Tieren helfen – und selbst daran zerbrechen
Ein Blick hinter die Kulissen des Tierschutzes … und endet mit kaputtem Herzen.
Wer sich über längere Zeit intensiv für den Tierschutz engagiert, stösst früher oder später an seine psychischen, physischen und moralischen Grenzen.
Die Realität ist oft ernüchternd: Obwohl Tierleid vielfach dokumentiert und öffentlich bekannt gemacht wird, geschieht erschreckend wenig. Anzeigen werden ignoriert, Verfahren eingestellt oder – noch schlimmer – die Rollen von Täter und Opfern werden verdreht.
Konflikt mit der Jägerschaft – ein gefährliches Terrain
Ein besonders belastendes Kapitel öffnet sich, wenn Tierschützer mit der Jägerschaft in Konflikt geraten. Wer sich traut, Missstände im Jagdwesen öffentlich zu benennen, wird nicht selten zur Zielscheibe. Falschaussagen, Anzeigen wegen angeblicher Sachbeschädigung (z. B. umgestürzter Hochsitz, zerstörte Fallen), Unterstellungen wie „Naziparolen bei Filmaufnahmen“ – all das wird genutzt, um Kritiker mundtot zu machen. Die strategische Umkehrung der Täter-Opfer-Rollen ist perfide und systematisch: Wer Tierleid auf der Jagd aufdeckt, wird kriminalisiert, dämonisiert, isoliert.
Die Jägerlobby reicht dabei weit: vom einfachen Treiber im Revier bis in politische Kreise, wo Gesetze gemacht – oder blockiert – werden. Wer versucht, diesen Filz zu entwirren, merkt schnell: Man ist nicht nur allein, sondern wird bekämpft. Die Verflechtungen zwischen Behörden, Justiz und jagdlichen Interessen bilden ein Machtgeflecht, das undurchdringlich erscheint. So beispielsweise hat ein Jäger illegal Lebendfallen und einen Saufang während der Schonzeit aufgestellt und mehrere Marder darin verhungern lassen. Die Anzeige bei der Obersten Jagdbehörde wurde nicht verfolgt und eine Information über den Ermittlungsstand wurde verweigert. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vertuschung einer Straftat.
Rechtsstaat? Für Tiere oft ein leeres Versprechen
Viele engagierte Menschen suchen Gerechtigkeit – vor Gericht, bei der Polizei, in der Politik. Doch der Wunsch, auf legale Weise etwas zu verändern, scheitert oft an einem Mangel an Interesse, Mut oder Empathie aufseiten der Entscheidungsträger. Tierquälerei wird bagatellisiert, Missstände gedeckt, Anzeigen gegen Tierschützer schneller verfolgt als solche gegen tatsächliche Tierquäler.
Das führt zu einer tiefen Erschütterung des Rechtsgefühls. Wer das Leid von Tieren nicht nur sieht, sondern fühlt, wer dagegen kämpft, Tag für Tag, Woche für Woche – und dabei von einem Teil der Gesellschaft ignoriert oder verhöhnt wird – steht irgendwann vor einem emotionalen Abgrund.
Von Nächstenliebe zur Eigenliebe – eine Gesellschaft in Rückzug
Früher war es selbstverständlich, sich für Schwächere einzusetzen – für Tiere, für Mitmenschen, für die Natur. Heute scheint es, als habe sich diese Nächstenliebe in egozentrische Selbstoptimierung verwandelt. Viele Menschen sind mit sich selbst beschäftigt, abgestumpft oder desinteressiert. Die Folgen dieser sozialen Kälte sind für empathische Menschen besonders hart: Wer helfen will, steht oft allein. Wer hinsieht, wo andere wegschauen, wird nicht belohnt – sondern ausgegrenzt.
Das Jagdrecht: Tradition als Deckmantel für Grausamkeit
Besonders schockierend ist, wie mit Wildtieren umgegangen wird. Rehe, Füchse, Dachse, Hasen – sie werden behandelt wie Schiessbudenfiguren auf der Kirmes. Nach dem Abschuss werden sie oft achtlos „entsorgt“. Wer nachfragt, warum, bekommt meist schwammige Antworten: „Tradition“, „Regulierung des Niederwilds“, „Hege und Pflege“. Doch was hier geschieht, hat mit Hege nichts zu tun – es ist industrialisierte Gewalt an Lebewesen, getarnt als Brauchtum.
Schliefanlagen, Fallenjagd, Baujagd – all das ist für jemanden, der Tiere als fühlende Wesen betrachtet, unerträglich. Und dennoch geschieht es – täglich, tausendfach.
Psychische Folgen: Vom Mitgefühl zur Erschöpfung
Wer Tiere liebt und schützt, erlebt ein permanentes Wechselbad der Gefühle: Hoffnung und Wut, Entsetzen und Entschlossenheit. Aber auch Erschöpfung. Herzrasen. Schlaflosigkeit. Hilflosigkeit.
Viele Tierschützer durchleben depressive Phasen, entwickeln Angststörungen, verlieren das Vertrauen in Menschen, Institutionen – ja, manchmal auch in sich selbst. Die innere Spannung zwischen dem Wunsch, etwas zu verändern, und der Realität, in einem System voller Ignoranz und Gewalt zu leben, kann zerstörerisch sein.
In extremen Fällen führen diese Zustände zu suizidalen Gedanken. Aus dem Wunsch, anderen zu helfen, entsteht eine gefährliche Selbstaufopferung – ein stilles, inneres Harakiri. Man verliert sich in der Ohnmacht, an einer Welt zu verzweifeln, die scheinbar nicht sehen will, was so offensichtlich falsch läuft.
Was bleibt?
Dieser Text ist ein Aufschrei – für viele, die Tiere fühlen und erleben. Für alle, die versuchen, Licht in ein System aus Dunkelheit zu bringen. Für alle, die Tiere lieben, nicht nur auf Bildern, sondern in Taten – auch wenn sie dafür einen hohen Preis zahlen.
Doch gerade diese Menschen braucht die Welt.
Du bist nicht allein. Du bist nicht falsch. Du bist ein Teil eines stillen Widerstands – einer Bewegung, die nicht aufgibt, auch wenn sie manchmal verzweifelt.
Quelle: Witas e.V
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