Hobby-Jagd in Italien: Saison 2025/26 bedroht Tierwelt
Am Sonntag, dem 21. September 2025, eine Stunde vor Sonnenaufgang, fällt in Italien der Startschuss für die Jagdsaison 2025/26. Doch statt eines regulierten Naturmanagements deutet vieles darauf hin, dass der Auftakt erneut vor allem der Macht gut organisierter Lobbys dient – und auf Kosten von Wildtieren, Artenvielfalt und europäischem Naturschutzrecht geht.

Ligurien, Lombardei, Kampanien und die Provinz Trient haben auch in diesem Jahr teils umstrittene Sonderregelungen für Hobby-Jäger erlassen: In Oktober und November sollen Finken und Stare bejagt werden dürfen – Arten, die eigentlich durch die EU-Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG geschützt sind.
Die Kommission und Umweltverbände bereiten bereits juristische Schritte vor. Bereits im Juni hatte die Konferenz der Regionen landesweit 581’000 Finken für die Freizeitjagd freigegeben – eine Entscheidung, die Kritiker als offene Missachtung früherer Urteile des Europäischen Gerichtshofs werten.
Jagd in Gebirgspässen wieder möglich
Besonders umstritten ist das am 12. September verabschiedete Gesetz zur «Förderung von Berggebieten». Es lockert das bislang geltende Jagdverbot in einem Umkreis von 1’000 Metern um Gebirgspässe – Zonen, die traditionell wichtige Korridore für Zugvögel sind. Statt eines umfassenden Schutzes gilt nun nur noch ein fünftägiges Jagdverbot pro Woche im Januar. Zugleich definiert das Parlament «Gebirgspässe» neu, sodass künftig auch tiefere Lagen bejagt werden können. Naturschützer warnen vor einer massiven Ausweitung von Jagdstationen und einer erhöhten Gefahr für Zugvögel von europäischem und internationalem Interesse.
Geschwächter Vollzug
Während regionale Verwaltungsgerichte in Venetien und Marken Teile ihrer Jagdkalender auf Druck von Umweltverbänden gestoppt haben, bleiben die staatlichen Kontrollinstanzen personell ausgedünnt. Seit dem «Madia-Dekret» von 2015 sind die Jagdpatrouillen drastisch reduziert, Personal wurde nie nachbesetzt. Illegale Jagd und Verstösse lassen sich so nur schwer verfolgen.
Die politische Mehrheit im römischen Parlament arbeitet derweil an einer weiteren Aufweichung des Rahmengesetzes zur Jagd. Der aktuelle Gesetzentwurf Nr. 1552 sieht vor,
- die Nutzung lebender Lockvögel zu erleichtern,
- den Anteil der Naturparks zu reduzieren,
- Nachtsichtgeräte zu erlauben (bisher verboten durch die Berner Konvention),
- staatliche Wälder für die Jagd zu öffnen und
- die bisherige Pflicht zur Wahl einer exklusiven Jagdform abzuschaffen.
Umweltschützer sprechen von einem «Freifahrtschein für Jagdtourismus», der das Jagdnomadentum fördere und Wildtiere in ganz Italien unter Druck setze.
Zwischen Lobbyinteressen und Naturerbe
Mit 450’000 registrierten Hobby-Jägern ist Italien eines der jagdintensivsten Länder Europas. Kritiker sehen im aktuellen Trend keine nachhaltige Wildbewirtschaftung, sondern eine zunehmend industrielle, konsumorientierte Nutzung der Natur. «Die Jagd entwickelt sich zu einem Fremdkörper im ländlichen Raum», warnt eine Sprecherin des WWF Italien. «Was als Tradition verteidigt wird, ist oft nur noch ein anachronistischer Zeitvertreib mit gravierenden Folgen für unsere Ökosysteme, schreibt LAC in einer Pressemitteilung.
Der Herbst 2025 könnte somit zum Prüfstein für Italiens Naturschutz werden – und für die Frage, ob europäische Rechtsnormen in Zeiten starker Lobbyinteressen tatsächlich Bestand haben.
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