Homo Exanimalis – Schädlinge im Wald!
Jeder, der schon einmal einen ausgiebigen Spaziergang durch einen unserer wunderschönen Wälder gemacht hat, ist auch sicher schon einem dieser ganz besonderen Schädlinge begegnet.
Der Homo Exanimalis, von dem hier die Sprache ist, wird im Volksmund Jäger genannt. Die korrekte Bezeichnung des Schädlings ist allerdings Lustmörder oder auch Lusttöter. Damit Sie oder Ihr Hund im Wald nicht zufällig Opfer eines solchen Schädlings werden, hier einige Erläuterungen zum besseren Verständnis.
Habitus:
Die Weibchen unter den Lustmördern werden Sie nur selten antreffen. Die Weibchen sind sehr scheu und gehen nur selten auf die Jagd. Männchen dagegen treffen Sie fast immer im Wald an. Zunächst einmal sollten Sie Ausschau nach grossen, umwelt-unfreundlichen Geländewagen halten. Das sind die Lieblingsgefährte der Schädlinge, mit denen sie auf Teufel komm raus durch den Wald pflügen. Die Männchen tragen gerne grüne, wetterbeständige Sachen und meist eine auffällige, oft lächerliche Kopfbedeckung in Form eines tuntig beschmückten Hutes. Die Männchen Behängen sich auch gerne mit grossen Männlichkeitssymbolen. Fern- und Nachtsichtgläser sind bei den Lusttötern beliebter Halsschmuck. Der gemeine Lustmörder trägt auch immer ein grosses Gewehr. Es wurde mehrfach berichtet, dass es hier zu einer gewissen Objekterotik kommt. Eine solche Objektion wird erst verständlich, wenn man begreift, dass der Lusttöter Lebewesen gegenüber absolut empfindungslos und verzweifelt auf der Suche nach Gefühlen ist. Übrigens, Gerüchte, dass die Grösse des Gewehrs sich disproportioniert zur Grösse des Geschlechtsteils verhält, sind Nonsens. So gross kann kein Gewehr sein … in der Öffentlichkeit, ausserhalb ihres Waldes, erkennt man sie schwerlich, da sie es geschickt verstehen, sich zu tarnen. Allerdings müffeln sie mitunter nach Blut und Aas, sodass dies für den aufmerksamen Beobachter ein kleiner Hinweis sein kann. Die Alkoholiker-Rate unter den Lusttötern ist verhältnismässig hoch, sodass eine strenge Alkoholfahne ein weiterer nützlicher Indikator zur Erkennung eines Waldschädlings dienen kann.
Lebensraum:
Die Lustmörder bauen gerne kuschelige Hochsitze, von denen aus sie ihr feiges Unterfangen, das hinterhältige Abschlachten von wehrlosen Geschöpfen, ganz einfach und ohne Anstrengung ausführen können. Sie schmücken ihre hoch gelegenen Todestürme gerne mit Tarnnetzen. Das sieht nicht nur toll aus, sondern macht es den Lusttötern noch einfacher, feige zu morden. Damit sie ihre Opfer möglichst nah an ihre Präzisionswaffen bekommen, legen sie gerne übermässig viele Köder aus. In der Sprache der Lusttöter nennt man das Kirren. In der Nähe der Todestürme sollten Sie als Spaziergänger sich besser nicht allzu lange aufhalten, da die Lusttöter mitunter Stunden damit verbringen, auf solchen Ansitzen, dumpf vor sich hin brütend, zu sitzen und zu warten, bis sie endlich ihren Blutdurst stillen können. Ihre Notdurft, ihren Müll und ihre bleihaltigen Munitionsabfälle verseuchen die Umgebung rund um die Todestürme. Sitzt der Homo Exanimalis mal nicht in seinem Todesturm, so hat er es sich mit Sicherheit in einer Stadtwohnung heimelig gemacht. An die Wände hängend und in Regalen aufreihend hortet der Lusttöter Leichen – vom Lusttöter liebevoll Trophäen genannt – denn auch im privaten Bereich umgibt sich der obsessive Lustmörder gerne mit den Produkten seiner Schandtaten und ergötzt sich an den gemeuchelten Geschöpfen.
Kommunikation:
Gerne können Sie versuchen, mit dem Lustmörder zu kommunizieren. Auch wenn der Lustmörder im Laufe der Jahrhunderte seine eigene Sprache, die „Waidmannssprache“ entwickelt hat, wird er doch in der Lage sein, Ihre Sprache in Grundzügen zu verstehen. Keinesfalls sollten Sie den Schädling mit kritischen Themen zu seiner Lebens- und Handlungsweise reizen. Das aggressive Lustmördermännchen neigt zügig dazu, seine Frustration durch plötzliche Gewaltausbrüche und/oder Beschimpfungen in derber Fäkalsprache zum Ausdruck zu bringen. Das dürfen Sie dem Schädling aber nicht übel nehmen, denn die oben beschriebenen sprachlichen Defizite machen es dem gereizt grunzenden Lusttöter nicht einfach, mit fundierter Argumentation statt mit Gewalt und Beschimpfungen zu reagieren. Bleiben Sie in einer solchen Situation ruhig und reden Sie langsam. Der zu Grössenwahn neigende Lusttöter denkt, er sei der Herr im Wald und wird versuchen, Sie durch Einschüchterung und manchmal sogar heftigen Drohgebärden aus seinem Lebensraum zu vertreiben. Manchmal kommt es sogar vor, dass er einfach Ihren Hund an der Leine erschiesst, um seinen vermeintlichen territorialen Ansprüchen noch mehr Ausdruck zu verleihen. Wenn Sie hier schnell reden, wird er Sie nicht verstehen. Lassen Sie sich von dem aufbrausenden Schädling nicht beeindrucken und fragen Sie in aller Ruhe nach Jagdschutzabzeichen und der dazugehörigen Bestätigung der örtlichen Jagdbehörde. Kann sich der Lusttöter nicht ausweisen, liegt hier unter Umständen sogar eine Nötigung bzw. Amtsanmassung vor, die Sie zur Anzeige bringen sollten.
Gesundheit:
Mit der Gesundheit der Lusttöter steht es nicht zum Besten. Die meisten dieser wundersamen Geschöpfe leiden unter einem schweren Jagdfieber, das bei akutem Ausbruch offensichtlich sämtliche Hirnsynapsen auszuschalten in der Lage ist. In diesem, dem apallischen Syndrom ähnlichen Zustand, sind die Lusttöter besonders reizbar und gefährlich. Mitunter kommt es sogar vor, dass sie sich im Jagdfieber aufgrund der mangelnden Hirntätigkeit gegenseitig über den Haufen schiessen – Wollust und Leidenschaft machen blind. Manche der besonders stark erkrankten Schädlinge suchen ihr Heil im Ausland. Fern der Heimat versuchen sie, durch den hemmungslosen Abschuss Arten geschützter Tiere von ihrem blutrauschigen Jagdfieber zu genesen. In diesem Stadium sind die Hirnschäden aber schon so weit fortgeschritten, dass dem Homo Exanimalis nicht mehr zu helfen ist. Er wird so lange schiessen und sinnlos morden, bis er sich selbst im Wahn erlöst, einer seiner Artgenossen ihn versehentlich für immer zur Strecke bringt oder er eines natürlichen Todes stirbt.
Soziale Struktur:
Den Lusttöter findet man in allen Bereichen der Gesellschaft. Besonders oft kommt er in der Politik, Justiz und im Managementbereich vor. Diese in sich geschlossene Gesellschaft scheut nicht vor Korruption, Lobbyismus, Gesetzesbruch und Vetternwirtschaft, um das fast unkontrollierte Lusttöten auch weiterhin zu protegieren und auszuüben. Die Lusttöter rotten sich auch gerne in Vereinen zusammen. In solchen Jagdvereinen finden dann archaische Rituale statt, die, ausser dem Lusttöter, niemanden zu belustigen vermögen. Der Schädling ist auch sehr musikalisch. Gerne hört und spielt er Blasmusik. Dieses musikalisch fragwürdige Vergnügen stellt der Lusttöter auch gerne mit vor Stolz geschwellter Brust auf Messen und Veranstaltungen vor, ist es doch das einzig Kreative, was diese Spezies je hervorgebracht hat. Auch beim Jägerstammtisch geniesst der gesellige Lusttöter die Anwesenheit. Zum guten Ton eines solchen Stammtisches gehören natürlich die bekannten geschmacklosen Jägerwitze wie zum Beispiel: „Fährt der Kreisjägermeister am Sonntag durch die Reviere und sieht zwei Jungjäger und den Revierinhaber, die anscheinend eine Katze erlegt haben.» Er raus aus dem Landrover und herrscht die drei an:
So geht es nun nicht!“ Meint der Erste zerknirscht: „Stimmt, ich habe vergessen, dass man am Sonntag eigentlich nicht zur Jagd gehen soll.“ Der Zweite: „Ich habe noch mehr Schuld, ich hätte die Katze nur schiessen dürfen, wenn sie wenigstens 300 Meter vom Haus weg gewesen wäre.“ Sagt der Revierinhaber: „Die grösste Schuld habe ich, denn ich habe vergessen, die Katze verschwinden zu lassen!“ Über solche Witze kann der Lusttöter stundenlang lachen.
Religion:
Auch hier weist der Lusttöter gewisse, wissenschaftlich bisher nicht erforschte, Ungereimtheiten auf. So erhofft er sich zum Beispiel während grossangelegter und feierlich durchgeführter Hubertusmessen den Segen Gottes, wohl wissend, dass besagter Heiliger der Überlieferung nach als junger Edelmann ein leidenschaftlich ausschweifender Jäger war und später in allen Wesen Geschöpfe göttlichen Ursprungs erkannte und sich deshalb hegend und pflegend für sie einsetzte. Der Heilige Hubertus lehnte die Jagd dann auch konsequent ab und lebte fortan ein mordfreies Leben. Aber all dies stört unseren kleinen Lusttöter nicht. Schliesslich gibt es ja sonst keine Gelegenheiten (ausser kräftig ins Horn zu blasen), sich der Gesellschaft positiv zu präsentieren. Also kann man als Lusttöter auch mal ein, zwei Augen zudrücken und einem Heiligen huldigen, der sein Fehlverhalten erkannt und mit der Jagd nichts mehr zu tun haben wollte.
Handel:
Entgegen aller gegenteiligen Behauptungen ist der Lusttöter unter Umständen sogar zum Handel fähig. Am liebsten natürlich mit dem Fleisch seiner im Jagdfieberwahn ermordeten Opfer. Weit verbreitet unter den heimischen Lusttötern ist der Verkauf „unter der Hand“. Was eigentlich die Finanzämter interessieren sollte …
Zukunft:
Die Prognosen für den Homo Exanimalis sehen nicht besonders rosig aus. In Zeiten des Nahrungsüberflusses, der wissenschaftlich fundierten Gegenargumente und dem massiven Widerstand einer angewiderten und aufgeklärten Gesellschaft, sowie dem Druck aus der Riege des Tierschutzes, hat es diese Spezies schwer. Die geschickte Infiltration des Lustmörders, selbst in höchsten Regierungskreisen, macht es leider fast unmöglich, den Waldschädling dauerhaft zu vertreiben. So wird er auch weiterhin sein Unwesen treiben und die Öffentlichkeit mit Lug und Trug täuschen, um nahezu ungehindert wehrlose Geschöpfe abzuschlachten.
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