26. Mai 2026, 01:21

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

Erstaunlich wenige Hobby-Jäger stellen Anträge für Schalldämpfer

610 Bündner Hobby-Jäger haben bis Ende Juni ein Gesuch bei der Bündner Kantonspolizei gestellt, um mit einem Schalldämpfer auf die Jagd gehen zu dürfen. Das Interesse liegt damit deutlich unter den Erwartungen des kantonalen Jagdvereins.

Redaktion Wild beim Wild — 8. Juli 2025

Täglich erfahren wir aus der Ukraine, welches Elend Menschen mit Waffen anrichten.

Dabei wird aber gerne ignoriert, dass in unserer unmittelbaren Nähe Hobby-Jäger auch Gefallen daran haben, aus Spass und abstrusen Behauptungen sowie Fehlleitungen Wildtieren Leid anzutragen. Die Hobby-Jagd ist immer auch eine Form von Krieg gegen Lebewesen, wo die negativen Eigenschaften im Menschen aufleben.

In diesem Jahr dürfen Hobby-Jäger in mehreren Kantonen neu mit Schalldämpfern schiessen. Dies erlaubt die neue eidgenössische Jagdverordnung. 

Bis Ende Juni haben lediglich 610 Hobby-Jäger in Graubünden bei der Kantonspolizei einen Antrag auf Nutzung von Schalldämpfern gestellt. Dies ist deutlich weniger als erwartet.

Tarzisius Caviezel, Präsident des militanten Bündner Jagdvereins, ist überrascht, dass es so wenig ist.

Er habe erwartet, dass rund die Hälfte der 5’500 Gewalttäter ein Gesuch für den Einsatz von Schalldämpfern einreichen würde, also um die 2’500. Allerdings fange die Jagdsaison erst in zwei Monaten an. Vielleicht würden die Anträge noch zunehmen, meint Caviezel.

Der metallische Zylinder am Ende des Gewehrs macht den Knall um rund 30 Dezibel leiser. Er darf während der Hochjagd, der Steinwildjagd und der Sonderjagd eingesetzt werden. Dies ist eine Premiere, da der Einsatz von Schalldämpfern bisher während der Jagd verboten war.

Das Verbot auf Bundesebene kam daher, dass man Angst vor Wilderei hat. Ausserdem können Schalldämpfer gefährlich sein für andere Menschen im Wald, weil die Richtung der Schüsse so nicht mehr richtig zugeordnet werden können.

In einigen weniger dicht besiedelten Ländern sind Schalldämpfer legal. Hauptsächlich jedoch aus dem Grund, weil die Polizei es unter anderem leid ist, Fehlalarme zu bekommen, wenn jemand auf die Jagd geht oder wegen des Nachbarschaftsärgers.

Es ist nicht so, dass Schalldämpfer die Waffe per se genauer machen, aber sie sollen – laut den Hobby-Jägern – angeblich erleichtern, die Waffe genauer zu schiessen. Schalldämpfer bringen jedoch zum Beispiel auch das Gleichgewicht des Gewehrs aus dem Gleichgewicht, was nicht zu einer höheren Treffsicherheit führt. Ein Schalldämpfer erhöht nicht die Chancen beim ersten Schuss – er verbessert die Aussichten für den zweiten Schuss – falls der erste Schuss nicht richtig trifft und die Wildtiere nicht erschreckt werden oder wenn der Hobby-Jäger ungestört in Serie weitere Wildtiere an Ort und Stelle erschiessen möchte. Schalldämpfer dienen in erster Linie dem Killer und nicht dem Tierschutz.

Jeder Schuss des Hobby-Jägers stört über viele Kilometer das ganze Biotop. Alle werden mit negativer Energie konfrontiert. Das Produkt Wildbret ist laut zahlreichen Studien ungesund. Verarbeitetes Wildfleisch ist wie Zigaretten, Asbest oder Arsen krebserregend, mahnt unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Mitmenschen werden durch den Lärm und die Hobby-Jagd ebenfalls nervlich belästigt. Gerade die Bündner Hobby-Jäger sind ein Paradebeispiel an Mangel an moralischer und ethischer Hygiene. Jedes Jahr gibt es rund tausend Anzeigen und Bussen, weil die Bündner Hobby-Jäger gegen Jagdgesetze, Waffengesetze, Umweltgesetze, Tierschutzgesetze, Schiessgenauigkeit, usw. verstossen. Die schlecht geführten Jagdpraktiken und Charakterlosigkeit der Gewalttäter sind zahlreich dokumentiert.

Weidgerechtigkeit mit technischen Hilfsmitteln?

Mit Schalldämpfern werden die Killer noch schwieriger zu kontrollieren sein. Wie sollen Wildhüter, Jagdaufseher und andere Kontrollorgane die kaum hörbare Entladung richtig zuordnen? So können die vielen Fehlschüsse der Hobby-Jäger noch weniger rapportiert werden. Tierquälerei wird Tür und Angel geöffnet. Normale Menschen werden zusätzlich gefährdet, weil Hobby-Jäger nicht nur in Graubünden praktisch das ganze Jahr über irgendein Wildtier jagen dürfen. Auch Wildtiere haben weniger Chancen, weil sie durch die hinterhältigen und feigen Schüsse nicht aufgeschreckt werden.

Wer ohne technische Hilfsmittel kein erfolgreicher Hobby-Jäger ist, wird es mit Schalldämpfern auch nicht.

Tierschützer sind dezidiert überzeugt, dass technische Hilfsmittel wie Schalldämpfer nur in die Hände von gut ausgebildeten Wildhütern gehören, wie dies im Kanton Genf der Fall ist!

Hobby-Jäger, die den Rückstoss nicht ertragen oder lärmempfindlich sind, sollten sich ein ruhigeres Hobby suchen.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden