EU könnte Hobby-Jagd in Schutzgebieten verbieten
Die EU-Kommission will Hobby-Jagd und Fischerei in Schutzgebieten einschränken. Hobby-Jäger fürchten Verbote auf 10 % der Landfläche.
Die EU-Kommission will Hobby-Jagd und Fischerei mit Bergbau gleichsetzen und auf 10 % der Landfläche verbieten.
Militante Jagdorganisationen in Nordeuropa haben dagegen protestiert.
Biodiversitätsstrategie 2030: Strenge Schutzgebiete
Die Europäische Kommission hatte im Mai 2020 ihre Leitlinien zur Umsetzung einer Biodiversitätsstrategie 2030 vorgestellt. Darin sah sie vor, dass strenge Schutzgebiete 10 % der Landfläche der Europäischen Union (EU) umfassen. Der Plan ist, dort jegliche «extraktive» Tätigkeit zu untersagen. Darunter sollten neben Bergbau auch Hobby-Jagd und Fischerei fallen.
Der Entwurf der Europäischen Kommission besagte, dass streng geschützte Gebiete so geschützt werden sollten, dass die «ungestörten oder natürlichen Prozesse», von denen sie abhängen, erhalten bleiben. «Extraktive Aktivitäten wie Bergbau, Fischerei, Jagd oder Forstwirtschaft sind mit diesem Schutzniveau nicht vereinbar», heisst es in dem Papier.
Ariel Brunner, stellvertretender Direktor der Umweltschutzorganisation BirdLife Europe, sagte: «Zu viele der derzeitigen Schutzgebiete in der EU sind reine Papierparks. Es besteht kein Zweifel daran, dass ein vernünftiger Naturschutz zumindest einige Gebiete mit strengem Schutz erfordert, der auch für die Hobby-Jagd gelten sollte.»
Die aktuellen Richtlinien sind ein Entwurf und könnten sich noch ändern, und egal wie der endgültige Wortlaut lautet, er ist und bleibt nur ein Leitfaden und daher kein Gesetz. Die Europäische Kommission hat nicht die Befugnis – und erhält mit den Leitlinien auch nicht die Befugnis – die Hobby-Jagd in den Mitgliedsstaaten zu verbieten.
Leitliniendokumente können vor Gericht zur Klärung von Definitionen herangezogen werden, sind aber keine rechtsverbindlichen Texte, da sie die Ansichten der Kommissionsdienststellen widerspiegeln.
Hobby-Jägerlobby leistet heftigen Widerstand
Das Leitliniendokument muss bis Ende des Jahres fertiggestellt und sowohl von der Kommission als auch von den EU-Ländern angenommen werden. Die Kommission wird am 18. Februar 2022 auf einer Sitzung der Expertengruppe einen aktualisierten Entwurf vorlegen.
Heftigen Widerstand gegen die Pläne haben im Vorfeld unter anderem militante Nutzerverbände geleistet. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hatte sich zum Beispiel bei der Bundesregierung dafür eingesetzt, die problematische Formulierung zu streichen und über den Dachverband der europäischen Hobby-Jägerschaft FACE Einfluss genommen.
«Alternative Fakten» der Hobby-Jägerschaft
Während das Vertrauen in die Wissenschaft sinkt, erfahren sogenannte «alternative Fakten» der Hobby-Jägerschaft einen erstaunlichen Aufschwung. Immer mehr Politikerinnen und Politiker lügen unverhohlen und missachten wissenschaftliche Erkenntnisse. Das ist sehr beunruhigend. Gleichzeitig werden Social-Media-Kanäle verstärkt genutzt, um Positionen zu verbreiten, bei denen Meinungen und Fakten verschwimmen.
Die Ansicht einer Facebook-Bekanntschaft ist damit genauso viel wert wie das Urteil einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers, die ihr Leben lang zum Thema forschen. Das ist ein grosses Problem für die Demokratie und ein Riesenproblem für den Naturschutz, erklärt Ariel Brunner. Der gebürtige Israeli studierte Umweltwissenschaften an der Universität Mailand.
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