Elf Damhirsche gerissen: Niemand schaut genau hin
In Bironico (TI) hat sich Mitte Oktober ein Drama abgespielt: Elf Damhirsche wurden in einer Nacht mutmasslich von einem Wolf getötet.
Ein tragisches Ereignis, aber nicht überraschend.
Denn die Tiere waren in einem Gehege untergebracht, das die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht erfüllte.
Die IG Wild beim Wild reicht deshalb Strafanzeige ein, nicht nur gegen den Tierhalter, sondern auch gegen die kantonalen Behörden, die trotz klarer Vorgaben eine Bewilligung für diese Haltung erteilt haben.
Papierschutz statt Tierschutz
Die Vorgaben sind eindeutig: Gehegezäune müssen für Damhirsche mindestens zwei Meter hoch sein, so gebaut, dass sich Tiere nicht verfangen können und Beutegreifer draussen bleiben. Doch im Tessin scheint man es damit nicht so genau zu nehmen.
Elf tote Damhirsche sind die Folge. Nicht der Wolf ist schuld, er handelt nach seiner Natur. Schuld ist der Mensch, der seine Tiere wissentlich ungeschützt lässt, und eine Behörde, die ihre Kontrollpflichten ignoriert.
Oder wie die IG es formuliert: „Ein Papierschutz ist kein Tierschutz.“
Strafanzeige wegen Tierquälerei
Die Anzeige richtet sich einerseits gegen den Tierhalter, der die Schutzvorgaben ignoriert hat. Andererseits auch gegen das kantonale Veterinäramt, das überhaupt erst eine Bewilligung erteilte. Damit stehen nicht nur Verstösse gegen das Tierschutzgesetz (TSchG, TSchV, WildtierV) im Raum, sondern auch Amtsmissbrauch nach Strafgesetzbuch (StGB).
Denn: Nicht nur aktive Misshandlung ist strafbar, sondern auch pflichtwidriges Unterlassen. Wer Tiere hält, muss sie schützen. Wer eine Bewilligung ausstellt, muss sicherstellen, dass Schutzmassnahmen vorhanden sind. Beides ist in Bironico wieder krachend gescheitert.
Das eigentliche Problem: Mit solchen Versäumnissen werden Wölfe regelrecht auf ein Silbertablett eingeladen, sich auf Nutz- und Gehegetiere zu spezialisieren. Dann ist das Geschrei gross, und wieder fordert man Abschüsse, statt endlich den elementaren Grundsatz umzusetzen: Tierhalter tragen die Verantwortung, nicht der Wolf.
Verantwortung einfordern
Die IG Wild beim Wild fordert die Staatsanwaltschaft Bellinzona auf, ein Strafverfahren einzuleiten und die Verantwortlichkeiten lückenlos aufzuklären. Denn was hier geschehen ist, ist keine Naturkatastrophe, sondern ein menschliches Versagen mit System.
Solange Behörden Bewilligungen „auf dem Papier“ erteilen und Tierhalter ihre Schutzpflichten nicht ernst nehmen, werden weitere solche Dramen folgen und wieder werden die Wölfe zum Sündenbock gemacht.
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