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Jagd

Deutschland: Hobby-Jäger erlegen über 100’000 Nutrias

Erstmals haben Hobby-Jäger in Deutschland über 100'000 Nutrias in einer Saison erlegt. Die Hobby-Jagd kurbelt die Reproduktion nachweislich an.

Redaktion Wild beim Wild — 18. Januar 2022

Erstmals haben Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger in Deutschland in einer Jagdsaison mehr als 100’000 Nutrias erlegt.

Das geht aus den Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) hervor. Demnach wurden in der vergangenen Jagdsaison von April 2020 bis März 2021 insgesamt 101’108 Nutrias erlegt, das sind laut dem Verband 57 Mal mehr Tiere als noch vor 20 Jahren. Die Jagdstrecke sei ein Anzeichen dafür, dass sich das ursprünglich aus Südamerika stammende Nagetier in den vergangenen Jahren stark vermehrt habe. Als Gründe führen die Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger mildere Winter durch den Klimawandel und Fütterungen der Tiere an, obwohl der Hauptgrund, wie auch bei den Waschbären oder Marderhunden, bei der sinnfreien Jagdausübung liegen dürfte.

Nutrias breiten sich in ganz Deutschland aus

Mittlerweile kommen Nutrias nach DJV-Angaben überall in der Bundesrepublik vor, besonders aber im Nordwesten Deutschlands an Ems, Weser, Elbe und Rhein. Mehr als 70 % aller Tiere wurden demnach zuletzt in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erlegt, danach folgt Sachsen-Anhalt mit einem Anteil von 11 Prozent.

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Nutrias, die ähnlich wie Biber aussehen, stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden laut DJV ab 1880 in Deutschland wegen ihres Fleisches und ihres Fells in Farmen gehalten. Entkommene Tiere gründeten eigene Populationen und besiedeln Flüsse, Seen und Teiche.

Der Deutsche Jagdverband sieht die Ausbreitung der Tiere mit Sorge. «Das ist eine echte Herausforderung für den Deichschutz und den Artenschutz», sagte DJV-Sprecher Reinwald.

Waschbär-Jagd kurbelt Reproduktion an

Vor allem dem ursprünglich aus Nordamerika stammenden Waschbär messen Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger ein grosses Ausbreitungspotenzial zu. Laut DJV ist die Jagdstrecke vom Jahr 2000/2001 bis 2020/2021 auf mehr als das 22-fache angewachsen, auf zuletzt 200’163 Tiere.

Jagdstrecke Waschbären Deutschland

Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohl fühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.

Dr. Ulf Hohmann, Wildbiologe und Waschbär-Experte

Hobby-Jagd als Ursache, nicht als Lösung

Das Verhalten der Hobby-Jägerschaft gegenüber den sogenannten «invasiven Arten» (auch wenn die EU deren Tötung nicht vorschreibt, sondern eher die Anwendung anderer nicht letaler Massnahmen empfiehlt) ist ganz eindeutig an der Entwicklung der Jagdstrecken in Deutschland zu ersehen.

Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass nicht nur die Waschbär-Jagd die Reproduktion ankurbelt, dazu die Altersklassen und die Sozialstrukturen zerstört. Der Versuch, durch Bejagung die Tierarten zurückzudrängen, gilt inzwischen auch in Deutschland als aussichtslos und gescheitert.

Die Hobby-Jägerschaft trägt also nicht zu einer Entschärfung etwaiger Probleme bei, sondern ist immer auch die Ursache etwaiger Gefährdungen für die Bevölkerung. Insbesondere bei der Hobby-Jagd ist es elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten und Fake-News manipuliert. Weitere Hintergründe zur Tierschutzproblematik finden sich in den Dossiers von Wild beim Wild.

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