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Trophäenjagd: Was steckt hinter dem Töten als Statussymbol?

Steinbock-Trophäen, Auslandsjagd und die Rolle der Schweiz im globalen Trophäenmarkt.

Redaktion Wild beim Wild — 8. April 2026

Bei der Trophäenjagd steht nicht die Nahrungsgewinnung im Vordergrund, sondern das Töten eines Tieres um seiner körperlichen Merkmale willen: Hörner, Geweih, Fell, Schädel.

In der Schweiz werden Steinböcke, Hirsche und andere Tierarten als Trophäen geschossen; international boomt eine ganze Industrie mit Jagdreisen in die ganze Welt. Die Trophäenjagd ist die konzentrierteste Ausdrucksform des Tötens als Freizeitvergnügen.

Was ist eine Trophäe?

Im jagdlichen Sprachgebrauch bezeichnet «Trophäe» ein Körperteil des erlegten Tieres, das als Erinnerungsstück behalten wird: Geweih, Gehörn, Schädel, Fell, Stosszähne. Je imposanter die Trophäe, desto höher gilt das Prestige des Schusses. Dieser Logik folgt die Trophäenjagd weltweit: Ziel ist nicht das durchschnittliche Tier, sondern das grösste, das stärkste, das auffälligste.

Das Dossier Trophäenjagd analysiert, was diese Praxis über die Motive der Hobby-Jagd aussagt und welche ökologischen Konsequenzen sie hat.

Trophäenjagd in der Schweiz: Steinbock und Hirsch

In der Schweiz ist die Trophäenjagd nicht verboten, sondern institutionalisiert. Steinböcke werden im Rahmen von Sonderbewilligungen gezielt an Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger vergeben, die bereit sind, erhebliche Summen zu zahlen. Das Geweih des erlegten Tieres ist das Ziel, nicht das Fleisch. Beim Rothirsch ist die Situation ähnlich: Starke Hirsche mit imposantem Geweih sind begehrte Objekte, während die Abschusspläne offiziell ökologisch begründet werden.

Der Steinbock in der Schweiz dokumentiert diesen Widerspruch exemplarisch: Die Art wurde im 19. Jahrhundert ausgerottet, aufwendig wiederangesiedelt und ist heute erneut als Trophäenwild freigegeben.

Internationale Trophäenjagd: eine globale Industrie

Die internationale Trophäenjagd ist ein Millionenmarkt. Wohlhabende Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger aus Europa und Nordamerika bezahlen Tausende bis Hunderttausende Franken für Jagdreisen nach Afrika, Asien und in die Arktis. Auf dem Programm stehen Löwen, Elefanten, Nashörner, Eisbären, Leoparden, viele davon gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Das Dossier Hobby-Jagdtourismus beleuchtet diese Industrie: Jagdmessen, Reiseveranstalter, Outfitter, ein globales Netz von Akteuren, das auf das Töten von Wildtieren als Dienstleistung spezialisiert ist.

Das Argument der Entwicklungshilfe

Ein wiederkehrendes Argument der Trophäenjagd-Lobby lautet, die Einnahmen kämen lokalen Gemeinschaften in ärmeren Ländern zugute. Die wissenschaftliche Überprüfung dieses Arguments zeigt: Der Anteil der Trophäenjagdeinnahmen, der tatsächlich lokalen Gemeinden zugute kommt, ist gering. Grossteile verbleiben bei internationalen Outfittern und staatlichen Behörden. Für den Wildtierschutz ist der Photosafari-Tourismus in der Regel deutlich vorteilhafter.

Erlegerbilder: die Ästhetik des Tötens

Fotoaufnahmen des Hobby-Jägers mit dem erlegten Tier, sogenannte «Erlegerbilder», sind fester Bestandteil der Trophäenjagdkultur. Sie werden in sozialen Medien geteilt, in Jagdzeitschriften veröffentlicht und auf Jagdmessen ausgestellt. Wenn diese Bilder in eine breitere Öffentlichkeit gelangen, lösen sie regelmässig Empörung aus, ein Zeichen dafür, dass gesellschaftliche Mehrheiten die Wertelogik der Trophäenjagd nicht teilen.

Das Dossier Erlegerbilder analysiert, was diese Bilder kommunizieren und welche Doppelmoral sie sichtbar machen.

CITES und der internationale Trophäenhandel

Der internationale Transport von Jagdtrophäen ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) reguliert. Dennoch werden Trophäen von gefährdeten Arten nach wie vor legal transportiert, weil CITES-Ausnahmen für Jagdtrophäen existieren und weil Kontrollmechanismen lückenhaft sind. Die Schweiz als CITES-Unterzeichnerstaat ist gleichzeitig Heimat von Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jägern, die regelmässig im Ausland auf Trophäenjagd gehen.

Das Dossier Hobby-Jagdtourismus dokumentiert, wie diese Rechtslage in der Praxis ausgenutzt wird.

Trophäenjagd als sozialer Aufstieg

Trophäenjagd ist eng mit Statusdenken verknüpft. Die teuerste Jagdreise, die grösste Trophäe, der exklusivste Abschuss: Diese Logik folgt derselben Statusdynamik wie Luxusgüter. Das Dossier Die Hobby-Jagd als Event analysiert, wie Hobby-Jagd als Statussymbol und soziales Ereignis inszeniert wird.

Ökologische Selektivität und ihre Folgen

Die gezielte Entnahme der stärksten und auffälligsten Individuen, also derjenigen mit dem grössten Geweih oder den längsten Hörnern, hat ökologische Konsequenzen: Sie entnimmt aus der Population genau jene Tiere, die genetisch und sozial besonders bedeutsam sind. Langfristig kann dies zu einer Selektion auf kleinere, weniger auffällige Individuen führen, was genetische Verarmung bedeutet.

Fazit

Trophäenjagd ist die reinste Form der Hobby-Jagd als Freizeitvergnügen: ohne Nahrungsmittelinteresse, ohne ökologische Notwendigkeit, primär motiviert durch Status, Ego und eine Kultur des Tötens als Leistungsausweis. In der Schweiz ist sie rechtlich möglich und sozial in Teilen des Jagdmilieus akzeptiert, in der breiten Gesellschaft stösst sie dagegen auf zunehmende Ablehnung. Diese gesellschaftliche Diskrepanz macht die Trophäenjagd zum Symbol einer überholten Logik.

Quellen

  • CITES (Washingtoner Artenschutzübereinkommen): Trophäen-Ausnahmen
  • JSG (SR 922.0): Steinbock-Sonderbewilligungen
  • IUCN: Studien zur Trophäenjagd und Artenschutz

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