Hobby-Jäger erschiesst Rehe im Wohngebiet
Ein 50-jähriger Hobby-Jäger im Tessin erschoss zwei Rehe in unmittelbarer Nähe eines Wohngebiets. Anwohnende sind empört über das gefährliche Verhalten.
Schüsse im Wohngebiet von Cavigliano
Zwei Rehe, ein männliches und ein weibliches, erlegt.
Was sich am vergangenen Dienstag in Cavigliano, einem Weiler in der Gemeinde Terre di Pedemonte, ereignete, sorgte für Schlagzeilen. Denn der 50-jährige Hobby-Jäger, der die beiden Huftiere zwischen den Reihen eines Weinbergs erlegte, handelte in einer Weise, die die Bewohner der Landschaft gefährden könnte, schreibt tio.ch.
Laut Zeugenaussagen waren gegen 7 Uhr morgens zwei laute Schüsse in einem Gebiet zu hören, in dem ein Jagdverbot besteht. Die Schüsse kamen offenbar von einer Stelle, die nicht weit von den Häusern entfernt war.
Kugeln können 3 km weit töten
Erschwerend kommt hinzu, dass die verwendete Waffe, ein Karabiner, nach Ansicht von Experten Kugeln verschiesst, die in der Lage sind, auf eine Entfernung von 3 km zu töten und Türen und Fenster zu durchschlagen. Laut dem Art. 45 Jagdgesetz des Kanton Tessin, sind während der Hochjagd nur Schrotflinten erlaubt.
Das Amt für Jagd und Fischerei bestätigt den Vorfall und hat umgehend Ermittlungen aufgenommen. Das unkluge Verhalten des Hobby-Jägers wird mit ziemlicher Sicherheit eine Geldstrafe und den Entzug des Jagdscheins nach sich ziehen.
An Präzedenzfällen mangelt es nicht
An Präzedenzfällen für verirrte Kugeln in der Nähe von Häusern hat es in den letzten Jahren auch im Tessin nicht gemangelt. In Sessa beispielsweise landeten im Dezember 2020 Kugeln eines Hobby-Jägers an der Mauer eines Privatgrundstücks. In Comano hatte im vergangenen Jahr der Abschuss mehrerer entlaufener Wildschweine die Anwohner beunruhigt, eben weil sich die Gewehre in der Nähe von Häusern und öffentlichen Strassen befanden. Die IG Wild beim Wild dokumentiert Jagdunfälle und Kriminalität systematisch.
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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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