Neue Schiessanlage für Hobby-Jäger in Zürich vor Konkurs
Während rund 60 Jahren befand sich in den Tössauen bei Embrach im Kanton Zürich in einem bundesrechtlich geschützten Naturschutzgebiet eine Jagdschiessanlage für Hobby-Jäger.
Das Gelände war übersät mit Überresten von Wurfscheiben und Munition.
Im Boden lagerten sich verschiedene Schadstoffe ab. Der Boden wurde zwischen 20 und 80 Zentimeter tief abgetragen. Das schadstoffhaltige Material wurde in Bodenwasch- und -aufbereitungsanlagen in der Region behandelt, sortiert, wo möglich zu Recyclingbaustoffen verwertet und andernfalls in Spezialöfen verbrannt oder in Deponien sicher entsorgt. Rund 320 Tonnen Blei und rund 10 Tonnen PAK wurden so aus der Natur entfernt. Um die Auswirkungen der Bauarbeiten auf die wertvolle Flora und Fauna zu verringern, wurde die Sanierung zwischen 2021 und 2025 in zwei Etappen durchgeführt. Die Kosten für den Steuerzahler betragen rund 19 Millionen Franken.
Erst vor zwei Jahren im Sommer 2023 wurde nach grossem Protest von Naturschützern wegen der unhaltbaren Zustände in Embrach in Bülach eine der grössten und modernsten Schiessanlagen in Europa für 30 Millionen Franken mit Steuergeldern eröffnet. Nur: Ihr fehlen die Schützen – nun droht nach der katastrophalen Fehlplanung und Einschätzungen der Hobby-Jäger schon der Konkurs. Der Kanton muss jetzt der privaten Aktiengesellschaft mit 3,5 Millionen Franken Steuergeldern helfen, wie der Tagesanzeiger schreibt.
Nach der Schliessung der Jagdschiessanlage in Embrach ist sie der einzige Ort, an dem Hobby-Jäger aus dem ganzen Kanton Zürich den obligatorischen Treffsicherheitsnachweis für die Jagd erbringen können.
Seit 2015 muss jeder Hobby-Jäger in der Schweiz periodisch zum Schiesstest antreten, bevor er auf die Hobby-Jagd gehen kann.
Der Hobby-Jäger gibt insgesamt acht Schüsse ab, je vier mit Schrot sowie vier mit Kugeln. Letztere werden aus einer Distanz von 100 Metern auf eine Zehner-Scheibe geschossen. Als Treffer gelten Achter, Neuner und Zehner. Mit der Flinte schiesst der Hobby-Jäger aus 30 Metern auf ein bewegliches Ziel, etwa eine Tontaube. Mit sämtlichen acht Schüssen hat der Schütze einen Treffer zu verzeichnen. Ansonsten gilt die Prüfung als nicht bestanden. Allerdings stehen dem Hobby-Jäger beliebig viele Versuche offen. Will heissen: Wohl auch der Unbegabteste oder Blinde wird irgendeinmal genügend Treffer vorweisen können.
Punkto Treffsicherheit gibt es aufgrund der Zahlen der Jagdunfälle und Nachsuchen keine grossen Veränderungen seit der Einführung des periodischen Schiesstests.
Ein Konkurs der Jagdschiessanlage in Bülach würde bedeuten, dass die Hobby-Jäger nicht mehr dort trainieren könnten. Laut einem kürzlich veröffentlichten Regierungsratsbeschluss droht genau das.
Keine 50 Kilometer entfernt im Nachbarkanton sollen nach langen Diskussionen die Thurgauer Hobby-Jäger 2029 ebenfalls eine neue Jagdschiessanlage erhalten. Das geplante Schiessausbildungszentrum Heckemos in Müllheim soll ihnen neue und bessere Möglichkeiten als bisher bieten.
Die Hobby-Jagd schützt und nützt gar nichts. Weder den Wildtieren, der Biodiversität noch dem Steuerzahler. Darauf hat die IG Wild beim Wild schon vor Jahren hingewiesen.
Insbesondere bei der Hobby-Jagd ist es überaus elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Die Hobby-Jagd, nicht nur im Kanton Zürich, ist seit Jahrzehnten nichts anderes als eine permanent kostenintensive Baustelle und Streitpunkt für die Politik, Forst, Landwirtschaft, Verwaltungen, Justiz, Krankenkassen, Versicherungen, Tierschutzorganisationen, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Polizei, Bund, Medien usw. So viele Wildhüter braucht der Kanton Zürich gar nicht, um die Schäden und Kosten mit der Abschaffung der Hobby-Jäger locker kompensieren zu können.
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