Schweine soll es besser gehen
Bis Ende dieses Monats müssen sich Schweizer Schweinehalter entschieden haben: Entweder führen sie den Betrieb nach den neuen Tierschutznormen fort oder sie geben auf.

Bis Ende dieses Monats müssen sich Schweizer Schweinehalter entschieden haben: Entweder führen sie den Betrieb nach den neuen Tierschutznormen fort oder sie geben auf.
Im Jahr 2008 verabschiedete das Parlament eine Revision des Tierschutzgesetzes, die unter anderem den Schweine-, Ziegen- und Schafhaltern zehn Jahre Zeit gab, um sich an die neuen, verschärften Vorschriften anzupassen.
Vollroste sind verboten
Die Betreiber von Schweineställen müssen insbesondere die Böden in ihren Anlagen überarbeiten. Denn ab dem 1. September sind Vollroste verboten. Die Löcher im Boden für den Abfluss der Exkremente müssen auf zwischen zwei und fünf Prozent der Gesamtfläche reduziert werden. Ausserdem muss die Fläche pro Tier um ein Drittel erhöht werden, von 0,6 Quadratmetern auf 0,9 für ein erwachsenes Mastschwein mit einem Gewicht zwischen 80 und 110 Kilogramm.
Diese Anpassungen kommen die Schweinehalter teuer zu stehen. Für einen einzelnen Landwirt können sich die Investitionen auf mehrere hunderttausend Franken bis zu einer Million Franken belaufen.
Ein Drittel der Betriebe muss sich anpassen
Die Situation im Kanton Freiburg verdeutlicht die zögerliche Haltung in der Schweinemast. Im vergangenen Jahr kontrollierte das Veterinäramt im Kanton die 250 Betriebe mit jeweils mehr als 30 Schweinen. 54 Prozent entsprachen damals der neuen Norm.
Von den rund 6’000 Schweinebetrieben in der Schweiz ist rund ein Fünftel direkt von den neuen Vorschriften betroffen, vor allem im Mastbereich, schätzt Adrian Schütz, stellvertretender Direktor von Suisseporcs. Daraus ergibt sich ein erwarteter Mangel von rund 60’000 Plätzen für Mastferkel.
Der Verband alarmierte die Branche frühzeitig: So forderte Suisseporcs die Landwirte auf, ab 2017 7’000 Muttersauen zu eliminieren. Dies kommt einem Verzicht von fünf Prozent der Schweineproduktion gleich.
Gesetz des Wettbewerbs
Neben den neuen Vorschriften des Bundes liegt das Hauptproblem im Schweinefleischmarkt, der für die Produzenten immer weniger attraktiv wird. «Zwischen 2013 und diesem Jahr verloren diese mehr als 90’000 Franken an Jahreseinkommen durch den Rückgang des Fleischpreises um rund einen Franken pro Kilogramm», erklärt der Suisseporc-Vizegeschäftsführer.
Die Verbesserung der Produktionsleistung, verbunden mit einem Rückgang des Schweinefleischkonsums in der Schweiz (22 Kilogramm gegenüber 30 Kilogramm pro Einwohner vor 15 Jahren), hat zu einer Überproduktion geführt. Der Schweizer Schweinesektor deckt 97 Prozent des Marktbedarfs ab, während der Bund eher 92 Prozent anstrebt.
Eines ist vorerst sicher: Es wird keine Gnadenfrist für die Betreiber geben, die sich nicht angepasst haben, sagt das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET). «Die zehn Jahre waren mehr als genug, um die kurz vor 2008 errichteten Anlagen in Ordnung zu bringen oder rentabel zu machen», sagt BVET-Sprecherin Nathalie Rochat. Mehr zu Tierrechten.
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