Wildtierkriminalität: 50’000 Vogeleier beschlagnahmt
Im Rahmen einer internationalen Initiative zur Bekämpfung der organisierten Wildtierkriminalität wurden bei Beschlagnahmungen in Australien, England und Norwegen mehr als 50'000 Eier sichergestellt.
Die Razzien fanden im November im Rahmen der Operation Pulka statt, einer internationalen Aktion zur Bekämpfung der organisierten Wildtierkriminalität, insbesondere der Entnahme und des Besitzes von und des Handels mit Wildvögeleiern.
Über 50’000 Eier bei Razzien in drei Ländern sichergestellt
Die Razzien begannen im Juni 2023 in Norwegen und führten zu 16 Verhaftungen und der Beschlagnahmung von 50’000 Eiern. In Australien wurden schätzungsweise 3’500 Eier im Wert von bis zu 300’000 Franken beschlagnahmt. Bei Razzien in Schottland, South Yorkshire, Essex, Wales und Gloucester hat die Polizei mehr als 6’000 Eier beschlagnahmt, die grösste Beschlagnahmung dieser Art in der Geschichte Englands. Tausende von Eiern wurden auf Dachböden, in Büros und Schubladen gefunden.
Geheimdienstinformationen deuten darauf hin, dass es sich um ein einziges, internationales Verbrechernetzwerk handelt. Nach Angaben der National Wildlife Crime Unit (NWCU) in England handelt es sich um das grösste seiner Art, was die Anzahl der Eier und den Umfang des Netzwerks angeht.
Mark Harrison von der NWCU sagte: «Diese Kriminellen sind sehr gut organisiert und vernetzt. Je seltener eine Art ist, desto höher ist ihre Nachfrage und ihr Wert für diese Kriminellen. Es ist wahrscheinlich, dass einige der Eier sehr selten sind.»
Forschende warnen vor Auswirkungen auf bedrohte Populationen
«Das Ausmass dieser Operation ist alarmierend», sagte Dominic Meeks von der Universität Cambridge. «Frühere Beschlagnahmungen waren das Ergebnis einzelner besessener Personen, aber die Komplexität dieser Operation scheint weitaus grösser zu sein, da zahlreiche Akteure in verschiedenen Ländern operieren. Je grösser das Ausmass der Operation ist, desto grösser ist das Potenzial für negative Auswirkungen auf die Wildpopulationen der Zielarten.»
In der viktorianischen Zeit war das Sammeln von Eiern ein Hobby von Naturhistorikern, die sich um die Eier aller Arten bemühten, insbesondere der seltenen, weil sie am wertvollsten waren. Dies hatte schreckliche Auswirkungen auf einige Arten. Der Riesenalk, ein pinguinähnlicher Vogel des Nordpols, wurde wegen seines Fleisches und seiner grossen Eier bis zur Ausrottung gejagt.
Das Sammeln von Wildvögeleiern wurde 1954 im Vereinigten Königreich zu einer Straftat erklärt, aber einige Sammlerinnen und Sammler machten weiter und tauchten in den Untergrund ab. Alle Wildvögel, einschliesslich ihrer Nester und Eier, sind nach dem Wildlife and Countryside Act 1981 geschützt.
Seltene Arten besonders bedroht
«Eierdiebstahl stellt einen hohen Selektionsdruck dar, wobei die Diebe oft nur eine Handvoll Arten in einem begrenzten geografischen Gebiet ins Visier nehmen», so Meeks. «Bei Arten wie dem Ziegenmelker und dem Fischadler, deren regionale Populationen prekär sind, kann das erfolgreiche Ausfliegen einer Kohorte von Küken aus einem einzigen Nest den Unterschied zwischen regionaler Existenz und Aussterben ausmachen.»
Harrison sagte: «Die Entnahme von, der Besitz von und der Handel mit Wildvogelnestern ist illegal, und man geht davon aus, dass diese Straftaten insgesamt weniger verbreitet sind als früher. Da die Gesamtzahl der Vögel zurückgeht, kann man davon ausgehen, dass dieses Verbrechen heute noch grössere Auswirkungen hat als vor Jahren.»
Illegaler Wildtierhandel: Ein globales Problem mit Milliardenumsatz
Anfang dieses Jahres stellte ein UN-Bericht fest, dass der illegale Handel mit Wildtieren der Natur unermesslichen Schaden zufügt. Weltweit sind mehr als 4’000 Arten betroffen, darunter seltene Orchideen, Sukkulenten, Reptilien, Vögel und Fische. Der Handel ist in mehr als 80 % der Länder aktiv. Einigen Schätzungen zufolge könnte der illegale Handel mit Wildtieren einen Wert von bis zu 23 Milliarden Dollar pro Jahr haben.
Wildtierkriminalität trägt zum Verlust der biologischen Vielfalt bei und übt zusätzlichen Druck auf Arten aus, die aufgrund von Faktoren wie Lebensraumverlust, Hobby-Jagd und Klimawandel bereits gefährdet sind. Neben ihren Auswirkungen auf die Umwelt steht die Wildtierkriminalität häufig in Zusammenhang mit umfassenderen kriminellen Aktivitäten wie Menschenhandel, Korruption und Finanzkriminalität.
Fachleute werden in den kommenden Monaten die Eier zählen, ihre Herkunft bestimmen und den Wert der Beute schätzen.
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