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Jagd

Landkreis Mittelsachsen will Waschbären töten

In einer beschämenden Pressemitteilung warnt der Landkreis Mittelsachsen vor der Ausbreitung von Waschbären und bezeichnet die Tierart als «Problembären». Vorwürfe wissenschaftlich unbegründet Die Tierrechtsorganisation kritisiert den Aufruf des Landkreises und weist die Vorwürfe gegen die Tierart als unbegründet zurück. Einer langjährigen wissenschaftlichen Studie in ostdeutschen Ökosystemen zufolge geht von Waschbären keine Gefahr für die Artenvielfalt

Redaktion Wild beim Wild — 13. August 2021

In einer beschämenden Pressemitteilung warnt der Landkreis Mittelsachsen vor der Ausbreitung von Waschbären und bezeichnet die Tierart als «Problembären». Der Landkreis ruft die Bevölkerung dazu auf, die Tiere mit Lebendfallen zu fangen und zu töten.

Vorwürfe wissenschaftlich unbegründet

Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland kritisiert den Aufruf des Landkreises scharf und weist die Vorwürfe gegen die Tierart als wissenschaftlich unbegründet zurück. Einer langjährigen Studie des Projektverbunds «Waschbär» in ostdeutschen Ökosystemen zufolge geht von Waschbären keine nennenswerte Gefahr für die Artenvielfalt aus. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Regenwürmern, Insekten und Obst.

Wir sind erstaunt, dass der Leiter des Forstreferats in Unkenntnis des aktuellen Forschungsstands Waschbären verunglimpft. Das kennen wir sonst nur vom Hobby-Jäger-Stammtisch. Eine wissenschaftliche Grundlage liegt dafür nicht vor. Wir plädieren für mehr Sachlichkeit in der Debatte und einen Stopp der Hobby-Jagd auf Waschbären.

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Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin bei PETA Deutschland

Hobby-Jagd kurbelt die Reproduktion an

Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Bedrohte Arten gehören so gut wie nicht zum Nahrungsspektrum des Waschbären. Ein negativer ökologischer Einfluss auf lokale Ökosysteme wurde in der Langzeitstudie verneint. Vielmehr ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Hobby-Jagd auf Waschbären die Reproduktion ankurbelt und gleichzeitig Altersklassen sowie Sozialstrukturen zerstört. Der Versuch, Waschbären durch Bejagung zurückzudrängen, gilt in der Wildbiologie inzwischen als gescheitert.

Lebendfallen verursachen grosses Tierleid

PETA kritisiert zudem den Aufruf des Landratsamtes zur Hobby-Jagd mit Lebendfallen. Lebendig gefangen zu werden, verursacht bei vielen Wildtieren hohen Stress und erhebliches Leiden. Die Tiere geraten in Panik und ziehen sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schwere Verletzungen zu. Der Einsatz von Lebendfallen widerspricht dem Tierschutzgedanken fundamental.

Die Nachricht geht direkt an das Referat Forst, Jagd und Landwirtschaft: umwelt.forst@landkreis-mittelsachsen.de

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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