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Jagdgesetz

Mitmach-Aktion: Ein Appell für eine Veränderung in der Schweiz

Der Wolf ist nicht im Jagdrecht enthalten. Ergo dürfen Hobby-Jäger auch nicht Hand anlegen. Dies ist nur der Wildhut vorbehalten.

Redaktion Wild beim Wild — 30. November 2023

Vor ein paar Tagen wurde aufgrund einer kürzlich vorgenommenen Gesetzesänderung der Abschuss zahlreicher Wölfe in der Schweiz genehmigt.

Wölfe sind jedoch gemäss der Berner Konvention bzw. des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume – beides Vereinbarungen, die auch die Schweiz ratifiziert hat – eine «streng geschützte Tierart». Der nun bewilligte Abschuss untergräbt diese Abkommen und damit den Schutz der Wölfe. Ausserdem widerspricht die Entscheidung für die Abschussaktion dem Ergebnis eines nationalen Referendums im Jahr 2020.

Von Bundesrat Albert Rösti (SVP) orchestriert, sollen nun auch Hobby-Jäger anfangen, Wölfe illegal zu massakrieren, obwohl der Wolf für sie nicht im Jagdrecht enthalten ist. Diese Aufgabe ist eigentlich nur Wildhütern vorbehalten.

Seriöse Natur- und Tierschutzorganisationen im In- und Ausland haben das Vorgehen vom Bundesrat im Vorfeld scharf kritisiert. Auf Bundesrat Albert Rösti rollt nun eine Klagewelle zu, die hoffentlich zu seinem Rücktritt führen wird. Ein solches, am Volkswillen Vorbei-Politisieren eines Bundesrates ist einer Demokratie nicht würdig.

Die IG Wild beim Wild empfiehlt allen, die die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als ein schützenswertes Gut erachten, bis zum Rücktritt von Bundesrat Albert Rösti zu protestieren.

Bundesrat Albert Rösti (SVP)

Bundesrat Albert Rösti ist kein gutes Vorbild für den Schutz der Biodiversität. Vielmehr ist er ein Politiker, der die jahrelange Aufbauarbeit zugunsten der Biodiversität oder zum Schutz des Waldes willkürlich sabotiert und die Gesellschaft damit in diesen ohnehin unruhigen Zeiten zusätzlich spaltet. Eine Steuergeldverschwendung sondergleichen.

Seit dem Auftauchen des Wolfes verenden «nur» noch rund 5‘000 Schafe während der Sömmerung in den Schweizer Alpen. Früher gingen jedes Jahr rund 10‘000 Schafe durch Abstürze, Hunger, Verletzungen, Krankheiten etc. elend zugrunde. Dank der vermehrten Behirtung wegen des Wolfes sind es also Tausende Tiere weniger, die jährlich sterben. Obwohl es immer mehr Wölfe in der Schweiz gibt, hat die Anzahl der Risse dank des Herdenschutzes im Jahr 2023 signifikant abgenommen. In Graubünden waren es 50 % weniger und im Kanton Glarus sogar 80 % weniger.

Der Wolf ist nicht das Untier, das uns der anachronistische Bundesrat Albert Rösti präsentiert. Laut einem TV-Interview bei Tele Zürich möchte er am liebsten gar keine Wölfe mehr in der Schweiz haben.

Vermutlich hat Bundesrat Albert Rösti selbst diffuse Ängste vor dem Wolf. Diese sollten behandelt und nicht unkontrolliert ausgelebt werden.

Mit seiner Politik schadet Bundesrat Albert Rösti dem Ansehen der Schweiz im Ausland: 221 Umweltorganisationen aus 6 Kontinenten fordern die Schweizer Regierung auf: Stoppt den Wolfsabschuss

Was kostet die Jagd auf den Wolf?

Die Urner Sicherheitsdirektion hat in diesem Jahr bereits zweimal eine Abschussverfügung für einen „schadenstiftenden Wolf“ erlassen – erfolglos. Dies bestätigte Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti in einer Fragestunde des Landrats. Dort verriet er auch, dass die Jagd bisher 50’000 Franken gekostet hat – im Vergleich zu den 45’000 Franken, welcher der letzte Abschuss 2016 verschlang. Nun sollen in der Schweiz zwei Drittel der Population willkürlich massakriert werden. Dies kann Kosten von weit über 10 Millionen Franken verursachen.

Die Ressourcen werden indessen also lieber in die zeit- und kostenintensive Wolfsjagd gesteckt, als in den sinnvollen Herdenschutz. Eine Strategie, die dem Zusammenleben von Mensch und Tier diametral widerspricht.

Der Landwirtschaft ist mit dem Abschuss ganzer Rudel nicht gedient, da sofort neue Wölfe einwandern und ohne Herdenschutz wieder Schäden anrichten, vielleicht sogar noch mehr.

Unverhältnismässigkeit

Tagtäglich werden in der Schweiz Menschen von Hunden angefallen und gebissen. Selten kommt es auch zu Todesfällen. Nicht nur Radfahrer und Wanderer kennen die aggressiven Bauernhofhunde. Durchschnittlich acht Unfälle mit Hunden verlaufen jedes Jahr so schwer, dass sie zu einer Invalidenrente führen. Immer wieder reissen auch ausgebüxte Hunde Nutz- und Wildtiere. Sind sie als Nächstes an der Reihe?

Wegen der unqualifizierten Hobby-Jäger kommt es zudem jährlich zu mehreren Todesfällen und Hunderten von Verletzten.

Die Schweiz ist beim Artenschutz das Schlusslicht Europas. Mehr als ein Drittel der Arten und die Hälfte aller Lebensräume sind bedroht. Ein Grund dafür sind die viel zu hohen Nutztierbestände wie Schafe, Ziegen und andere. Der Mensch und seine meist unter tierquälerischen Umständen gehaltenen Nutztiere stehen gegenüber allen Wildtieren im Verhältnis 97 % zu 3 % laut einer Studie. Eine Unverhältnismässigkeit der Biomasse sondergleichen, die uns zu denken geben sollte. Und die Schweiz hat in % am wenigsten Flächen unter Schutz gestellt. Wir haben leider auch die wohl höchsubventionierteste Landwirtschaft weltweit, welche dazuführt, dass wir eine der intensivsten Landwirtschaften überhaupt haben. Und wir gönnen unseren Wildtieren nichts.

So kann es nicht weitergehen.

Für Aktivisten

Ich schliesse mich dieser Kritik an und protestiere, bis der nun beschlossene Abschuss von Wölfen vollständig rückgängig gemacht wurde, Bundesrat Albert Rösti seinen Rücktritt bekannt gibt und der Wolf ab sofort in der Schweiz ohne Wenn und Aber geschützt wird.

Musterbrief: Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz:

Dossier: Wolf in der Schweiz: Fakten, Politik und die Grenzen der Jagd

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