«Schluss mit der Fuchsjagd»: Wissenschaft, Kantone und was du tun kannst
Eine Kampagne für ein Ende der Fuchsjagd in der Schweiz.
Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 19’000 Rotfüchse erschossen.
Die offiziellen Begründungen: Bestandsregulierung, Seuchenbekämpfung, Schutz von Bodenbrütern. Mehr als drei Jahrzehnte wildbiologische Forschung widerlegen diese Argumente übereinstimmend. Die IG Wild beim Wild hat deshalb die Kampagne «Schluss mit der Fuchsjagd» gestartet – mit kantonsspezifischen Kontaktlisten, einem wissenschaftlich fundierten Musterbrief und konkreten Handlungsschritten für alle, die aktiv werden wollen.
Was die Zahlen zeigen
Der Kanton Luzern ist der einzige Kanton, der den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst. Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund. Über 98 Prozent der erschossenen Füchse im Kanton Luzern waren gesund – kein Seuchengeschehen, das durch die Jagd eingedämmt worden wäre.
Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Eine Studie von Comte et al. (2017) zeigte, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte, weil Jungfüchse die Lücken füllen und eine höhere Parasitenlast tragen. In Luxemburg sank die Befallsrate nach dem Fuchsjagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 20 Prozent.
Eine aktuelle Studie in «Biological Conservation» (Jiguet et al. 2026) untersuchte 383’299 jährlich in Frankreich getötete Rotfüchse: kein statistischer Zusammenhang mit Schadensreduktion, und die Kontrollkosten übersteigen die Schäden um das Achtfache. Millionenfach getötet – für nichts.
Was die Kantone bisher getan haben
Die Reaktionen der Kantone auf Petitionen zur Fuchsjagd sind weitgehend gleichförmig: Ablehnung ohne eine einzige wissenschaftliche Quelle.
Kanton Glarus antwortete mit drei Absätzen und keiner einzigen Studie. Kanton Basel-Landschaft schickte vier Seiten Verwaltungssprache – ebenfalls ohne Studiennachweis. Kanton Bern lehnte eine parteiübergreifende Motion ab; der Regierungsrat räumte dabei selbst ein, die Fuchsjagd sei «faktisch ein Selbstzweck».
Die einzige Ausnahme: Der Kanton Zug gab 2025 eine unabhängige Studie bei SWILD in Auftrag. Das Ergebnis (Mai 2026): Die Fuchsjagd zeigt keine nachweisbare regulatorische Wirkung, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Jagdkommission beschloss daraufhin, die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv zu fördern.
Vorbilder, die seit Jahrzehnten funktionieren
Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei – über hundert Jahre, ohne Bestandsexplosion oder Seuchenprobleme. Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus. Luxemburg hat die Fuchsjagd 2015 landesweit verboten, mit messbarem Rückgang des Fuchsbandwurms. Kein Bundesgesetz zwingt die Kantone zur Fuchsjagd.
Was du jetzt tun kannst
Die Kampagne stellt für die Kantone Luzern, Glarus, Basel-Landschaft, Zug und Bern vollständige Kontaktlisten der Kantonsräte sowie kantonsspezifische Hintergründe bereit. Für alle übrigen Kantone gibt es einen universellen Musterbrief, der direkt ins eigene Mailprogramm kopiert werden kann. Bitte nur als persönliche E-Mail – das ist politisch wirksamer als jeder Massenversand.
