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Jagdgesetz

EU will Wolfsschutz gegen Wissenschaft herabstufen

Die EU-Kommission schlägt vor, den Wolfsstatus von «streng geschützt» auf «geschützt» zu senken. 68 Prozent der Europäer lehnen dies ab.

Redaktion Wild beim Wild — 21. Dezember 2023

Statuswechsel von «streng geschützt» zu «geschützt»

Die Europäische Kommission (EK) hat einen Vorschlag unterbreitet, der eine Änderung des Status von Wölfen von «streng geschützt» zu «geschützt» im Rahmen der Berner Konvention vorschlägt, wobei die endgültige Entscheidung von den Stimmen der Mitgliedstaaten abhängt.

Dieser Vorschlag, der offenbar aus politischem Kalkül erfolgt, lässt die Erkenntnisse über die Koexistenz und die Präferenzen der EU-Bürgerinnen und -Bürger ausser Acht.

Fragile Erholung der Wolfspopulation

Dieser Schritt könnte die Bemühungen um die Wiederansiedlung der Wölfe in der EU ernsthaft gefährden, da er den Mitgliedstaaten mehr Spielraum für die Hobby-Jagd auf Wölfe geben würde, wodurch ihre Populationen, die für den Schutz der Ökosysteme von entscheidender Bedeutung sind, weiter gefährdet würden.

Heute gibt es schätzungsweise 20’000 Wölfe in der EU, was in krassem Gegensatz zu den 86 Millionen Schafen steht, die gezüchtet werden. Zwischen 2012 und 2016 entsprach die jährliche Zahl der Schafe, die aufgrund von Wolfsübergriffen entschädigt wurden, 0,05 % des überwinternden Schafbestandes. Die Präventionsmethoden haben sich als wirksam erwiesen. In Deutschland, wo die Zahl der Wölfe am stärksten zugenommen hat, ging die Zahl der getöteten oder verletzten Nutztiere dank der Präventionsmassnahmen bis 2021 um 15 % zurück.

Breite Unterstützung in der Bevölkerung

Diese Entscheidung steht auch im Widerspruch zur Meinung der Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Gebiete in der EU: In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter 10’000 Europäerinnen und Europäern in zehn Mitgliedstaaten gaben 68 % an, dass Wölfe streng geschützt werden sollten, und 72 % stimmten zu, dass sie ein Recht auf Koexistenz haben. Bemerkenswert ist, dass 65 % der Landwirtinnen und Landwirte diesen strengen Wolfsschutz befürworten.

Widerspruch zur eigenen Koexistenzpolitik

Der Vorschlag steht auch im Widerspruch zu dem konsequenten Eintreten der Europäischen Kommission für die Koexistenz. Die Entscheidung kommt nur wenige Tage, nachdem fast 300 Nichtregierungsorganisationen die Europäische Kommission aufgefordert haben, ihre Schutzentscheidung auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stützen. Wird der Vorschlag angenommen, könnten die Vertragsparteien der Berner Konvention auf der nächsten Sitzung des ständigen Ausschusses im Dezember 2024 darüber abstimmen.

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