16. Mai 2026, 21:14

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Jagd

Murmeltier auf der Karte: Gewalt auf dem Teller

Wie ein Walliser Restaurant zeigt, dass Jagdleidenschaft und Tierethik unvereinbar bleiben.

Redaktion Wild beim Wild — 14. November 2025

Der jüngste Fall eines Restaurants in Nendaz, das Murmeltierfleisch („Marmotte à la royale“) anbot und daraufhin von kritischen Online-Reaktionen überrollt wurde, ist mehr als eine lokale Anekdote.

Er ist ein Symptom. Ein Symptom für eine Gesellschaft, in der Wildtiere trotz Biodiversitätskrise, Klimaerwärmung und ständigem Artensterben noch immer wie Ressourcen behandelt werden, als Ware, als Dekoration auf Speisekarten, als Jagdtrophäe.

Aus Sicht einer gesunden Ernährung, ist die Debatte um „falsche Bewertungen“, „Shitstorms“ oder „Reputationsschäden“ ein Nebenschauplatz. Die moralische Kernfrage lautet: Warum wird im Jahr 2025 überhaupt noch Murmeltierfleisch serviert?

Die Normalisierung der Gewalt – ein bekanntes Muster

Jagdverbände, Gastronomen und Teile der Politik wiederholen seit Jahren ein und dasselbe Narrativ: Wildfleisch sei „natürlich“, „regional“, „nachhaltig“. Eine Jagd sei „Bestandesregulierung“. Und der Verzehr von Wildtieren sei „Tradition“. Doch Tradition legitimiert keine Gewalt. Und „Bestandesregulierung“ ist ein Euphemismus für das routinierte Töten fühlender Lebewesen, deren Lebensräume durch menschliche Eingriffe überhaupt erst aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Das Murmeltier, ein Tier, das Winterspeck anlegt, sozial lebt, kommuniziert und Warntöne für seine Gruppe ausstösst, wird im Diskurs auf zwei Rollen reduziert:

  1. landwirtschaftliche „Plage“
  2. kulinarische Kuriosität

Beide Rollen dienen demselben Zweck: Die Tötung zu rechtfertigen.

Vom Alpenidyll zum Schuss – Die Realität hinter dem Teller

Hinter jedem Wildgericht steht:

  • ein Tier, das keine Chance hatte zu fliehen
  • ein Schuss, der häufig nicht tödlich ist (Verwundungsraten von –50 % sind dokumentiert)
  • ein Lebewesen, das in panischer Angst leidet
  • ein Ökosystem, das gestört wird (Eltern werden getötet, Jungtiere verhungern in den Bauen)

Dass ein Restaurant dies dann als „regionalen Genuss“ vom Koch Adrien Lopez vermarktet und Gäste dafür Applaus erwarten, ist Ausdruck einer ethischen Schieflage.

Der digitale Gegenwind

Viele negative Bewertungen – ob berechtigt oder nicht – entstanden, weil Menschen das Bild eines Murmeltiers im Kochtopf schlicht nicht ertragen können.

Und man muss klar sagen: Dieses Unbehagen ist gesund. Es ist ein moralischer Reflex. Es zeigt, dass immer mehr Menschen verstehen, dass „Wildgenuss“ nichts Romantisches, sondern ein Akt der Gewalt ist.

Die Hobby-Jagd liefert die Ware. Die Gastronomie schafft dazu das schlechte Image. Zusammen normalisieren sie ein System, das Wildtiere instrumentalisert.

Dass nun ausgerechnet ein Restaurant jammert, weil es online kritisiert wurde, zeigt vor allem eines:

Die gesellschaftliche Toleranz für Tierausbeutung sinkt, und das ist gut so.

  1. Wildtiere sind keine Produkte
    Egal wie „regional“ oder „traditionell“, ein Tierleben ist kein Menüpunkt.
  2. Jagd ist kein Naturschutz, sondern Gewalt
    Der ökologische Schaden übersteigt die angeblichen Nutzen bei Weitem.
  3. Die Öffentlichkeit wird sensibler
    Immer mehr Menschen sehen Murmeltiere, Rehe oder Hirsche nicht als „Wildbret“, sondern als fühlende Individuen.
  4. Die Gastronomie muss Verantwortung übernehmen
    Wer Wildtiere auf die Karte setzt, sollte mit Kritik rechnen und zwar nicht nur wegen Google-Rezensionen, sondern wegen fundamentaler ethischer Fragen.

Die Murmeltier-Affäre ist ein Weckruf. Nicht weil ein Restaurant ein Imageproblem hat. Sondern weil wir uns fragen müssen, warum Tiere überhaupt noch getötet werden, um in Zeiten pflanzlicher Alternativen als „Spezialität“ zu enden.

Die Empörung ist kein Skandal. Der Skandal ist, dass Murmeltiere noch immer geschossen werden. Und genau das sollte im Zentrum jeder ernsthaften Debatte stehen.

Sie können mit Barmherzigkeit allen Tieren und unserem Planeten helfen. Wählen Sie Mitgefühl auf Ihrem Teller und in Ihrem Glas. Go vegan.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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