden praktische Vergrämungsmassnahmen (12) und sinnvolle Aufklärung und Hilfestellungen sowie Weiterbildung in der Bevölkerung mit den Wildhütern statt. Sicherheit, Tierschutz und Ethik sind die Devise.

Bern Fuchs

Laut Tierschutzgesetz (Art. 26 TSchG) muss ein “vernünftiger Grund” für das Töten eines Tieres vorliegen – bei der Jagd auf Füchse und Dachse handelt es sich jedoch meist lediglich um die Befriedigung eines blutigen Hobbys. Für diese Wildtiere gibt es keine rechtliche Abschussplanung. Die Tiere dienen den Hobby-Jägern als lebendige Zielscheibe, denn es besteht weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht ein Grund für die massenhafte Bejagung gesunder Beutegreifer.

Demnach ist jede Fuchs- oder Dachsjagd in St.Gallen ein klarer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz, weil es am vernünftigen Grund mangelt. Die Fuchs- und Dachsjagd ist somit auch im Kanton St.Gallen hauptsächlich organisierte Tierquälerei.

Wildtiere haben auch Gefühle und Emotionen. Sie können leiden, trauern und Freude empfinden. Sie leben wie wir Menschen in Familienverbänden und Sozialstrukturen, welche Hobby-Jäger meist zum Spass terrorisieren und schänden.

Mindestens 8 Monate wird den Füchsen im Kanton St.Gallen nachgestellt – beim Dachs sind es über 6 Monate, laut der eidgenössischen Jagdstatistik. Bei dem Stress muss man sich nicht fragen, weshalb diese Tiere krank werden. In ganz Europa liegt das Epizentrum Fuchsbandwurm-Meldungen in der Schweiz, genau in dem Gebiet der Schweiz, wo jagdaffine Hobby-Jäger, sich bei den kantonalen Behörden eingenistet haben. Diese widersinnigen Störungen und Lärmemissionen stören immer auch die gesamten Wildtierpopulationen und Einwohner.

Meister Grimbart – wie der Dachs in der Fabel genannt wird – ist nicht häufig zu beobachten: Das grösste Tier der Marderfamilie ist scheu und nur nachts aktiv. Den Tag verbringen Dachse hauptsächlich im Dachsbau, der meist am Siedlungsrand liegt und oft über Generationen weiter benutzt wird. Auch Dachse sind für Menschen harmlos und weder für die Land- und Forstwirtschaft noch für Wild- und Haustiere eine Gefahr. Dachse greifen keine Katzen an und sind hauptsächlich nachts unterwegs. Müssen sie sich gegen Hunde verteidigen, verliert in der Regel der Hund. Den Winter bzw. bei tiefen Temperaturen verbringen Dachse überwiegend schlafend – sie halten eine Winterruhe.

Wissenschaft versus Jägerlatein

Es gibt seit mehr als 30 Jahren mindestens 18 wildbiologische Studien, die beweisen: Die Fuchsjagd reguliert nicht und taugt auch zur Seuchenbekämpfung nichts. Im Gegenteil!

Wissenschaftliche Untersuchungen (5) haben nämlich ergeben, dass selbst bei einem Abschuss von drei Vierteln eines Bestands im nächsten Jahr wieder die gleiche Zahl an Füchsen da sind. Je stärker sie bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation“ von diesen Beständen ist weder nötig, noch ist sie mit jägerischen Mitteln überhaupt möglich.

Fuchsbestände werden über ein komplexes Sozialsystem reguliert. Füchse leben in Familienverbänden, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt (wie bei den Wildschweinen die Leitbache). Geburtenbeschränkung statt Massenelend kommentierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen. Greift der Mensch jedoch mit Falle und Flinte in die Fuchspopulation ein, werden diese Familiengemeinschaften (3) zerstört. Infolge dessen sind nahezu alle Füchsinnen paarungsbereit, zudem steigt die Zahl der Welpen pro Wurf stark an.

„Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel. Die Erfahrung zeige, die Natur könne man sich selber überlassen. Rein pragmatisch gesehen ist die Niederjagd nicht notwendig.“

Heinrich Haller, Ex-Nationalparkdirektor Graubünden und Wildbiologe

Untersuchungen in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeitpunkten haben zudem den Einfluss des Rotfuchses nicht nur auf die Rehpopulation belegt: Für das Berner Mittelland wird geschätzt, dass ein Fuchs in den Monaten von Mai bis Juli durchschnittlich elf Kitze erbeuten kann. Damit wird auch der Wildverbiss reduziert (1).

Viele Fallbeispiele wie Nationalpärke, Luxemburg (10) oder zum Beispiel der Kanton Genf haben aufgezeigt, dass es keinerlei stichhaltige Argumente für diese Massaker gibt. Frei werdender Lebensraum wird von diesen Tieren umgehend wieder besetzt. Wissenschaftlich gut belegt ist, dass der Fuchsbestand sich weitestgehend unabhängig von jagdlichen Beeinflussungsversuchen entwickelt, weil die Bejagung im Gegenteil die Fortpflanzungsraten erst in die Höhe schnellen lässt.

In der Schweiz schiessen Hobby-Jäger aber jedes Jahr rund 20’000 gesunde Füchse für die Mülltonne bzw. Verbrennung (2). Genau die Anzahl, damit die Risikogruppe Hobby-Jäger später ihr sektiererisches Jägerlatein als unabdingbare Regulatoren verbreiten können. Der unsinnige Kadaverberg auf Kosten der Steuerzahler muss beendet werden. Die Hobby-Jägerschaft verursacht mehr Probleme, als sie angeblich löst. Dieses widersinnige Gebaren hilft auch den Wäldern nichts.

Immer wieder kommt es bei diesen Jagden auch zu fatalen Verwechslungen und Hobby-Jäger erschiessen geschützte Tierarten wie Goldschakale oder Wölfe (8).

Kann es die aufgeklärte Steuerzahlerin und der verantwortungsvolle Steuerzahler mit seinem Gewissen noch vereinbaren, derartige Funktionäre im Kanton zu unterstützen, die sich einen Deut um Ethik, Wissenschaft oder Tierschutz kümmern und die Bevölkerung belügen und in Gefahr bringen?

Schluss mit der Tierquälerei und Steuergeldverschwendung im Kanton.

Nahrungsaufnahme der Wildtiere im gemeinsamen Lebensraum sind keine Schäden, sondern ein natürlicher Prozess zum Überleben dieser Lebewesen. Hier sind Toleranz und Fairness gefragt. Wir Menschen verbauen und zerstören den Lebensraum der Wildtiere auf allen Ebenen um ein Vielfaches mehr. Wildtiere haben genauso eine Daseinsberechtigung wie Menschen. Diese respektlosen Tötungsaktionen und Kopfgeldprämien stehen in keinem Verhältnis zu einem gesunden und herzensbildenden Gerechtigkeitssinn. Gegen Hagel und Vogelfrass schützt man sich zum Beispiel auch mit Netzen oder Vergrämung (12).

Die Fuchsjagd ist ökologisch, ökonomisch und epidemiologisch sinnlos – ja sogar kontraproduktiv! – und muss daher im Sinne von Mensch, Natur und Tierwelt sowie aus der Sicht von Ethik, Moral und Tierschutz verboten werden. Mit blindem Aktionismus und Gewalt ist niemandem geholfen.

Wir fordern mit dieser direkten Eingabe der Petition an Entscheidungsträgern das Töten dieser wunderbaren Geschöpfe schnellstmöglich zu untersagen und im Amtsblatt zu publizieren.

Petition und/oder Kommentar an folgende Stellen selbständig per E-Mail senden:

  • Amt für Natur, Jagd und Fischerei: info.anjf@sg.ch
  • Regierungsrat Bruno Damann: info.vdgs@sg.ch
  • Grüne St.Gallen: info@gruene-sg.ch
  • SP St.Gallen: info@sp-sg.ch
  • Grünliberalen St.Gallen: sg@grunliberale.ch
  • Tierschutz St.Gallen: info@tierlidienst.ch

Entscheidungsträgern in St.Gallen telefonisch die Meinung kundtun:

  • Amt für Natur, Jagd und Fischerei +41 58 229 39 53
  • Regierungsrat Bruno Damann +41 58 229 34 87
  • Grüne St.Gallen + 41 076 456 25 15
  • SP St.Gallen + 41 071 222 45 85
  • Grünliberalen St.Gallen + 41 071 250 18 81
  • Tierschutz St.Gallen + 41 071 244 42 38

Ergänzend dazu fordern wir für Fuchs und Dachs:

  • Die Anerkennung wissenschaftlicher Studien und Expertenmeinungen (nicht aus dem Hobby-Jäger-Milieu), welche die Notwendigkeit der Bejagung infrage stellen bzw. widerlegen.
  • Keine Verbreitung von sektiererischen bzw. widerlegten Jägerlügen, wie die angebliche Notwendigkeit der Regulation von Fuchsbeständen, sowie die Panikmache vor Tollwut, Fuchsbandwurm und Räude, oder der Fuchs sei schuld am Rückgang des Niederwilds usw.
  • Das Töten von Tieren im Rahmen einer Freizeitbeschäftigung hat nichts im 21. Jahrhundert zu suchen und sollte auch strafrechtlich geahndet werden.
Bern Fuchs

Begründung:

Im Kanton St.Gallen wurden in der Jagdsaison 2018/19 meist gesunde 1’681 Füchse und 304 Dachse auf nicht wissenschaftlicher Basis oder wildbiologischem Fachwissen von militanten Hobby-Jägern getötet. Fallwild beim Rotfuchs wird mit 729 in der eidgenössischen Jagdstatistik angegeben.

Die angebliche Gefährdung der Wiesenvögel, also der Bodenbrüter, kann ins Reich der Jägermärchen verwiesen werden, gibt es doch Forschungsarbeiten, die den Einfluss auf die Vogelpopulationen als unbedeutend einstufen (3). Das ist umso nachvollziehbarer, wenn man sich die Hauptnahrung der Füchse vergegenwärtigt: Mäuse und Regenwürmer. Füchse sind ausgesprochene Nützlinge für die Landwirtschaft. Und dass Füchse ausgesprochene Forstnützlinge sind und den Menschen durch das eifrige Vertilgen von Mäusen (die als Hauptüberträger etwa für die Lyme-Borreliose gelten) auch vor Krankheiten schützen, ist dagegen nur wenigen Menschen bekannt.

Die industrielle Landwirtschaft ist der Hauptfaktor für den Populationsrückgang der bedrohten Arten, da sie den Lebensraum der Tiere zerstört. Durch neue Ackerflächen, Monokulturen, Dünger und Pestizide werden für sie überlebenswichtige natürliche Strukturen immer weiter zerstört – mit der Überdüngung schwindet zudem auch das Nahrungsangebot. Die Tötung von Tieren durch Hobby-Jäger übt jedoch zusätzlichen Druck auf die geschwächten Populationen aus und kann diese an den Rand der Ausrottung bringen. Absurderweise versucht die Jägerschaft, den Rückgang der Feldhasenbestände Beutegreifern wie dem Fuchs zuzuschreiben. Füchse ernähren sich jedoch vornehmlich von Mäusen und Regenwürmern und sind keine Bedrohung für die Hasenpopulation oder für Bodenbrüter. Einerseits ist es für den Fuchs Zeitverschwendung, erfolglos nach seltener und dementsprechend schwer zu findender Beute zu suchen, andererseits ist etwa ein gesunder Hase keine Beute für einen noch so schnellen Fuchs – mit ihren kräftigen Hinterläufen können die Langohren sich aus dem Stand auf mehr als 70 km/h katapultieren. Untersuchungen zeigen, dass der bei weitem größte Teil der von Füchsen gefressenen Hasen als Aas aufgenommen wird.

Die Scheinargumente der angeblichen Bekämpfung der Tollwut, des Fuchsbandwurms oder der Räude durch die gnadenlose Bejagung sind wissenschaftlich widerlegt. Die Räude ist viel seltener als vermutet und Füchse mit guter Konstitution können die Räude ausheilen. Diese Fuchsbestände sind dann resistent gegen Neuinfektionen. Ausserdem stellt Räude bei Füchsen keine Gefahr für Menschen oder Haustiere dar. Sie ist sehr einfach behandelbar. Es gibt weitaus mehr Verletzte oder Todesopfer durch die militanten Hobby-Jäger selber!

Fuchsbandwurm

Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen. Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien (6) belegen.

In ganz Europa liegt das Epizentrum Fuchsbandwurm-Meldungen in der Schweiz, genau in dem Gebiet der Schweiz, wo jagdaffine Hobby-Jäger, sich bei den kantonalen Behörden eingenistet haben. Diese widersinnigen Störungen und Lärmemissionen auf der Jagd der Hobby-Jäger im Lebensraum stören immer auch die gesamten Wildtierpopulationen und Einwohner.

Es gibt weitaus mehr Zoonosen bei Heimtieren und Nutztieren. In der Regel stecken sich nur Hobby-Jäger mit einer Zoonose wie dem Fuchsbandwurm an. Etwa 20 – 30 Personen infizieren sich in der Schweiz pro Jahr mit dieser Leberkrankheit (Echinococcus multilocularis). Dies ist nicht mehr als früher, da man weniger Füchse in den Städten vorfand. Das Immunsystem der meisten Menschen ist stark genug, um eine Infektion abzuwehren. In der Regel bilden sich die Larven des Fuchsbandwurms in der Leber von Mäusen und einigen Ratten. Frisst ein Fuchs die befallene Maus, entwickelt sich in seinem Darm wieder ein Bandwurm. Auch Katzen und Hunde, die Mäuse fressen, können so den Parasiten verbreiten, erkranken selbst aber nicht. Als einigermassen beruhigend kann die Tatsache gesehen werden, dass die Erkrankungshäufigkeit in der Schweiz sehr gering ist, dass eine direkte Übertragung vom Fuchs auf Hunde nicht möglich ist und dass kastrierte Tiere keinen Fuchsbandwurm kriegen.

Stadtfüchse haben in der Regel eine Befallsrate unter 20 %, da ihre Nahrung hauptsächlich aus Nahrungsmittelresten besteht. Landfüchse hingegen haben eine höhere Befallsrate, weil sie sich reichlich von Feldmäusen ernähren.

Das Infektionsrisiko ist für normale Waldbesucher minimal. Entgegen der vielen Gerüchte ist von keinem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch Waldbeeren angesteckt hätte. Beeren, die hoch am Strauch hängen, scheiden als Infektionsweg aus. Es ist schwer vorstellbar, wie etwa Fuchskot an hoch hängende Beeren gelangen soll.

„Wir haben beobachtet, dass Fuchsmütter dort, wo man die Tiere jagt, mehr Junge zur Welt bringen. Man könne zwar mit einem Abschuss punktuell eine Entlastung schaffen, doch in Kürze werden die freien Reviere wieder eingenommen. Die Natur reguliert das selbst.“

 Wildhüter Fabian Kern

Abschüsse von Füchsen können sogar den Effekt haben, dass der frei gewordene Lebensraum neu von Füchse mit einem viel grösseren Anteil an Trägern des Fuchsbandwurmes bewohnt wird.

Fuchsräude

Nicht jeder strubbelig aussehende Fuchs hat die Räude, und Hunde sind auch nicht hochgradig ansteckungsgefährdet. Die parasitierende Räudemilbe kann durchaus Hunde oder Menschen befallen – aber dieser Befall ist hier wie dort sehr gut behandelbar. Das lokal scheinbar vermehrte Auftreten besagter Milben ist nicht die Folge einer zu hohen Populationsdichte bei Füchsen. Deshalb werde eine stärkere Bejagung auch nicht der Ausbreitung der Räude vorbeugen. Wissenschaftlich belegt ist vielmehr, dass gerade beim Fuchs die Bejagung zur Eindämmung von Wildtierkrankheiten kontraproduktiv ist. Auch generell zeigt sich, dass in intensiv bejagten Gebieten die Fuchspopulation nicht sinkt, sondern durch Zunahme der Reproduktion und Zuwanderung von Tieren gar steige.

Als Hauptgründe für die Verbreitung der Fuchsräude gelten die intensive Bejagung. Durch die Jagd kommt es zu einer künstlich verjüngerten und zunehmenden Population mit schwachem Immunsystem und daraus resultierend im Herbst zu einem Anstieg migrierender Jungfüchse, die in sich getragene Erreger verbreiten.

Im Jagdjahr 2018/19 wurden 1’681 Füchse in der Jagdstatistk St. Gallen unter Abschuss erwähnt. Wie viele von denen und jene 729 unter Fallwild in % waren mit einer Krankheit wie Räude, Staupe usw. infiziert, wollte die IG Wild beim Wild von Dominik Thiel wissen.

„Wir haben keine vollständige, einheitliche und damit auswertbare Detailstatistik, welche genau auf ihre Frage eine Anwtort gibt.“

Domink Thiel, Amt für Jagd und Fischerei

Anders zum Beispiel der Kanton Luzern:

  • Fallwild Räude: 14
  • Fallwild Staupe: 1
  • Fallwild andere Krankheit: 5
  • Abschuss Räude: 32
  • Abschuss Staupe: 1
  • Abschuss andere Krankheit: 6
  • Abschuss Krankheit gesamt: 39

Auch in der Vergangenheit flackerten die Räude und Staupe lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichte macht (ein Hobby-Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schliesslich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein. Übrigens hat man bei der Staupe festgestellt, dass Wildtiere bereits Antikörper gebildet haben und die Gefahr somit marginal ist.

Füchse schützen uns

Eine neue Studie (7) deutet darauf hin, dass das Aussterben von Mäuse jagenden Beutegreifern, insbesondere der Fuchs, Ursache für die steigende Anzahl der von zeckenübertragenden Erkrankungen beim Mensch ist.

Füchse haben zudem einen positiven Einfluss, um die Menschen und Tiere vor dem Hantavirus, Botulismus oder zum Beispiel Leptospirose (11) zu schützen.

„Würden nicht so viele Füchse getötet, müssten die Bauern auch nicht so viel Gift auf den Feldern gegen die Mäuseplagen ausbringen – was wiederum das ganze Ökosystem belastet.“

IG Wild beim Wild

Förster müssen mit Chemie, Mechanik und Fallen Mäuse bekämpfen, welche Keimlinge und Bäume schädigen, während Hobby-Jäger Füchse jagen, welche eigentlich die Mäuse unter Kontrolle halten würden. Millionen von Franken an Schäden und Mehraufwand für den Waldbau wegen der Jagd sind die Folgen. Landwirte, Obstgärtner müssen Mäusejäger engagieren, weil der Fuchs und andere Beutegreifer fehlen.

Barbarische Folklore oder normale Jagdmethode?

Im Rahmen der Fuchsjagd kommen Praktiken (9) zum Einsatz, die das Tierschutzgesetz eigentlich verbietet. Besonders grausam geht es bei der Baujagd und der Bauhundeausbildung an lebenden Füchsen zu.

Zumindest in der Schweizer Bevölkerung geniesst die Baujagd kaum Akzeptanz; das zeigt eine repräsentative Umfrage im September 2017 unter 1015 Personen, die das Marktforschungsunternehmen Demoscope im Auftrag des Schweizer Tierschutzes (STS) durchgeführt hat. 64 Prozent unterstützen ein Verbot, nur 21 Prozent wollen die Baujagd beibehalten. Die Ablehnung ist unter Frauen und den 15- bis 34-Jährigen etwas stärker ausgeprägt. Ein Röstigraben existiert nicht.

Der Fuchs ist ein sehr anschauliches (und trauriges) Beispiel dafür, wie der Hobby-Jäger mit seiner Unkenntnis und dem zwanghaften Kontrollbedürfnis gegenüber die Natur Probleme selbst kreiert und natürliche regulative Mechanismen verschlimmert. Setzt man sich vorurteilsfrei mit Füchsen auseinander, erkennt man schnell, dass sie faszinierende Tiere mit beeindruckenden Fähigkeiten sind. Sie sind sehr fürsorgliche Eltern und verfügen über ausserordentliche Fähigkeiten, wie die Miteinbeziehung des Erdmagnetfelds bei der Nahrungsbeschaffung. Zudem sind sie als Mäusejäger sowohl für die Land- als auch Forstwirtschaft sehr wichtig und haben einen wesentlichen Anteil an der Eindämmung von „Nagetier-übertragenen Pathogenen“, wie Hantaviren oder Borrelien. Aus diesen Gründen sollten wir den Fuchs als das sehen, was er ist – nämlich als einen wichtigen Bestandteil des Ökosystems und eine Bereicherung der heimischen Fauna.

Eigentlich gehört die ganze Niederjagd verboten. Wer sinnlos tötet, schützt nicht und der zivilisierten Gesellschaft nützt es nichts. Hobby-Jäger sorgen somit auch nicht für gesunde oder natürliche Wildbestände.

Insbesondere bei den Hobby-Jägern ist es überaus elementar, dass man ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten, Jägerlatein und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze!

Quellen:

  1. Fred Kurt: Das Reh in der Kulturlandschaft. Ökologie, Sozialverhalten, Jagd und Hege. Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, S. 83.
  2. Eidgenössische Jagdstatistik Link
  3. Erläuterungen und Quellenangaben Link
  4. Broschüren über Füchse: Link
  5. Wissenschaftliche Literatur: Studien Rotfuchs
  6. Jäger verbreiten Krankheiten: Studie
  7. Jagd fördert Krankheiten: Studie
  8. Hobby-Jäger in der Kriminalität: Die Liste
  9. Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig: Artikel
  10. Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot: Artikel
  11. Niederjagd und Wildkrankheiten: Artikel
  12. Vergrämung von Wildtieren: Artikel

Online-Petitionen

Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern, die den Namen auch verdienen und gemäss einem Ehrenkodex handeln. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.