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Wildtiere

Wiener Tierschutzverein: Junge Wildtiere schützen

So herzige kleine Wildtiere, auf viele Menschen auch wirken mögen: Die Hintergründe, wie so oftmals verlassene Jungtiere ohne Mutter gefunden werden, sind oft äusserst dramatisch, laut dem Wiener Tierschutzverein. Die Muttertiere werden oft ein Opfer des Strassenverkehrs, und die Jungtiere bleiben alleine zurück. „Oder sie sind – was fast noch öfters vorkommt – ein Opfer

Redaktion Wild beim Wild — 5. Mai 2020

So herzige kleine Wildtiere, auf viele Menschen auch wirken mögen: Die Hintergründe, wie so oftmals verlassene Jungtiere ohne Mutter gefunden werden, sind oft äusserst dramatisch, laut dem Wiener Tierschutzverein.

Die Muttertiere werden oft ein Opfer des Strassenverkehrs, und die Jungtiere bleiben alleine zurück. «Oder sie sind – was fast noch öfters vorkommt – ein Opfer der Hobby-Jagd», sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV). Im dazugehörigen Tierschutzhaus in Vösendorf finden viele dieser Wildtiere kompetente Pflege, so wie jüngst das Wildschweinjunge «Berta».

Leider gibt es gerade im Osten Österreichs nach wie vor Regelungen, die für zivilisierte Menschen mit Herz – und auch für viele redliche Jägerinnen und Jäger selbst – untragbar und unverständlich sind. So existieren etwa in Niederösterreich für kleine Raubtiere wie Füchse, Marder, Mausmarder, Iltisse oder Wiesel, aber auch für Wildschweine, Wildkaninchen oder Waschbären nach wie vor gar keine Schonzeiten. Ein Beispiel: Fuchs-Mütter, die aktuell ihre Jungen im Bau zu versorgen haben, können quasi immer abgeschossen werden. Dieser Umstand wirkt sich besonders schlimm auf die Jungtiere der genannten Tierarten aus, die ohne Mutter qualvoll und langsam an Hunger, Durst oder Kälte sterben. Der WTV hat gegen diese Barbarei bereits vor einigen Jahren eine Petition gestartet. «Leider wurden bisher auch alle Anträge gegen diese Praktiken im NÖ Landtag stets abgelehnt», so Petrovic vom Wiener Tierschutzverein. Der zuständige Landtagsabgeordnete meinte einst dazu, dass anständige Hobby-Jäger das ohnehin nicht täten. Logisch gedacht, könnte es dann aber auch ohne Weiteres ein Verbot geben. Das Tierschutzproblem der fehlenden Schonzeiten ist systemisch.

«Tatsache ist leider, dass es sehr wohl passiert. Erst vor wenigen Tagen haben wir vergeblich um die Rettung des letzten noch lebenden Fuchsbabys gekämpft, dessen Mutter erschossen worden war. Leider haben Spaziergängerinnen das wimmernde Baby erst entdeckt, als es schon total dehydriert und verloren war. Die Geschwisterchen waren schon vorher verendet. Entspricht dies einem modernen Jagdrecht? Ich denke eher nicht», sagt Petrovic.

Sonderfall Wildschweine

Apropos Jagdrecht: Bei Wildschweinen ist die Situation besonders fragwürdig. Denn Muttertiere, die Babys haben – so genannte «führende Bachen» – dürfen zwar eigentlich nicht bejagt werden, aber wenn zuerst die Frischlinge (für die es keine Schonzeiten gibt) erlegt werden, kann danach die auch Mutter, die ja dann keine Babys mehr hat, getötet werden. Das alles ist laut Gesetz legal. «Es mag legal sein, aber es ist und bleibt ein moralischer Frevel und eine menschliche sowie politische Bankrotterklärung», so Petrovic.

Die WTV-Präsidentin ortet daher dringenden Handlungsbedarf: «Es wird höchste Zeit für ein modernes Jagdrecht, das auch das Wohl der Tiere berücksichtigt und nicht die Vorteile einiger unredlicher Menschen in der Hobby-Jägerschaft, die Wildtiere immer noch als unliebsame Jagdkonkurrenz sehen», so Petrovic. Und die WTV-Präsidentin ergänzt: «Ja, so ein kleiner Frischling ist süss. Die Geschichte dahinter aber fast sicher eine Tragödie und ein Verstoss gegen alles, was eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung als rechtlich zulässig erachtet.»

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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