13. Mai 2026, 20:27

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RUEK Luzern blamiert sich mit den eigenen Zahlen: Petition zum Schutz des Rotfuchses fachlich unhaltbar abgewiesen

Die Kommission Raumplanung, Umwelt und Energie (RUEK) des Luzerner Kantonsrats unter Präsident Michael Kurmann beantragt dem Plenum, die Petition von Pascal Wolf zum Schutz des Rotfuchses ohne ernsthafte Prüfung «zur Kenntnis zu nehmen». Der Bericht vom 23. April 2025 ist faktisch unhaltbar, wissenschaftlich nicht abgestützt und ignoriert sowohl die eigenen kantonalen Daten als auch den Volkswillen, wie ihn die Schweizer Stimmbevölkerung in der Abstimmung über das Jagdgesetz vom 27. September 2020 zum Ausdruck gebracht hat.

98 Prozent der erschossenen Luzerner Füchse waren kerngesund

Der Kanton Luzern ist der einzige Kanton der Schweiz, der eine Statistik über Krankheiten beim Fuchs führt. Im Jagdjahr 2018/19 wurden 2’217 Füchse erschossen. Davon waren laut der eigenen kantonalen Erhebung gerade 39 Tiere krank, also 1,76 Prozent. Knapp 98 Prozent der von Luzerner Hobby-Jägern getöteten Füchse waren gesund und wurden auf Kosten der Steuerzahler entsorgt.

Wenn die RUEK schreibt, die Hobby-Jagd auf den Fuchs diene der «Eindämmung von für den Menschen und Haustiere gefährlichen Krankheiten und Parasiten», dann widerspricht sie der eigenen kantonalen Statistik. Die IG Wild beim Wild fordert eine Erklärung: Hat die RUEK diese Zahl nicht gekannt oder hat sie sie bewusst verschwiegen?

Selbst Hobby-Jäger nennen die Fuchsjagd sinnlos

Die Kritik an der Fuchsjagd kommt längst nicht mehr nur von Tierschutzorganisationen. Sie kommt aus der Wildbiologie und sogar aus den eigenen Reihen der Hobby-Jagd.

Im November 2025 berichtete der Tagesanzeiger über Franz Balmer, seit 13 Jahren Hobby-Jäger im Kanton Zürich. Als sein eigener Jagdverband die Fuchsjagd verteidigte, schrieb Balmer einen verärgerten Brief an die Verbandsredaktion mit dem Kernsatz: «Wir schaden dem Ansehen der Jagd so mehr, als dass wir ihm nützen.» Im selben Artikel kommt die Wildtierbiologin Sandra Gloor zu Wort: Der Abschuss eines einzelnen Fuchses aus einem Familienverband bewirke «absolut nichts». Die Schweizer Jagdausbildung vermittle meist nur formale Regeln statt aktueller Erkenntnisse zur Fuchsbiologie.

Auch Robert Brunold, Präsident der Hobby-Jäger Graubünden, hat öffentlich zugegeben: «Nötig ist die Niederjagd nicht.» Er vergleicht das Töten gesunder Wildtiere selbst mit dem Sammeln von Pilzen. Wenn ein Jagdverbandspräsident, ein langjähriger Hobby-Jäger und eine Wildtierbiologin gemeinsam erklären, dass die Fuchsjagd sinnlos ist, kann die RUEK das Gegenteil nicht behaupten, ohne sich lächerlich zu machen.

Luxemburg, Genf, Tessin: Die RUEK ignoriert ganze Realitäten

Der Bericht behauptet, ausser dem Stadtkanton Genf werde der Fuchs «in der ganzen Schweiz bejagt». Diese verkürzte Darstellung blendet zentrale Vergleichsfälle aus:

  • Luxemburg hat 2015 die Hobby-Jagd auf den Fuchs vollständig verboten. Die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm ist seither von rund 40 auf unter 10 Prozent gesunken. Die Fuchspopulation blieb stabil.
  • Im Kanton Genf wird seit 1974 keine Hobby-Jagd mehr ausgeübt. Drei Vollzeitstellen Wildhut reichen für das gesamte Wildtiermanagement, die Jahreskosten liegen bei rund einer Million Franken, also einer Tasse Kaffee pro Einwohner.
  • Im Kanton Tessin spielt die Hobby-Jagd auf den Fuchs nur eine marginale Rolle.
  • In Grossbritannien ist die klassische Fuchshetzjagd seit 2005 verboten.

Die behaupteten «erheblichen Mehrkosten» einer Unterschutzstellung sind in keinem dieser Vergleichsfälle eingetreten.

Die RUEK ignoriert den Volkswillen

Am 27. September 2020 hat die Schweizer Stimmbevölkerung das revidierte Jagdgesetz mit 51,9 Prozent abgelehnt. Das Ergebnis war ein klares Signal: Die Bevölkerung will mehr Schutz für Wildtiere wie Wolf, Biber und Steinbock, nicht weniger. Sie will mehr Wissenschaftlichkeit in der Wildtierpolitik, nicht weniger. Sie will weniger Spielraum für die Hobby-Jagd, nicht mehr.

Die RUEK ignoriert diesen Volkswillen und führt den Reflex der Hobby-Jagd-Lobby fort. Eine Petition, die wissenschaftliche Prüfung verlangt, wird mit unwissenschaftlichen Behauptungen abgewiesen. Der Petitionär wird nicht einmal angehört. Die einzige konsultierte Stelle ist das BUWD, also genau jene Verwaltung, die seit Jahrzehnten am Status quo der Fuchsjagd hängt.

Tierschutzgesetz wird ignoriert

Das schweizerische Tierschutzgesetz verlangt für jedes Töten eines Tieres einen «vernünftigen Grund». Bei einer Krankheitsquote von 1,76 Prozent in der Luzerner Eigenstatistik fehlt dieser vernünftige Grund. Die Hobby-Jagd auf den Fuchs in Luzern ist nicht Krankheitsbekämpfung, sondern systematische Tötung gesunder Wildtiere zum Freizeitvergnügen. Die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht hat in einer ausführlichen Stellungnahme festgehalten, dass es bei der Fuchsjagd unter heutigen Rahmenbedingungen regelhaft am vernünftigen Grund fehlt.

Forderungen der IG Wild beim Wild

  1. Der Kantonsrat Luzern weist den RUEK-Bericht zurück und fordert eine seriöse, ergebnisoffene Prüfung der Petition unter Anhörung des Petitionärs.
  2. Die Kommission konsultiert unabhängige wildbiologische Fachpersonen wie Sandra Gloor und nicht nur das BUWD.
  3. Die Luzerner Krankheitsstatistik wird transparent ausgewertet und veröffentlicht.
  4. Die Verwaltungskosten der Hobby-Jagd in Luzern werden vollständig ausgewiesen, inklusive Pachtverwaltung, Jagdaufsicht und Konfliktbearbeitung.
  5. Der Kanton Luzern prüft die Einführung eines professionellen Wildtiermanagements nach Genfer Vorbild.

Über die IG Wild beim Wild

Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Tierrechtsorganisation. Sie widmet sich dem Schutz von Wildtieren vor der Hobby-Jagd und engagiert sich für ein ethisches Wildtier- und Jagdverständnis nach dem Vorbild des Kantons Genf.

Kontakt: info@wildbeimwild.com

Hintergrundartikel zum Thema: https://wildbeimwild.com/luzern-und-der-rotfuchs-wenn-politik-fakten-ignoriert/

Quellen: