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Wildtiere

Indien: Affenplage beschäftigt Politik

Affen im Haus, Affen in der Klinik. Affen im Gerichtssaal. Affen überall. In Indien gerät eine Affenplage zunehmend aus dem Ruder. Sogar am höchsten Gericht in der Hauptstadt Neu Delhi schlagen die Juristen die Hände über dem Kopf zusammen: „Bis ihr einen Plan habt, werden die Affen die Kontrolle in Delhi übernommen haben“, kritisierten die

Redaktion Wild beim Wild — 12. August 2018

Affen im Haus, Affen in der Klinik. Affen im Gerichtssaal. Affen überall. In Indien gerät eine Affenplage zunehmend aus dem Ruder. Sogar am höchsten Gericht in der Hauptstadt Neu Delhi schlagen die Juristen die Hände über dem Kopf zusammen: «Bis ihr einen Plan habt, werden die Affen die Kontrolle in Delhi übernommen haben», kritisierten die Richter kürzlich die Behörden.

Ein Polizist im Tis Hazari-Gerichtsgebäude erzählt, er traue sich nicht mehr die Treppe hoch, seit mehrere der allgegenwärtigen Rhesusaffen – eine Makakenart – sich dort breit gemacht haben. «Sie verbreiten Angst und Schrecken unter den Anwälten und Richtern. Es ist absolutes Chaos.»

Einige Bewohner Neu Delhis versuchten, Feuer mit Feuer zu bekämpfen und hielten Langurenaffen, um die Makaken zu vertreiben. Weil die Haltung dieser Affen in Gefangenschaft verboten wurde, müssen nun aber die Spezialisten ran: professionelle Affenschreier ahmen die schrillen Schreie der Languren nach, um die Rhesusaffen zu vergraulen.

Rasend schnelle Vermehrung

Strassenaffe in Neu Delhi
Ein Affe sitzt auf einem Auto und isst eine Orange, die er von einem Strassenhändler in Neu Delhi stibitzt hat.

Ravi Kumar, der selbst ernannte Affenmann von Delhi, ist einer von ihnen. Er erklärt seine gewaltfreie – und religionskonforme – Lösung für das Affenproblem folgendermassen: «Wir schlagen oder fangen sie nicht gerne, sie sind schliesslich die Armee des Gottes Hanuman.» Viele Hindus verehren diesen Affengott. Affen gelten als seine Nachkommen und werden von vielen gut behandelt und gefüttert.

Mehr als 20’000 Rhesusaffen wurden in ein Schutzgebiet am Stadtrand umgesiedelt. Doch das hilft wenig. Die Makaken stiften auch in ihrer neuen Umgebung Chaos. Das Schutzgebiet ist überfüllt, und die dort gut versorgten Affen vermehren sich rasend schnell. Sie stehlen Essen, brechen in Häuser ein und verwüsten Geschäfte.

Tiere aus Lebensräumen gedrängt

Die aggressiven Affen sind nur ein Aspekt des wachsenden Konflikts zwischen Mensch und Natur in Indien. Rasches Bevölkerungswachstum im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land und die industrielle Entwicklung drängen die Tiere aus ihren angestammten Lebensräumen: Berichte von Tigern oder Leoparden, die in Dörfern Tiere reissen, sind nicht aussergewöhnlich. Elefanten zertrampeln Ernten, Schlangen machen es sich im Badezimmer gemütlich.

Wildtiere und der Schutz der Wälder seien im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung hintangestellt worden, sagt Arinita Sandilya von der Umweltschutzorganisation Wildlife SOS. Diese Entwicklung hat einen hohen Preis: Elefanten und Tiger töten laut Mayukh Chatterjee vom Wildlife Trust of India jedes Jahr etwa 500 Menschen. Durch Schlangen sterben jährlich rund 55’000 Menschen.

Menschen sind selbst schuld

Gleichzeitig werden jedes Jahr etwa hundert Elefanten getötet. Sie werden vom Zug überfahren oder sterben in Elektrozäunen. Lynchmobs töten Dutzende Leoparden. Die Grosskatzen haben notgedrungen Zuckerrohrplantagen zum neuen Lebensraum erkoren. Von wilden Schweinen bis zu Nagetieren, überall scheinen Mensch und Tier aneinander zu geraten.

«Wir sollten die Wälder wiederherstellen, damit die Tiere genug zum Fressen und Platz zum Leben haben», sagt auch Veterinär Suresh Chandra. «Die Lösung liegt darin, unser Handeln zu kontrollieren. Wir Menschen sind schuld.»

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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