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Jagd

Trophäenjagd: Kultivierte Perversion auf Kosten der Wildtiere

Die Trophäenjagd bedroht und dezimiert Arten und ist vor allem in Afrika ein korruptes Geschäft, auch für die Jagdreiseanbieter. Trophäenjagd ist feige und ein charakterliches Armutszeugnis. Wer die militanten Hobby-Jäger fördert, hat nicht den Geist und Wille Rechtschaffendes zu tun und keinen Respekt vor der Natur, wo er, wie die Wildtiere, ein Gast ist.

Redaktion Wild beim Wild — 2. Juni 2019

Tiere für Trophäen zu töten, ist teilweise kriminell, aber immer falsch – eine Unkultur.

In den militanten Zeitschriften der Jägerschaft und auf Jagdmessen werben Hobby-Jäger und Reiseveranstalter mit dem «Thrill to kill» auf der Trophäenjagd im Ausland.

Braunbär in Kroatien oder Nilpferd in Malawi? Leopard in Namibia oder gar ein Elefant in Botswana? Was viele Laien kaum für möglich halten, wird immer mehr zum lukrativen Geschäft für spezialisierte Agenturen und deren Handlanger. Passionierte Freizeitjäger mit dem nötigen Kleingeld fliegen quer durch die ganze Welt, um sich die (noch nicht ausgestorbenen) Beutetiere vor die Flinte zu holen. Die Trophäen werden dann ausgestopft und ins Wohnzimmer gehängt – nicht immer ganz legal.

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Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

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Mit Rotwild, Gams, Fuchs oder Murmeltier in den Alpen sind die Hobby-Jäger nicht mehr zufriedenzustellen. Wer etwas auf sich hält, muss einen Bären erlegen. Im Angebot sind derzeit Abschüsse in Kroatien und Rumänien (Braunbär ab 4’600 Euro) oder auch in Russland (ab 6’500 Euro samt zwei Wochen Reisekosten) http://huntexperts.com. Wie selten die Tiere dort sind, spielt dabei keine Rolle.

Keine Scheu vor bedrohten Arten

Die Grosswildjagd in Afrika, früher eine Domäne von Briten und Amerikanern, boomt mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum. Ein Nilpferd oder Krokodil in Malawi schlägt für «Auslandsjäger» derzeit mit knapp 10’000 Euro zu Buche, zuzüglich Trophäengebühr von 800 Euro. In Südafrika bekommt man ein “Leopardenpackage” für 10000 Euro. “Löwen-Pakete” gibt es ab 15’000 Euro, in Mosambik geht es Löwen bei 24’000 Dollar an den Kragen und Leoparden ab 17’000 Dollar. Tansania ist teurer, dort kosten Leopardenabschüsse 30’000 Dollar mit 14 Tagen Gastaufenthalt, Löwen sind für 50’000 Dollar zu haben, während die Elefantenpopulation mittlerweile eingebrochen ist. Tansania hat in den letzten Jahren mehr als 65’000 Elefanten verloren – mehr als jedes andere Land.

Ein Elefantenabschuss “ohne Limit” in Simbabwe ist für 23’000 Dollar zu haben (samt 14 Tagen Aufenthalt), in Mosambik muss man dafür 43’000 Dollar berappen, in Tansania 35’000 Dollar.

Insider sehen aktuell keine allzu grossen Hürden für die leidige Jagd nach grossen und exotischen Tieren, aber offenbar auch keine Imageprobleme. Im Gegenteil: Wer es sich leisten kann, solche Beträge für einen attraktiven Abschuss auf den Tisch zu legen, geniesst im Jägersumpf Achtung und Anerkennung – egal, wie simpel der Abschuss letztendlich war. Die teils mächtigen Trophäen beeindrucken. Wie sollte denn auch ein Nilpferd oder ein Elefant vor dem Gewehr davonlaufen können? Die Hobby-Jäger können sich aus sicherer Distanz bequem auf die Lauer legen. Den Rest besorgt der Jagdprofi.

Die militanten Hobby-Jäger gehen sogar so weit, dass sie die Trophäenjagd als Beitrag zum Artenschutz und Entwicklungshilfe hochloben. Die Jagd mit all den Tierquälereien als Mittel der Arterhaltung ist eine Bankrotterklärung für perverses Gedankengut.

In der Realität ist es so, dass immer mehr Hobby-Jäger für den schnellen Kill nach Afrika fahren. Es gibt eine Menge anderer Dinge, die man tun kann, um Tiere zu schützen. Bei einer genaueren Analyse sieht es meistens so aus, dass in Afrika von dem Millionengeschäft vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter profitieren, die Bevölkerung vor Ort erhält laut einer aktuellen Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) bestenfalls einen „Hungerlohn“. Sie hat berechnet, dass die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,2 € pro Person aus dem Jagdtourismus verdient, sofern sie überhaupt beteiligt wird. Häufig finden Jagden ohnehin auf privatem Farmland statt – hier profitiert weder die Staatskasse noch die arme Bevölkerung, die lediglich als Feigenblatt missbraucht wird, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen.

Trophäenjagd
Die Säbelantilope gehört zu den „ausgestorbenen” (Extinct in the Wild) Arten auf unserem Planeten.

Laut IUCN sind die Tiere in freier Wildbahn ausgestorben. Sie waren einst in der Sahara beheimatet. Durch unkontrollierte Jagd, die zuletzt von Autos und Flugzeugen aus erfolgte, wurde die Säbelantilope in der Wildnis vollkommen vernichtet. Da ihr Habitat ihnen keine Möglichkeit zum Aufsuchen von Verstecken bot, verlief der Prozess rasant. Paradoxerweise ist die in der Wildnis nicht mehr vorkommende Säbelantilope die zweithäufigste in Zoos gehaltene Antilope; nur die Hirschziegenantilope ist noch häufiger vertreten.

Auch das Argument Arbeitsplätze zieht nicht

15’000 Teilzeit-Arbeitsplätze soll die Jagd in den acht wichtigsten afrikanischen Jagdländern schaffen – bei einer Gesamtbevölkerung von 140 Mio. Menschen. Zum Staatshaushalt trägt sie lächerliche 0,006 Prozent bei. Der Fototourismus hingegen erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft ein Vielfaches an Arbeitsplätzen. Nicht umsonst hat sich Kenia komplett gegen die Jagd und für den Fototourismus entschieden: Kenia verdient jährlich 1 Mrd. US-$ am Fototourismus – 30 Mio. US-$ wären es durch die Trophäenjagd, laut prowildlife.de.

Trophäenjäger zerstören die Kultur und Tradition der indigenen Völker. Nicht selten werden ganze Stämme von ihrem Land vertrieben, um deren Heimat für die makaberen Jagden der ausländischen Trophäenjäger zu verpachten. Jagd ist ein negatives Vorbild. Der grösste Teil der Touristen möchte eine intakte Tierwelt sehen, davon profitiert auch die Bevölkerung langfristig.

Nicht alles, was legal ist, ist auch ethisch richtig

Jagd fördert die Wilderei, unethisches Verhalten, Schmuggel und Korruption sowie kriminelle Machenschaften. Im gelegentlichen Konflikt mit den Wildtieren ist oft der Mensch die Ursache, der den gemeinsamen Lebensraum für die Wildtiere behindert. In vielen Naturschutzgebieten in Afrika, darf auf Grosswildjagd gegangen werden. Man darf Löwen und auch Elefanten schiessen. Eine aktuelle Studie der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina bringt Alarmierendes zutage.

Die afrikanische Löwenpopulation ist in den vergangenen 50 Jahren von fast 100’000 auf 35’000 Tiere gesunken. In 25 Ländern Afrikas soll es schon keine Löwen mehr geben und in 10 weiteren Ländern sind sie kurz vor dem Aussterben. Der König der Tiere könnte damit bald als gefährdete Art gelten. Schuld daran ist neben der voranschreitenden Zerstörung des Lebensraums die Trophäenjagd auf Afrikas grösste Raubkatzen. Das Reiseziel Südafrika boomt. Nicht nur für Naturliebhaber, auch für Jäger ist es ein Paradies. Abertausende Jagdtouristen aus Europa und den USA reisen jedes Jahr in die Region. Statt Fotos bringen sie ein Löwenfell oder einen Wildtierkopf als Souvenir mit nach Hause. Und die Nachfrage nach Löwen-Trophäen steigt stetig an, je mehr man für die Trophäenjagd Werbung macht. Schiesst man den falschen Löwen, tötet man damit vielleicht 7 weitere Löwen, denn ein Männchen könnte für eine Gruppe von Löwinnen und Babys verantwortlich sein. Verschwindet der Beschützer, kommen neue Männchen in das Revier und töten die Jungtiere und manchmal sogar die Weibchen: Schiesse einen, töte 8.

Von 1999 bis 2009 wurden in Zimbabwe 800 Löwen von Jägern getötet, die eine Genehmigung hatten. Wissenschaftler aus Oxford schätzen die Zahl der illegal gejagten Löwen im gleichen Zeitraum auf ebenso viele. Mit 100 Lizenzen genehmigt Zimbabwe zurzeit die zweithöchsten Abschussquoten für Löwen in ganz Afrika (nach Tansania). Dabei wissen die Zimbabwer (und Tansanier) nicht einmal genau, wie viele frei lebende Löwen ihr Land noch beherbergt. Die Zahlen schwanken zwischen 500 und 1680.

Da sich die Nachfrage nicht nur mit wildlebenden Tieren decken lässt, blüht der Handel mit Zuchtlöwen in Südafrika. Geschätzte 5’000 Löwen leben in rund 160 südafrikanischen Zuchtfarmen, und ihr Leidensweg beginnt bereits kurz nach der Geburt. Drei Tage nach der Geburt trennen sie die Züchter von der Mutter, ziehen sie per Hand auf und vermieten die Jungtiere dann als Touristenattraktion. Sind sie dem Streichelalter entwachsen, werden sie in Zuchtprogramme aufgenommen und kommen auf die Abschussliste. Sie werden in enge Gehege gepfercht und über das Internet betuchten Trophäenjägern aus der ganzen Welt zum Abschuss angeboten. Die Löwen werden für den Abschuss in ein umzäuntes Revier gebracht. Viele zeigen keine Scheu vor Menschen und laufen den Trophäenjägern förmlich vor die Flinte. Manche werden ausserdem mit Medikamenten ruhiggestellt und mit Ködern angelockt, damit sich die Trophäenjäger bisher nicht einmal anstrengen müssen, um sie zu töten.

Auf Löwenjagd kann in Südafrika jeder gehen – ein Jagdschein oder nachgewiesene Jagderfahrung sind nicht nötig. VIER PFOTEN hat mehrfach getestet, wie leicht man getarnt als Jagdtourist über das Internet einen Löwen zum Töten bestellen kann. „Uns wurden von etlichen südafrikanischen Züchtern Löwen zum Abschuss angeboten“, erklärt Thomas Pietsch. „Es genügten einige wenige Anfragen per E-Mail, und schon hatten wir zahlreiche Löwen zur Auswahl. Männliche Löwen kosten je nach Alter, Grösse und körperlichen Merkmalen wie der Mähnenfärbung von 10’000 bis 25’000 Euro oder mehr, Weibchen sind schon für 3’000 Euro zu haben.“

Trophäenjagd ist Dekadenz in Reinkultur im Repertoire einer blutrünstigen und militanten Sekte, deren Anhänger hauptsächlich Hobby-Jäger sind.

IG Wild beim Wild

Das Töten von Tieren durch Trophäenjäger ist unethisch und widerspricht dem Tierschutzgesetz. Nur aus Spass am Töten reduzieren Jäger die Populationen von Wildtieren in der ganzen Welt. Die Beschaffung einer Jagdtrophäe und die Befriedigung des Jagdtriebs stellen keinen vernünftigen Grund für die Tötung eines Tieres dar.

Korruption und Betrug gehen Hand in Hand mit der Trophäenjagd

In Sambia entliess Tourismusministerin Sylvia Masebo in jüngster Vergangenheit den Leiter der staatlichen Wildschutzbehörde und weitere Führungskräfte wegen massiver Korruption bei der Vergabe von Konzessionen für Jagdgebiete. Sie erklärte, die Einnahmen aus der Trophäenjagd seien viel zu gering, verglichen mit dem Ausmass der Zerstörung, das Korruption und das rücksichtslose Töten von Wildtieren anrichteten. Im Lauf der letzten Jahrzehnte hätten weder die sambische Regierung noch die Bevölkerung vor Ort von der kommerziellen Jagd profitiert, da diese von Ausländern und Sambiern ausländischen Ursprungs dominiert würde. Die Jagd auf Grosskatzen soll in Sambia ganz ausgesetzt werden, weil die Bestände dramatisch zurückgegangen sind.

Botswana und Sambia setzen auf Fototourismus statt Trophäenjagd

Der Präsident von Botswana erklärte Ende 2012, die Regierung werde die Trophäenjagd ab 2014 ganz verbieten, weil diese nicht mit dem Artenschutz zu verbinden sei und zudem die lokale Tourismusindustrie gefährde. Den Jagdeinnahmen von 20 Millionen Dollar standen 2013 Einnahmen aus Fotosafaris in Höhe von 350 Millionen Dollar entgegen. In Botswana stirbt kein Löwe, weil ein Jäger sein Ego befriedigen muss. Aussterben müssen die Grosskatzen dort dennoch nicht. Das macht das Land zum Problem für die Jägerslobby. Als Anlass für die Jagdverbote nannten die Regierungen beider Länder, dass die Bestände vieler bejagter Arten rückläufig seien und sie zukünftig auf naturverträglichen Fototourismus setzen wollen. In Botswanas Okavango-Delta schafft der Fototourismus bereits 39-mal mehr Jobs als die Jagd. Der Fototourismus erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft eine Vielzahl an Arbeitsplätzen für die Menschen vor Ort. Die Behauptung, die Trophäenjagd diene dem Artenschutz und der Entwicklungshilfe, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen schnell als heuchlerische Propaganda der Jäger.

Wenn man die Trophäenjagd toleriert, fördert man nachhaltig Gewalt und makabere Jägerkultur. Die Trophäenjäger zerstören Sozialstrukturen der Wildtiere und den gesunden Genpool.

1992 wurde bei der Rio-Vereinbarung, welche 189 Länder unterschrieben, klar festgehalten, dass die Jagd auf geschützte Tiere nicht gefördert werden soll. Die Trophäenjagd hat keinen positiven Effekt auf die Nachhaltigkeit oder Biodiversität. Vielmehr sei der Ökotourismus zu fördern, an dem die lokale Bevölkerung 15-mal mehr Geld verdient, als mit den dekadenten und militanten Trophäenjägern. Ökotourismus erhöht Arbeitsplätze, Lebensspanne von Bevölkerung und der Tierwelt.

Keine Wildtiergruppe hat einen miserableren ökologischen Footprint, als die Hobby-Jäger. Hobby-Jäger bringen auf allen Kontinenten Zerstörung in die Natur und produzieren ein Ungleichgewicht der Arten. Man schätzt, dass zehntausende Hobby-Jäger aus dem deutschsprachigen Raum einmal im Jahr eine derartige Jagdreise buchen. Die Trophäenjagd hat eine ganz klare sexuelle Konnotation, da auch Geschlechtsteile als Trophäen gesammelt werden.

Albert Schweitzer, der lange in Afrika lebte, würde sich für die Trophäenjäger schämen, denen die Ehrfurcht vor dem Leben und der Respekt vor der Natur fehlen.

Giraffen sind auf der ganzen Welt für ihre skurrile Erscheinung und sanfte Natur beliebt.

Aber die unzähligen schockierenden Videos und Bilder der Jägerschaft zeigen, wie Hobby-Jäger Reisen nach Afrika und anderen Kontinenten unternehmen, um Wildtiere zum Spass zu erschiessen. Am liebsten die Bullen, weil sie die Grössten sind. Solche Jagdsafaris dauern jeweils 3–5 Tage. Die Touristen werden unter anderem mit .458-Winchester-Magnum-Gewehren bewaffnet und bezahlen nicht selten hohe fünfstellige Summen für ein All-inklusive-Paket, zum Teil mit Abschussgarantie! Dabei geht es nur ums Töten for fun!

Die neuesten Statistiken zeigen zum Beispiel, dass sich die Anzahl der Giraffen seit 1988 von über 140’000 fast halbiert hat, auf weniger als 80’000 Exemplare. Es wird angenommen, dass die Giraffen in Angola, Mali und Nigeria ausgestorben seien. In Südafrika, Zimbabwe und Namibia ist es noch legal, Giraffen zu jagen.

Hobby-Jäger haben offensichtlich grossen Spass daran, anderen Lebewesen Leid zuzufügen und die Natur zu stören. Von der Uno wird angenommen, dass ein hoher Prozentsatz aller ausgestorbenen Tierarten durch Mithilfe der morbiden Hobby-Jäger ausgestorben ist. Hobby-Jäger tragen nachweislich zur Minderung der Biodiversität bei.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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