26. Mai 2026, 08:37

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Rehkitzrettung in der Schweiz: Wer rettet die Kitze, und wer erschiesst sie?

Was viele nicht wissen: Schweizer Hobby-Jäger erschiessen jedes Jahr über 10'000 Rehkitze. Auf Bundesebene gilt für das Reh nur eine Minimalschonzeit vom 1. Februar bis zum 30. April.

Derselbe Hobby-Jäger, der im Frühling ein Rehkitz vor dem Mähtod bewahrt, nimmt im Herbst die Kitze desselben Jahrgangs ins Visier.

Kitze gelten als leichter zu erlegen und sind bei Hobby-Jägern beliebter als ältere Tiere, auch wegen ihres als besonders zart geltenden Fleisches.

Damit stellt sich eine Frage, die in den jährlichen Jubelmeldungen zur Rehkitzrettung selten gestellt wird: Wer rettet die Kitze eigentlich, und wer erschiesst sie?

Wer die Rehkitze wirklich rettet

Im Frühling häufen sich die Bilder von geretteten Kitzen, und fast immer wird die Jägerschaft als Heldin präsentiert. Die nüchterne Realität ist eine andere. Getragen wird die Rettung vom Verein «Rehkitzrettung Schweiz», der aus einem Forschungsprojekt der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL hervorgegangen ist. Es handelt sich um einen ehrenamtlichen Verein mit mehreren hundert freiwilligen Drohnenpilotinnen und -piloten, von denen die wenigsten einen Jagdschein besitzen.

Hinzu kommen die Bäuerinnen und Bauern, die ihre Mähtermine melden, sowie der Schweizer Tierschutz STS, der die Rettung seit 2023 mit einer eigenen Drohnenflotte unterstützt. In der Saison 2025 wurden so über 6400 Rehkitze gesichert, im Einsatz waren 722 Teams, die mehr als 62 000 Hektar absuchten. Die treibende Kraft ist also nicht die Hobby-Jagd, sondern ein Bündnis aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Freiwilligen und Tierschutz.

Hobby-Jäger sind dennoch eingebunden, allerdings vor allem aus rechtlichen Gründen: Freilebendes Wild darf nicht von beliebigen Personen angefasst und verbracht werden, weshalb regional fast immer ein ausgebildeter Jäger Teil des Teams ist. Sein Anteil an der eigentlichen Suche und Rettung schwankt von Region zu Region stark. Die Rehkitzrettung als Verdienst der Jägerschaft zu verkaufen, ist deshalb eine geschickte, aber irreführende Erzählung.

Der Mähtod trifft nicht nur Rehkitze

Die Frühjahrsmahd ist für weit mehr Tiere tödlich als nur für Rehkitze. Auch Feldhasen, Bodenbrüter wie Feldlerche und Kiebitz, Amphibien und Igel werden von den Mähwerken erfasst, getötet oder verstümmelt. Die Rehkitzrettung ist also nur der sichtbarste Teil eines weit grösseren Problems.

Wer dabei meint, der Mähtod sei rechtlich folgenlos, irrt. Nach Angaben der Stiftung für das Tier im Recht kann sich ein Landwirt der Tierquälerei strafbar machen, wenn durch das Mähwerk Wirbeltiere getötet oder verstümmelt werden. Das Tierschutzgesetz sieht dafür Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Entscheidend ist, ob zuvor alle zumutbaren Schutzmassnahmen getroffen wurden: Wer das Feld am Vorabend absuchen lässt oder verblendet und es kommt dennoch zum Unfall, ist nicht strafbar. Wer einfach drauflosmäht, riskiert hingegen eine Strafe.

Pikant ist, dass sich die Rollen überschneiden. Nicht wenige Landwirte sind selbst Hobby-Jäger. Der Mäher, der Retter und der Schütze können also ein und dieselbe Person sein.

Was die Bundesstatistik zeigt

Die Eidgenössische Jagdstatistik des Bundesamts für Umwelt BAFU spricht eine deutliche Sprache. In den Jahren 2015 bis 2024 lag der gesamtschweizerische Rehabschuss stabil bei rund 42’000 bis 44’000 Tieren pro Jahr. Davon entfielen jeweils etwa 18’000 bis 19’000 auf erwachsene Böcke und rund 14’000 auf erwachsene Geissen. Auf die Jungtiere im ersten Lebensjahr, in der Statistik als Bockkitz und Geisskitz geführt, entfielen zusammen über 10’000 Tiere pro Jahr. In neun der zehn erfassten Jahre lag der Kitzabschuss über 10’000, einzig 2024 fiel mit 9’520 knapp darunter. Der Zehnjahresschnitt beträgt rund 10’300 erschossene Kitze, der Höchstwert stammt aus dem Jahr 2017 mit 10’818 Tieren.

Erschossene Rehe in der Schweiz nach Altersklassen, 2015 bis 2024

JahrBockkitzGeisskitzKitze gesamtReh gesamt
20154’8085’45510’27142’366
20164’7745’43410’23343’399
20175’1835’60710’81844’124
20185’1505’57010’78442’389
20194’6095’39610’03842’381
20204’7345’45510’21242’969
20214’6765’53710’25343’166
20224’9195’60710’60242’722
20234’5745’52710’18243’545
20244’2565’2019’52042’404

Kitze gesamt umfasst Bockkitze, Geisskitze sowie eine kleine, nicht nach Geschlecht erfasste Kategorie Kitz. Quelle: BAFU, Sektion Wildtiere und Artenförderung, Eidgenössische Jagdstatistik.

Mit anderen Worten: Während Freiwillige im Frühling über 6’000 Kitze vor dem Mähwerk retten, erschiessen Hobby-Jäger im Herbst über 10’000 Kitze. Die Quelle ist nicht eine Schätzung, sondern die amtliche Jagdstatistik des Bundes.

Der Widerspruch im Jahreslauf

Möglich macht dies das Jagdgesetz. Es legt für das Reh nur eine Mindestschonzeit vom 1. Februar bis zum 30. April fest. Die Kantone dürfen diese Schonzeit verlängern, aber nicht verkürzen. In den meisten Kantonen sind Rehgeissen und Rehkitze erst ab dem Herbst jagdbar, je nach Kanton ab Oktober oder November. Genau dann, wenn die im Mai und Juni geretteten Kitze herangewachsen sind, beginnt die Hobby-Jagd auf eben diese Altersklasse.

So schliesst sich der Kreis: Derselbe Hobby-Jäger, der im Frühling als Retter auftritt, kann im Herbst legal auf die Kitze desselben Jahrgangs anlegen. Begründet wird der Kitzabschuss von der Jagdseite mit Bestandsregulierung und Waldschutz. Doch wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass die Verjüngung des Waldes vor allem von der Qualität des Lebensraums und einer grossräumigen Planung abhängt, nicht von möglichst hohen Abschusszahlen. Eine ausführliche Einordnung dazu bietet das Dossier «Reh Schweiz: Meistgeschossenes Wildtier der Hobby-Jagd».

Dass Kitze besonders begehrt sind, hat auch handfeste Gründe. Ihr Fleisch gilt als besonders zart, und ein junges, unerfahrenes Tier ist leichter zu erlegen als ein älteres. Nach einem Aufruf, der Tarzisius Caviezel im «Bündner Jäger» zugeschrieben wird und den Wild beim Wild dokumentiert hat, wird der Kitzabschuss in Jägerkreisen denn auch offen mit dem zarten Fleisch beworben. Caviezel war bis Mai 2026 Zentralpräsident des Bündner Kantonalen Patentschläger-Verbands und sitzt im Vorstand des nationalen Dachverbands Jagd Schweiz, wo er das Ressort Kommunikation betreut. Wer den Widerspruch zwischen Rettung und Abschuss vertiefen will, findet im Beitrag über Caviezels Rückzug weiteren Hintergrund.

Die Natur reguliert längst selbst

Die Jagdseite rechtfertigt den Kitzabschuss mit der Notwendigkeit, den Rehbestand zu regulieren. Doch ausgerechnet diese Begründung hält der Wirklichkeit kaum stand, denn die stärkste natürliche Bremse für den Rehbestand ist der Fuchs.

Für das Berner Mittelland wird geschätzt, dass ein einzelner Fuchs in den Monaten Mai bis Juli durchschnittlich rund elf Kitze schlägt. In den ersten Lebenswochen, wenn die Jungtiere wehrlos im Gras liegen, zählen Beutegreifer wie der Fuchs zu den häufigsten Todesursachen. Wie stark dieser Einfluss ist, zeigte sich in Skandinavien: Als die Räude die Fuchspopulation einbrechen liess, stieg die Zahl der Kitze, die eine Ricke im Herbst führte, um 30 Prozent, der Rehbestand insgesamt um 64 Prozent.

Daraus folgt ein doppelter Widerspruch. Erstens reguliert die Natur den Rehbestand bereits in erheblichem Mass, ganz ohne Flinte. Die jährlich über 10’000 erschossenen Kitze kommen nicht anstelle dieser natürlichen Sterblichkeit, sondern obendrauf. Zweitens bekämpft dieselbe Hobby-Jagd, die sich auf die Regulierung beruft, mit Bau- und Fallenjagd genau jenen Beutegreifer, der diese Regulierung kostenlos besorgt. Wer den Regulierer verfolgt und anschliessend selbst zur Waffe greift, betreibt keine Bestandspflege, sondern greift gleich zweifach in ein Gefüge ein, das sich von selbst im Gleichgewicht hält.

Zwei Zahlen, die man nicht verwechseln darf

Zur Einordnung gehören zwei unterschiedliche Grössen, die zufällig ähnlich hoch sind. Die eine: Wildtier Schweiz schätzt, dass jedes Jahr rund 10’000 Rehkitze von Mähmaschinen getötet werden. Genau dagegen kämpfen die Rettungsteams an. Die andere: Laut der amtlichen Bundesstatistik werden zusätzlich über 10’000 Kitze pro Jahr erschossen. Die erste Zahl ist eine Schätzung zum Mähtod, die zweite eine harte Streckenzahl aus der Jagdstatistik. Beide stimmen, beschreiben aber zwei verschiedene Todesursachen.

Eine Frage des Standpunkts

Ob im Frühlingsretten und im Herbstschiessen ein Widerspruch liegt, hängt letztlich von der Haltung zur Hobby-Jagd ab. Wer die Tötung gesunder Wildtiere zur Freizeitgestaltung grundsätzlich ablehnt, sieht eine moralische Schieflage. Wer regulierte Bejagung akzeptiert, hält beides für vereinbar.

Faktenfest bleibt unabhängig davon: Die Rehkitzrettung ist kein Verdienst der Hobby-Jagd. Sie wird von Bäuerinnen und Bauern, freiwilligen Drohnenpilotinnen und -piloten sowie von Tierschutzorganisationen getragen. Und während diese im Mai jedes Kitz einzeln aus dem Gras tragen, fallen im Herbst über 10’000 Kitze der Kugel zum Opfer. Mehr zu den Rechten der Wildtiere und zur Kritik an der Hobby-Jagd findet sich in unserem Bereich Tierrechte.

Bündner Patentjäger: Tarzisius Caviezel geht, Wolf-Kurs bleibt

Mit Tarzisius Caviezel verabschiedete sich an der Delegiertenversammlung vom 23. Mai 2026 in Disentis/Mustér der prominenteste Hobby-Jäger Graubündens von der Spitze des kantonalen Patentjäger-Verbands, doch an dessen abschussfreundlicher Linie beim Wolf dürfte der Wechsel wenig ändern.

Caviezel sass neun Jahre im Vorstand des Bündner Kantonalen Patentjäger-Verbands (BKPJV), zunächst drei Jahre als Vizepräsident, seit 2020 als Zentralpräsident.

Die Amtszeitbeschränkung zwingt ihn nun zum Rückzug. An der 111. Delegiertenversammlung in Disentis/Mustér sollten die Delegierten eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger wählen. Der scheidende Präsident verabschiedete sich mit diplomatischen Worten: Er habe «grosse Freude» an der Aufgabe gehabt und schliesse «mit einem weinenden und einem lachenden Auge» ab.

Wichtig für die Einordnung: Graubünden organisiert die Hobby-Jagd als Patentjagd. Privatpersonen lösen ein kantonales Patent und dürfen damit im ganzen Kantonsgebiet jagen, ohne feste Revierverantwortung zu tragen. Der Verband ist also keine Naturschutzorganisation, sondern die Interessenvertretung einer bewaffneten Freizeitlobby, die im Modus der Selbstaufsicht operiert. Wer hier präsidiert, prägt die kantonale Stimme der organisierten Hobby-Jägerschaft.

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Ein Repräsentant mit Vorgeschichte

Wer Graubündens Hobby-Jägerschaft neun Jahre lang vertreten hat, hinterlässt mehr als diplomatische Abschiedsworte. Caviezel sitzt seit 2010 auch im Vorstand des nationalen Dachverbands Jagd Schweiz und betreut dort das Ressort Kommunikation. Die Jagd selbst beschreibt er als «eine fieberhafte Krankheit, von der er nicht geheilt werden kann», und er zitiert mit Vorliebe Bismarcks Bonmot, wonach nie so viel gelogen werde wie vor einer Wahl, im Krieg und nach der Jagd. Für einen Verbandspräsidenten ist das ein bemerkenswert offenes Eingeständnis darüber, woraus die Hobby-Jagd ihre Motivation zieht. In der Tat ist die Hobby-Jagd immer auch etwas Krankes, bei dem Lügen Programm ist und Wildtiere die Leidtragenden sind. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze.

Pikant ist diese Kommunikationsfunktion, weil derselbe Dachverband wiederholt versucht hat, jagdkritische Stimmen mit Strafanzeigen mundtot zu machen. 2020 scheiterte Jagd Schweiz vor dem Strafgericht des Kantons Tessin mit dem Versuch, die Berichterstattung der IG Wild beim Wild zu unterbinden. Das Gericht sprach die Plattform frei und hielt rechtskräftig fest, dass harte, faktenbasierte Kritik an der Hobby-Jagd keine Verleumdung ist, sondern von der Meinungsfreiheit gedeckt. Im Verfahren dokumentiert ist die Sprache des Milieus, in der unbequeme Kritikerinnen und Kritiker «ruhig gestellt» und «von der Bildfläche verschwinden» sollen, die Kultur also jenes Verbands, den Caviezel nach aussen vertritt.

Über die Kantonsgrenzen hinaus wurde Caviezel durch einen Vorfall im Februar 2019 bekannt. In Davos-Clavadel hetzte sein nicht angeleinter Schweisshund ein Reh durch die Strassen und tötete es. Augenzeuginnen warfen dem Hobby-Jäger vor, den Hund anschliessend mehrfach getreten und geschlagen zu haben, was Caviezel bestritt. Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei eröffnete ein Verfahren zur Frage, ob das Wildernlassen des Hundes gegen das Jagdgesetz verstiess. Die IG Wild beim Wild reichte Anzeige ein. Auch in seiner Stellungnahme zur Bündner Jagdinitiative von 2021 trat der Präsident als Verteidiger eines Systems auf, das im selben Kanton jährlich über 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger nach sich zieht. Es ist diese Mischung aus öffentlichem Amt, Lobbyfunktion und dokumentierten Tierschutzfragen, die den scheidenden Präsidenten zu einer umstrittenen Figur macht.

Der Wolf, zwischen «Zusammenleben» und Abschussunterstützung

Eines der beiden Dauerthemen der Amtszeit war der Wolf. Caviezel gibt sich versöhnlich: «Der Wolf ist natürlich nach Graubünden eingewandert und wurde nicht ausgesetzt. Wir müssen lernen, zusammenzuleben.» Im selben Atemzug betont er aber, die Population dürfe «nicht zu gross» werden, weshalb der Verband das kantonale Amt für Jagd und Fischerei bei der Regulierung unterstütze.

Genau hier liegt der Widerspruch. «Regulierung» bedeutet seit der am 1. Februar 2025 in Kraft getretenen Revision des Jagdgesetzes präventiver Abschuss, also das Töten von Wölfen, bevor überhaupt ein Schaden entstanden ist. Graubünden gehört zu den Kantonen, die diese Praxis am offensivsten nutzen. Im Rahmen der Hochjagd 2025 durften autorisierte Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger Jungtiere aus acht Rudeln sowie einen Einzelwolf im Oberengadin erlegen. Die «Unterstützung» des Verbands ist damit keine symbolische Geste, sie liefert die Schützen für den proaktiven Abschuss.

Die Dimensionen: Ende 2025 zählte der Kanton rund 12 Rudel. Schweizweit bewilligte das Bundesamt für Umwelt für die Regulierungsperiode 2025/2026 die Tötung von rund 115 Wölfen, 77 wurden erlegt. Wissenschaftlich bleibt der Nutzen dieser Politik umstritten: Fachleute bezeichnen die proaktive Regulierung als teures Experiment ohne belastbare ökologische Grundlage, das jene Konflikte eher verschärft, die es entschärfen soll. Das versöhnliche «Zusammenleben» und die aktive Mitwirkung am Abschuss «auf Vorrat» lassen sich schwer übereinbringen.

Kaliber-Streit: Tradition schlägt Mehrheit

Das zweite Dauerthema war der Streit um die Jagdkaliber. Graubünden ist der einzige Kanton, der die Jagd mit grosskalibrigen Waffen ab 10,3 Millimetern vorschreibt. Vor einem Jahr lehnten die Delegierten eine Lockerung ab, entschieden durch Caviezels Stichentscheid, obwohl er persönlich für eine Änderung gewesen wäre: «Der Vorstand war gegen den Kaliberwechsel. Dann kann ich als Präsident nicht anders entscheiden.»

Der Vorgang illustriert ein Grundproblem der Hobby-Jagd. Über Ausrüstungsstandards mit direkten Folgen für das Tierwohl entscheidet nicht eine unabhängige Fachbehörde, sondern eine Interessenorganisation, die sich selbst beaufsichtigt. Tradition setzt sich gegen die persönliche Einschätzung des eigenen Präsidenten durch.

Alkohol, Aufsicht und die Lücken im System

Hinter dem diplomatischen Ton liegt ein System mit handfesten Lücken, die der Verband mitzuverantworten hat. Für die Hobby-Jagd gibt es schweizweit keinen einheitlichen Promillegrenzwert: Während für Autofahrende 0,5 Promille gelten, schweigt das Jagdrecht in den meisten Kantonen. Genau hier setzte die Bündner Volksinitiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» an, die Blutalkoholgrenzen analog zum Strassenverkehr sowie periodische Eignungs- und Treffsicherheitsprüfungen forderte. Die organisierte Bündner Hobby-Jägerschaft, deren Spitze Caviezel angehörte, bekämpfte diese Initiative und stellte sie als Angriff auf das Brauchtum dar. Erst Zürich und Neuenburg haben inzwischen geregelt, dass die Jagdberechtigung verliert, wer wiederholt angetrunken zur Pirsch geht. In Graubünden, dem Kanton mit der höchsten Jagdintensität, überwachen wenige Wildhüter über 7’000 Quadratkilometer, Alkoholtests sind nicht vorgesehen, und das kantonale Amt für Jagd und Fischerei registriert Jahr für Jahr über 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger. Mit dem Bild der gut ausgebildeten, verantwortungsvollen Jägerschaft, das der Verband pflegt, hat das wenig zu tun.

Wenn Kinder ans Töten gewöhnt werden

Am deutlichsten wird die Haltung bei der Nachwuchsfrage. Dieselbe Initiative forderte bereits 2014, dass Kinder unter zwölf Jahren nicht auf die Jagd mitgenommen und in der Schule nicht zur Jagd motiviert werden dürfen. Auch diesen Punkt bekämpfte die Hobby-Jägerschaft. Die UNO-Kinderrechtskonvention verpflichtet die Staaten in Artikel 19, Minderjährige vor jeder Form von Gewalt zu schützen und ihre körperliche wie geistige Unversehrtheit zu wahren. Wer eine Initiative bekämpft, die genau diesen Schutz ins Jagdrecht schreiben will, stellt das Brauchtum über den Kinderschutz. Ein Freizeitvergnügen, dessen Höhepunkt das Töten eines Tieres ist, an Kinder weiterzugeben und in Schulen zu bewerben, ist keine harmlose Tradition, sondern frühe Gewöhnung an Waffe, Tötung und sinnlose Gewalt.

Was bleibt, und was Genf zeigt

Personell wechselt die Führung, inhaltlich bleibt der Kurs. Der Verband versteht sich weiterhin als Vollzugspartner einer Abschusspolitik nicht nur gegenüber dem Wolf. Dass es anders geht, zeigt der Kanton Genf, der die Hobby-Jagd 1974 abgeschafft hat und das Wildtiermanagement seither ausgebildeten Wildhüterinnen und Wildhütern überträgt. Seit über 50 Jahren funktioniert dieses Genfer Modell, ohne dass Wildbestände kollabieren. Ein kantonales Jagdverbot ist bundesrechtlich jederzeit möglich, es braucht dafür keine Gesetzesänderung in Bern.

Für Graubünden, wo organisierte Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger Beutegreifer regulieren, die sich in intakten Ökosystemen weitgehend selbst regulieren würden, bleibt die entscheidende Frage offen, ganz unabhängig davon, wer künftig den Verband präsidiert: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

«Ich habe geschossen und es sofort bereut»: Vor Gericht entlarvt sich die Hobby-Jagd als Sport

Ein junger Mann steht weinend vor dem Polizeigericht im französischen Departement Loire.

Anfang zwanzig, Angestellter eines Wasserwerks in Unieux.

Im November 2024 sah er ein Wildschwein aus dem Gehölz treten, griff zum Gewehr, das er nach eigener Aussage während der Saison ständig im Auto mitführt, und drückte ab. «Ich habe geschossen und es sofort bereut», sagte er laut «Le Progrès» vor den Richtern. Der Fall klingt nach einem einmaligen Ausrutscher. Tatsächlich legt er etwas viel Grundsätzlicheres offen.

Der Verband sorgt sich um «das Ansehen seines Sports»

Die Zeitung «Le Progrès» berichtete am 24. Mai 2026 über eine ganze Reihe von Hobby-Jägern, die sich wegen Anlockens, Wilderei oder der fehlenden Kennzeichnung erlegten Wilds vor Gericht verantworten mussten. Bemerkenswert ist dabei nicht der einzelne Regelverstoss, sondern die Begründung, mit der der Jagdverband hart gegen solche Fälle vorgeht: Sie schadeten «dem Ansehen ihres Sports».

Damit sagt die Jägerschaft selbst, was sie sonst mit grossem Aufwand bestreitet. Wer von seinem Sport spricht, betreibt ein Hobby. Ein Hobby aber begründet keinen behördlichen Auftrag, keine Notwendigkeit und schon gar keinen Dienst an der Allgemeinheit. Es ist Freizeitvergnügen, und nichts anderes.

«Fünfzehn Füchse pro Jahr»: die Jahresbilanz als Punktestand

In derselben Berichterstattung fällt der Satz, der dem Bericht seine Schlagzeile gibt: «Ich mache fünfzehn Füchse pro Jahr.» Wer seine getöteten Tiere wie einen persönlichen Punktestand zählt, beschreibt kein ökologisches Management. Er beschreibt eine Freizeitbeschäftigung mit Zielvorgabe, eine Art Saisontabelle.

Genau an dieser Stelle zerbricht die zentrale Schutzbehauptung der Hobby-Jagd. Solange das Töten als nüchterne, ungeliebte Pflichtaufgabe verkauft wird, lässt sich der Anschein eines öffentlichen Auftrags aufrechterhalten. Sobald aber ein Hobby-Jäger im Gerichtssaal stolz oder beiläufig seine Jahresbilanz nennt, fällt diese Fassade. Das geltende Jagdrecht liefert dafür den passenden Rahmen, indem es den Fuchs ganzjährig zum Abschuss freigibt.

Der Mythos vom öffentlichen Auftrag

Frankreich liefert das Lehrstück dazu im Grossformat. Zwischen 600’000 und einer Million Füchse werden dort Jahr für Jahr getötet, der Beutegreifer gilt offiziell als «Art, die Schäden verursachen kann». Eine wissenschaftliche Grundlage fehlt: Die französische Lebensmittel- und Umweltbehörde ANSES kam bereits 2023 zum Schluss, dass keine Fuchstötung aus gesundheitlichen Gründen gerechtfertigt sei. Der Fuchs reguliert Mäusebestände, hält Krankheiten in Schach und stabilisiert das Gleichgewicht. Er ist Nützling, nicht Schädling.

Selbst der französische Senat windet sich um eine ehrliche Einordnung und schreibt, die Jagd lasse sich «weder auf einen Sport noch auf eine Freizeitbeschäftigung noch auf eine Regulierungsaufgabe reduzieren». Diese Formel ist der Versuch, alles gleichzeitig zu sein und nichts davon belegen zu müssen. Die Gerichtsfälle aus der Loire zeigen, wie wenig davon im Alltag übrig bleibt. Aus dem angeblichen Auftrag wird ein Gewehr im Kofferraum, das bei der erstbesten Gelegenheit gezückt wird.

Wilderei dort, wo «jeder weiss», dass gewildert wird

Der Tatort Pascals ist kein Zufall. «Jeder weiss, dass in diesem Gebiet gewildert wird», zitiert «Le Progrès» das französische Amt für Biodiversität. Das Wasserwerk ist als Wildschwein-Revier bekannt, auch unter den Angestellten, zu denen der junge Mann zählt. Wo das Töten zum offenen Geheimnis wird, verschwimmt die Grenze zwischen legaler Hobby-Jagd und schlichter Wilderei vollends. Beides folgt derselben Logik: Da ist ein Tier, also wird geschossen.

Der Impuls, nicht die Notwendigkeit

«Ich dachte nicht nach, ich griff nach meinem Gewehr. Ich dachte: Das schaffe ich.» Pascals eigene Schilderung ist die ehrlichste Beschreibung des Mechanismus, den die Psychologie der Jagd seit Langem benennt. Es ist der Reiz des Treffers, der Jagdtrieb des Menschen, die Lust am Erlegen. Es ist nicht der kühle Verstand eines Sachwalters, der eine Population im Auftrag der Behörden steuert.

Genau diese Unterscheidung ist entscheidend. Ein öffentlicher Auftrag wird nüchtern, kontrolliert und nachvollziehbar erfüllt. Ein Hobby lebt vom Impuls. Pascals Tränen ändern daran nichts. Sie bestätigen nur, dass hier kein Profi am Werk war, der eine Aufgabe erledigte, sondern ein Mensch, der einer Versuchung erlag.

Was bleibt

Der Bericht aus dem Departement Loire ist deshalb wertvoller als hundert Streitgespräche. Nicht Tierschützer behaupten hier, die Hobby-Jagd sei Sport. Der Jagdverband selbst nennt sie so, wenn er um ihren Ruf fürchtet. Und die Hobby-Jäger selbst bestätigen es, wenn sie ihre Jahresbilanz an Füchsen vorrechnen oder ein Wildschwein erlegen, weil sie es gerade «schaffen» könnten.

Eine Tätigkeit, die ihre Befriedigung aus dem Töten zieht und die ihre Trefferquote zählt, verdient keinen Schutz als gemeinnützige Dienstleistung. Sie ist, was sie ist: ein Freizeitvergnügen auf Kosten von Wildtieren. Wer das verstanden hat, betrachtet jede Forderung nach mehr Abschüssen und längeren Schonzeit-Ausnahmen mit anderen Augen. Es geht nicht um Naturschutz, es geht um den Erhalt eines Hobbys.

Podcast-Episode: Jagd, Naturschutz und Risiko

Wild beim Wild – wo Jagd-PR auf Fakten trifft und meistens Federn lässt.

Mara: Die Redaktion Wild beim Wild hat sich diese Woche drei eng verwandten Fragen gewidmet: ob Lobby-Argumente für die Jagd einer Prüfung standhalten, was die Zahlen zur Fuchsjagd in Luzern tatsächlich belegen, und ob das Schutzversprechen der Hobby-Jagd wissenschaftlich haltbar ist.

Pip: Kurz gesagt: eine Woche, in der Behauptungen auf Quellen treffen. Fangen wir mit der Lobbyfrage an.

Lobby-PR und Naturschutzversprechen

Mara: Der Ausgangspunkt ist ein Beitrag des italienischen Jagdportals Caccia Passione, der sich auf das sogenannte Biodiversitätsmanifest der FACE beruft – dem europäischen Dachverband der Jagdverbände – und über 550 Naturschutzprojekte als Beleg anführt.

Pip: Das Urteil fällt knapp aus: «Eine Zahl wie ‚550 Projekte‘ klingt eindrücklich, sagt über die ökologische Wirkung aber genauso wenig aus wie die Zahl der Pressemitteilungen, die ein Verband versendet.»

Mara: Die Projekte werden vom Verband selbst gemeldet, ausgewählt und nicht unabhängig geprüft. Peer-reviewte Wirkungsnachweise sind das nicht.

Pip: Dazu kommt ein strukturelles Problem: In 16 von 26 Kantonen gilt die Patentjagd – kein gepachtetes Revier, keine Pflegepflicht. Das Bild des Jägers als Landschaftshüter setzt ein Verhältnis voraus, das rechtlich gar nicht existiert. Und nach Jahrzehnten jagdlicher Hege gilt rund ein Drittel der untersuchten Arten als gefährdet.

Mara: Genf zeigt seit 1974, dass es ohne geht – und zählt heute zu den artenreichsten Kantonen der Schweiz. Das führt direkt zur Frage, was die Zahlen zur Fuchsjagd konkret sagen.

Fuchsjagd: Was die Luzerner Daten zeigen

Mara: Luzern ist der einzige Schweizer Kanton, der Krankheiten beim erlegten Fuchs systematisch erfasst. Im Jagdjahr 2018/19 wurden 2217 Füchse erschossen – 39 davon waren krank.

Pip: Das sind 1,76 Prozent. Über 98 Prozent der getöteten Tiere waren gesund.

Mara: Damit kollabiert das Hauptargument, die Fuchsjagd diene der Seuchenbekämpfung. Der Bericht der kantonalen Kommission zitiert dazu keine einzige wildbiologische Studie – obwohl Dutzende Untersuchungen aus Grossbritannien, Skandinavien, Deutschland und der Schweiz seit Jahrzehnten zeigen, dass Jagddruck die Fuchsdichte in der Fläche nicht senkt.

Pip: Und Stimmen aus der Jägerschaft selbst bestätigen das. Franz Balmer, seit 13 Jahren Zürcher Hobby-Jäger, sagte im Tagesanzeiger: «Wir schaden dem Ansehen der Jagd so mehr, als dass wir ihm nützen.»

Mara: Wildtierbiologin Sandra Gloor und der frühere Bündner Verbandspräsident Robert Brunold kommen unabhängig voneinander zum gleichen Schluss: Die Fuchsjagd erfüllt keinen sachlichen Zweck. Das Genfer Modell kostet rund eine Million Franken pro Jahr – umgerechnet eine Tasse Kaffee pro Einwohnerin.

Pip: Wobei der Bericht vor «erheblichen Mehrkosten» warnt — ohne eine einzige Zahl zu nennen. Das ist eine ökonomische Behauptung ohne Vergleichsrechnung.

Mara: Und das führt zur eigentlichen Frage: Schützt die Hobby-Jagd die Bevölkerung überhaupt?

Schutzversprechen unter der Lupe

Pip: Das ist die Kernfrage des dritten Beitrags – und die Antwort fällt an jedem einzelnen Punkt negativ aus.

Mara: Beim Thema Zecken zeigt eine Studie des niederländischen Biologen Tim Hofmeester: «Wo viele Beutegreifer leben, tragen deutlich weniger Zecken den Borreliose-Erreger, weil sich Mäuse häufiger verstecken und seltener von Zeckenlarven befallen werden.»

Pip: Füchse töten heisst also: mehr Mäuse, mehr Zecken, mehr Borreliose. In der Schweiz erkranken jährlich schätzungsweise 6000 bis 12000 Menschen daran – das ist keine abstrakte Zahl.

Mara: Beim Fuchsbandwurm dreht sich das Argument ebenfalls um. Eine vierjährige Studie rund um Nancy zeigt: Trotz 35 Prozent erhöhtem Jagddruck und 776 erlegten Füchsen schrumpfte der Bestand nicht – die Bandwurm-Prävalenz stieg von 40 auf 55 Prozent. In leer geschossene Reviere wandern junge Füchse nach, die besonders viele Eier ausscheiden.

Pip: Und dann ist da noch das Blei. Bleihaltige Geschosse zerlegen sich beim Aufprall, Splitter dringen tief ins Fleisch ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung zählt Wildbret zu den am höchsten bleikontaminierten Lebensmitteln – für Blei gibt es keine unbedenkliche Dosis.

Mara: Besonders betroffen sind ausgerechnet Vielverzehrer – also Hobby-Jäger und ihre Familien. Wirksame Alternativen existieren: Tollwut wurde mit Impfködern besiegt, Entwurmungsköder senkten die Bandwurm-Prävalenz von 13,3 auf 2,2 Prozent. Den wirksamsten Mäuse- und Zeckenschutz liefert der Fuchs selbst.

Pip: Gratis und rund um die Uhr — ohne Munition.

Mara: Lobbydaten ohne Unabhängigkeit, Gesundheitsargumente ohne wissenschaftliche Grundlage, Schutzversprechen, die sich ins Gegenteil kehren – das ist der rote Faden dieser Woche.

Pip: Und Genf zeigt seit 50 Jahren, wie es gehen kann. Beim nächsten Mal schauen wir, welche Argumente die Gegenseite neu aufwärmt.

Wildschweine in der Stadt: Die Hobby-Jagd ist das Problem

Im italienischen Ascoli streifen immer mehr Wildschweine durch die Strassen, und Fachleute wie die Tierschutzorganisation Lega Abolizione Caccia machen dafür ausgerechnet jene Hobby-Jagd verantwortlich, die das Problem eigentlich lösen soll.

In der mittelitalienischen Stadt Ascoli sorgen neue Sichtungen ganzer Rotten für Aufregung.

Die Behörden von Gemeinde, Provinz und Region reagieren mit dem gewohnten Krisenreflex: Fanggitter des Typs «Pig Brig», sogenannte Selektionsschützen und mögliche Abschüsse. Die Lega Abolizione Caccia kritisiert diesen Kurs scharf und erinnert daran, dass in den 1970er- und 1980er-Jahren Wildschweine gezielt zu jagdlichen Zwecken ausgesetzt wurden. Die Drück- und Treibjagden hätten die Rotten zerschlagen und die Tiere in die vermeintlich sichereren Siedlungen getrieben. «Die Wildschweine, die heute in der Stadt grasen, sind Tiere, die vor den Hobby-Jägern geflüchtet sind», heisst es in der Mitteilung. Die Delegierte Sabrina Simonetti spricht beim Einsatz der Fanggitter offen von einem «Gruppen-Gemetzel». Auch der auf Tierphysiologie spezialisierte Professor Andrea Mazzatenta bestätigt: Wildschweine näherten sich den Ortschaften gerade deshalb, um dem Jagddruck zu entkommen.

Diese historischen Freisetzungen gelten als ein wichtiger Faktor für die heutige Populationsdynamik, die sich durch Jagddruck, Fragmentierung der Rotten und steigende Reproduktionsraten weiter verstärkt hat.

Die Wissenschaft ist eindeutig: Bejagung steigert die Vermehrung

Der Befund ist kein italienischer Sonderfall, sondern international belegt. Eine über 22 Jahre angelegte französische Langzeitstudie verglich zwei Wildschweinpopulationen, eine intensiv bejagte im Departement Haute-Marne und eine kaum bejagte in den Pyrenäen. Das Ergebnis: Unter hohem Jagddruck fällt die Fruchtbarkeit deutlich höher aus, die Geschlechtsreife tritt früher ein, und bereits Frischlingsbachen werden trächtig. Der Mechanismus ist bekannt: Leitbachen unterdrücken über Botenstoffe die Fruchtbarkeit rangniedrigerer Weibchen.Wenn Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger Leitbachen abschiessen, zerfallen die Rotten, die übrigen Weibchen kommen sofort in die Brunst und pflanzen sich mehrfach im Jahr fort. So steigt der Bestand von Jahr zu Jahr. In der Toskana hat sich die Zahl der Wildschweine durch starke Bejagung verdoppelt und die Marke von 200’000 Tieren überschritten.

EFSA: Abschüsse können den Bestand gar nicht senken

Wie wirkungslos die Hobby-Jagd als Steuerungsinstrument ist, zeigt eine Berechnung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Bei einer Reproduktionsdynamik von rund 200 Prozent pro Jahr müssten jährlich mehr als 67 Prozent des Bestands entnommen werden, um eine Population überhaupt zu verkleinern. Tatsächlich liegt die Abschussquote bei etwa 40 Prozent. Die Vermehrung der Wildschweine ist kompensatorisch: Was weggeschossen wird, gleicht die Art innert weniger Jahre wieder aus. Auch das italienische Umweltforschungsinstitut ISPRA hält fest, dass Drückjagden weder den Bestand begrenzen noch Schäden oder Sicherheitsprobleme lösen, sondern die Sozialstruktur stören und die unkontrollierte Ausbreitung der Tiere fördern.

Auch für die Schweiz gilt: Töten ist keine Lösung

Die Schweiz kennt dasselbe Muster. Eine an der Universität Zürich angesiedelte Untersuchung zur Schwarzwildbewirtschaftung kam bereits 2004 zum Schluss, dass Abschuss und jagdliche Fütterung die Schäden nicht nachhaltig senken und die Reproduktion zusätzlich anheizen. Während in rund zwei Dritteln der Kantone die Patentjagd ohne Revierverantwortung praktiziert wird, zeigt der Kanton Genf seit 1974 eine funktionierende Alternative: ein vollständiges Jagdverbot, bei dem nötige Eingriffe ausschliesslich durch professionell ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter erfolgen. Dieses Modell ist kein Ausreisser, sondern ein übertragbarer Beleg dafür, dass Wildtiermanagement ohne Hobby-Jagd funktioniert. Wer Wildschweine dauerhaft aus den Städten halten will, setzt deshalb auf Prävention: Elektrozäune, konsequente Abfallentsorgung, Wildwarnsysteme und jagdfreie Sicherheitszonen rund um die Ortschaften. Oder mit den Worten der Lega Abolizione Caccia: «Es ist Zeit, sich an die Wissenschaft zu wenden und nicht an die Jagdwelt.»

Wie der Jagddruck die Vermehrung antreibt, dokumentiert das Dossier «Die Jagdtätigkeit lässt die Art vermehren», die ökologische Wirkungslosigkeit der Jagd der Beitrag «Jäger und Naturschutz».

Wallis fordert Luchs-Abschuss: Schiessen statt schützen

Im Wallis fordern Hobby-Jagdverbände und Politiker ein Pilotprojekt zum Abschuss des Luchses, ausgerechnet in jenem Kanton, in dem die streng geschützte Beutegreifer über Jahrzehnte nachweislich gewildert wurde.

Mehrere Interessengruppen verlangen im Wallis erstmals offen einen Regulierungsabschuss des Luchses.

Nationalrat Benjamin Roduit (Die Mitte) bestätigte gegenüber «watson», dass an der letzten Versammlung des Kantonalen Walliser Jägerverbandes über den angeblichen Schaden des Luchses diskutiert wurde und der Kanton mit Zustimmung des Bundesamts für Umwelt ein Pilotprojekt in einer Zielregion durchführen möchte. Jean-Frédéric Sierro, Präsident des Jagdverbands Diana Romande, räumt einen «gewissen Wunsch» ein, die Diskussion zu eröffnen, ein anonym bleibender Hobby-Jäger spricht bereits davon, das Gebiet sei «geräumt» worden. Auf Bundesebene befeuert die im März 2026 eingereichte Motion von Nationalrat Thomas Knutti (SVP) zur «Anpassung des Konzepts Luchs Schweiz» den Druck zusätzlich.

Eine gefährdete Art, die sich gerade erst erholt

Was die Forderung verschweigt: Der Luchs ist im Wallis kaum zurück. Der Berner Naturschutzbiologe Raphaël Arlettaz dokumentiert, dass in den 2010er-Jahren nur noch fünf bis acht eigenständige Tiere existierten und lediglich zwei Würfe nachgewiesen wurden. Erst seit 2020 kehrt sich der Trend, im Winter 2024/2025 zählten die Fachleute rund 30 unabhängige Luchse und acht Würfe mit mindestens elf Jungtieren. Schweizweit stuft die für das Monitoring zuständige Stiftung KORA den Luchs weiterhin als «stark gefährdet» mit sehr hoher nationaler Priorität ein. Wer eine eben erst anlaufende Erholung bereits zum Überbestand erklärt, dreht die biologische Realität um.

Der Kanton mit der dokumentierten Wilderei-Geschichte

Dass die Walliser Bestände überhaupt so tief lagen, ist menschengemacht. Eine Studie des Teams um Arlettaz wies bereits 2020 siebzehn Schlingenfallen am einzigen Luchs-Migrationskorridor des Kantons nach, die Bestandsdichte lag bei rund einem Drittel Luchs pro hundert Quadratkilometer, während sie in vergleichbaren Alpenregionen mehrfach höher ist. In der kantonalen Dienststelle galt jahrelang die Maxime, ein guter Luchs sei ein toter Luchs, mehrere Wildhüter standen unter Wilderei-Verdacht, und noch 2024 wurde bei Crans-Montana ein erschossener Luchs gefunden. Genau dieser Kanton deklariert die zaghafte Erholung nun zum Problem.

Nicht das Vieh, sondern die Konkurrenz um Reh und Gämse

Das Argument der gerissenen Nutztiere hält der Datenlage nicht stand. Rehe und Gämsen machen laut KORA rund 88 Prozent der Luchsbeute aus, Übergriffe auf Schafe oder Ziegen bleiben lokal und zeitlich begrenzt und häufen sich vor allem dort, wo der Wildbestand bereits tief ist. Wenn die Motion Knutti von einem Luchs spricht, der in wenigen Tagen eine zweistellige Zahl Schafe töte, beschreibt sie eine seltene Ausnahme, nicht die Regel. Der eigentliche Konflikt ist ein anderer: In einem Patentjagd-Kanton wie dem Wallis tragen Hobby-Jägerinnen und Jäger keine Revierverantwortung, sie konkurrenzieren direkt um dieselben Rehe und Gämsen wie der Luchs. Eine KORA-Untersuchung im Berner Oberland kam zum Schluss, dass der Einfluss der Hobby-Jagd auf die Gämspopulation im Schnitt grösser ausfällt als jener des Luchses.

Dieselben Kreise, welche die Biodiversität untergraben

Pikant ist, dass der Ruf nach dem Abschuss aus genau jenen Kreisen kommt, die der Rückkehr des Luchses seit Jahrzehnten im Weg stehen. Dass die Walliser Bestände künstlich tief blieben, ist Folge illegaler Tötungen, in der kantonalen Dienststelle standen mehrere Wildhüter unter Wilderei-Verdacht. Dabei ist der Luchs als Beutegreifer kein Schädling, sondern ein Stabilisator: Er erbeutet bevorzugt geschwächte Tiere und wirkt so auf die Gesundheit der Reh- und Gämsbestände, ein intakter Wald braucht laut Naturschutzorganisationen genau diese natürliche Auslese. Wer eine streng geschützte Schlüsselart abschiessen will, betreibt keinen Naturschutz, sondern dessen Gegenteil. Die Forderung sabotiert exakt jene Regulierung, welche die Hobby-Jagd sonst für sich reklamiert.

Das Gesetz erlaubt Eingriffe längst

Ein neues Pilotprojekt ist rechtlich nicht nötig. Das «Konzept Luchs Schweiz» und das Jagdgesetz erlauben bereits heute die Entnahme einzelner Tiere, die erheblichen Schaden anrichten, sowie unter strengen Voraussetzungen eine Bestandsreduktion, primär durch Einfang und Umsiedlung. Schäden an Nutztieren werden zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Kanton entschädigt. Das BAFU erklärt, ihm lägen derzeit keine Informationen über mögliche Luchsabschüsse im Wallis vor, und der Status des Luchses blieb auch nach der jüngsten Revision von Jagdgesetz und Jagdverordnung unverändert. Wer dennoch ein Sonderregime für eine gefährdete Art verlangt, will nicht ein Schafproblem lösen, sondern einen Nahrungskonkurrenten beseitigen.

«Hobby-Jäger sind Teil der Lösung»? Lobby-PR im Faktencheck

Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt verbreitet die Jagdpresse erneut die Behauptung, Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger seien «Teil der Lösung» für die Artenvielfalt.

Anlass ist ein Beitrag des italienischen Jagdportals Caccia Passione vom 22. Mai 2026.

Er beruft sich auf das sogenannte «Biodiversitätsmanifest» und nennt über 550 Naturschutzprojekte europäischer Jägerinnen und Jäger als Beweis. Wer genau hinschaut, erkennt jedoch ein vertrautes Muster: Die Lobby benotet ihre eigenen Hausaufgaben.

Eine Lobby benotet ihre eigenen Hausaufgaben

Das zitierte Manifest stammt von der FACE, dem europäischen Dachverband der Jagdverbände mit Sitz in Brüssel. Es ist eine selbst gepflegte Projektdatenbank, die der Verband nach eigener Darstellung zur Unterstützung seiner Lobbyarbeit in Brüssel betreibt. Wer die Projekte meldet, wählt sie auch aus, und niemand prüft sie unabhängig nach. Unabhängige, peer-reviewte Wirkungsnachweise sind das nicht, sondern Eigenwerbung eines Interessenverbandes, der unter anderem das EU-Verbot bleihaltiger Munition bekämpft. Eine Zahl wie «550 Projekte» klingt eindrücklich, sagt über die ökologische Wirkung aber genauso wenig aus wie die Zahl der Pressemitteilungen, die ein Verband versendet.

In den meisten Kantonen fehlt schon das Revier

Das Bild des Hobby-Jägers als «Hüter der Landschaft» setzt voraus, dass dieser ein Gebiet dauerhaft pflegt. In der Schweiz ist das Jagdrecht jedoch ein kantonales Hoheitsrecht (Jagdregal), und Grundbesitz verleiht kein Jagdrecht. In 16 der 26 Kantone gilt die Patentjagd: Wer ein Patent löst, darf im ganzen Kanton schiessen, ohne gepachtetes Revier und ohne damit verbundene Pflegepflicht. Nur in neun Revierkantonen wird überhaupt Gebiet an Jagdgesellschaften verpachtet, einzig Genf kennt die staatliche Regiejagd. Für die Mehrheit der Schweizer Hobby-Jägerschaft gibt es also gar kein «eigenes Land», das sie aufwerten könnte. Der Pinsel der PR malt ein Pflegeverhältnis, das es im verbreitetsten Schweizer Jagdsystem rechtlich gar nicht gibt.

Die Bilanz spricht eine andere Sprache

Nach Jahrzehnten jagdlicher «Hege» gilt rund ein Drittel der untersuchten Arten in der Schweiz als gefährdet. Und wo der Naturschutz konkret vorankommen soll, mobilisiert die Hobby-Jagd-Lobby regelmässig dagegen: gegen die Biodiversitätsinitiative, gegen neue Nationalpärke wie Adula oder das Locarnese und gegen das Verbot bleihaltiger Munition. Der Tessiner Jägerverband FCTI etwa bekämpfte gleich mehrere dieser Vorlagen. Wer Schutzgebiete verhindert und Schutzmassnahmen ausbremst, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Genf zeigt, dass es ohne geht

Der Kanton Genf hat die private Jagd 1974 per Volksabstimmung abgeschafft und durch staatlich angestellte Wildhüterinnen und Wildhüter ersetzt. Trotz hoher Bevölkerungsdichte und starker Urbanisierung zählt Genf heute zu den artenreichsten Kantonen der Schweiz. Das ist keine unübertragbare Ausnahme, sondern ein funktionierendes Modell: Wildtierregulierung durch Fachpersonen und durch Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Fuchs, statt durch ein Freizeitvergnügen. Echte Hege braucht eine Handvoll Profis, kein Heer von Freizeitschützen.

Das Versprechen «Hobby-Jäger sind Teil der Lösung» scheitert bereits an seiner eigenen Quelle: Es beruht auf einer Lobbydatenbank, nicht auf unabhängiger Wissenschaft. Biodiversität gewinnt in der Schweiz dort, wo Zivilgesellschaft und Behörden handeln, und sie verliert dort, wo die Hobby-Jagd-Lobby blockiert. Die nächste Jubel-PR folgt bestimmt, der nächste Faktencheck auch.

Podcast Episode: Jagd, Naturschutz Und Risiko

Verbotene Falle zerfetzt Fuchs den Hinterlauf: Ein Hobby-Jäger musste das Tier erschiessen

Ein Fuchs schleppt sich über den Rand eines Grundstücks, den linken Hinterlauf eingeklemmt zwischen den scharfen Bügeln eines Stahleisens.

Was nach einer Szene aus einem alten Abenteuerroman klingt, ist im Mai 2026 bittere Realität geworden.

In Beeskow im Landkreis Oder-Spree geriet ein Fuchs mit dem Hinterlauf in ein sogenanntes Tellereisen, eine Falle, deren Einsatz in Deutschland seit Jahrzehnten verboten ist. Das Tier war verletzt, dass ihm angeblich nicht mehr zu helfen war. Ein Hobby-Jäger hatte, statt dem Fuchs zu helfen, ihn kaltblütig erschossen.

Anwohnerinnen und Anwohner hatten den schwer verletzten Fuchs am 5. Mai 2026 am Rand eines Grundstücks im Westen von Beeskow entdeckt.

Das Tier steckte mit dem linken Hinterlauf in der illegalen Schlagfalle fest. Die Zeugen gehen davon aus, dass der Fuchs bereits längere Zeit gelitten und das schwere Eisen am verletzten Lauf mit sich geschleppt hatte. Die beiden Fangbügel der Stahlfalle waren zugeschnappt, als das Tier mit einem Tritt auf den mittleren Teller den Mechanismus auslöste.

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Die Tierrechtsorganisation PETA kündigte an, Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Solche Funde sind kein Einzelfall. Immer wieder werden Wildtiere entdeckt, die sich mit einem dieser Marterwerkzeuge am Bein über Wege, Hecken und Grundstücke quälen, bis sie gefunden werden oder qualvoll verenden.

Was ein Tellereisen mit einem Tier macht

Ein Tellereisen funktioniert ohne jede Selektion. Tritt ein Tier auf die mittlere Platte, schnappen zwei gefederte Bügel mit voller Wucht zu und schliessen sich um das Bein. Knochen brechen, Sehnen und Muskeln werden zerquetscht, oft reisst die Pfote teilweise oder ganz ab. Das gefangene Tier kann sich nicht befreien und erleidet stunden- oder tagelang Todesangst, Durst und entsetzliche Schmerzen.

Wer in die Falle tappt, entscheidet allein der Zufall. Neben Füchsen geraten regelmässig Katzen, Hunde, Dachse, Marder, Biber und Vögel in diese Eisen. Genau diese fehlende Selektion ist es, die Tierschutzorganisationen seit Jahrzehnten an der gesamten Fallenjagd kritisieren.

Verboten im Einsatz, erlaubt im Verkauf

Der jagdliche Gebrauch von Tellereisen ist in Deutschland bereits seit 1934 untersagt, EU-weit gilt das Verbot seit 1995. Die Schmerzzufügung mit einem solchen Eisen erfüllt den Tatbestand einer Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes und kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Und dennoch tauchen die Eisen immer wieder auf. Der Grund liegt in einem Widerspruch: Während der Einsatz verboten ist, dürfen die Fallen in Deutschland weiterhin verkauft werden. Ein Handelsverbot sollte 2021 im Bundesjagdgesetz verankert werden, doch die Politik kippte den Plan. So lagern auf Dachböden und in Scheunen unzählige alte Exemplare, und die Hemmschwelle, ein solches Eisen gegen den vermeintlich lästigen Fuchs einzusetzen, bleibt niedrig. PETA-Fachreferent Peter Höffken fordert, der verantwortliche Tierquäler müsse gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Wer mehr zur rechtlichen Lage rund um das Jagdrecht wissen möchte, findet bei wildbeimwild.com ein eigenes Dossier zum Jagdgesetz.

Auch die legale Fallenjagd ist grausam

Es wäre zu einfach, das Problem allein bei einzelnen Tierquälern mit verbotenen Eisen zu verorten. Die Fallenjagd ist auch dort, wo sie erlaubt ist, mit grossem Leid verbunden. Lebendfallen sind in allen Bundesländern zulässig, gefangene Tiere harren oft stundenlang in Panik aus, bis sie kontrolliert und erschossen werden. Totschlagfallen wie der Schwanenhals töten nicht immer sofort, dokumentierte Fälle belegen lange, qualvolle Todeskämpfe.

Fallen stehen dabei keineswegs nur in abgelegenen Wäldern. Häufig werden sie nahe an Wegen, Hochsitzen, Wohngebieten und Gärten aufgestellt, um die Kontrollgänge zu erleichtern. Die Begründung lautet meist, man müsse die Bevölkerung vor dem Fuchs oder den Bestand des Niederwilds vor Beutegreifern schützen. Wissenschaftlich haltbar ist diese Argumentation nicht. Hintergründe und Studien dazu sammeln wir im Bereich Hobby-Jagd.

Ein Fuchs ist kein Schädling

Der Rotfuchs gilt vielen als Problem, dabei erfüllt er eine wichtige Funktion im Ökosystem. Er reguliert Mäusebestände, vertilgt Aas und kranke Tiere und trägt zur Gesundheit ganzer Lebensräume bei. Die Vorstellung, man müsse ihn mit Fallen kurzhalten, ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Wildtiere pauschal in nützlich und schädlich eingeteilt wurden. Wer den Fuchs und seine Rolle in der Natur besser verstehen will, findet bei uns laufend Beiträge im Dossier Wildtiere.

Für Hühnerhalterinnen und Hühnerhalter, die tatsächlich Probleme mit Beutegreifern haben, gibt es zudem wirksame und tierfreundliche Lösungen: ausbruchsichere Gehege, gut verschlossene Ställe in der Nacht, Bewegungsmelder mit Licht und Ton. Vergrämung statt Vernichtung schützt am Ende beide Seiten.

Was Sie tun können

Wer beim Spaziergang eine fängisch gestellte Falle entdeckt, sollte sie nicht selbst entfernen, sondern umgehend die Polizei und die zuständige Jagdbehörde informieren und nach Möglichkeit Fotos sowie den genauen Standort festhalten. Jeder gemeldete Fund erhöht den Druck, der über Jahrzehnte gewachsenen Praxis der Fallenjagd endlich ein Ende zu setzen.

Der erschossene Fuchs aus Beeskow ist ein weiterer Name auf einer langen Liste. Er erinnert daran, dass hinter der Romantisierung der Hobby-Jagd und dem harmlos klingenden Begriff der Fallenjagd ein System steht, das Tieren systematisch Leid zufügt. Mehr zu Recht, Strafverfolgung und dokumentierten Fällen finden Sie in unseren Dossiers zu Tierrechten und zur Kriminalität rund um die Jagd.