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Jagd

Frankreich: Fahrzeuge von Hobby-Jägern gezielt beschädigt

Angriffe auf Hobby-Jägerfahrzeuge entfachen erneut die Debatte über eine überholte Jagdpraxis und das gesellschaftliche Klima auf dem Land.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Oktober 2025

Während Hobby-Jäger in der Hügellandschaft des Beaujolais eine Treibjagd auf Wildschweine veranstalteten, wurden ihre Fahrzeuge gezielt beschädigt und geplündert.

Die Gendarmerie in Villefranche-sur-Saône ermittelt wegen Diebstahls und Sachbeschädigung.

Laut Behördenangaben wurden am 11. Oktober in Vaux-en-Beaujolais und Saint-Cyr-le-Chatoux insgesamt sechs Fahrzeuge von Hobby-Jägern angegriffen. Die Täter schlugen Scheiben ein und entwendeten Munition, Hundehalsbänder und Ausrüstung. Fünf Betroffene haben bereits Anzeige erstattet, schreibt le Figaro.

Die Fahrzeuge der Jäger wurden eindeutig gezielt angegriffen, sagte Antoine Herrmann, Präsident des Jagdverbands im Département Rhône. Diejenigen, die das getan haben, wussten, dass an diesem Tag eine Jagd stattfinden würde.

Alte Jagdtradition trifft auf neue gesellschaftliche Realität

Herrmann betont, die Jagd sei in dieser Region noch immer «gut etabliert» und Teil der ländlichen Kultur. Doch genau darin liegt das Problem: Was einst als notwendige Praxis zur Nahrungsbeschaffung galt, wird heute zunehmend als anachronistische Freizeitbeschäftigung einer militanten Minderheit wahrgenommen.

Während die Bevölkerung im urbanen Frankreich über Tierwohl, Ökologie und Artenrückgang diskutiert, hält man auf dem Land an einer traditionellen Form der Machtausübung über Wildtiere fest – oft unter dem Deckmantel von «Hege» und «Naturpflege».

Dass es in diesem Umfeld immer wieder zu Aggressionen, Spannungen und gezielten Gegenreaktionen kommt, überrascht kaum. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Hobby-Jagd sinkt seit Jahren, und auch in Frankreich wächst die Zahl jener, die das Töten von Wildtieren im Namen der Tradition nicht mehr mittragen wollen.

Eskalation oder Weckruf?

Ob es sich bei den aktuellen Angriffen um Jagdgegner oder schlicht empörte Bürger handelt, ist noch unklar. Sicher ist jedoch: Solche Vorfälle sind Symptom einer tiefer liegenden gesellschaftlichen Spaltung zwischen jenen, die Wildtiere als Teil eines ökologischen Ganzen sehen, und jenen, die sie weiterhin als jagdbares Gut betrachten.

Dass Jagdverbände solche Ereignisse reflexartig als «Angriff auf die Landkultur» interpretieren, zeigt vor allem, wie wenig Bereitschaft zur Selbstreflexion in Teilen der Jägerschaft vorhanden ist.

Eine Praxis auf dem Prüfstand

Die Jagd mag in Regionen wie dem Beaujolais noch «gut etabliert» sein – doch die Frage ist, wie lange noch. Angesichts ökologischer Krisen, schwindender Biodiversität und ethischer Debatten über den Umgang mit Wildtieren wirkt das Bild bewaffneter Männer, die durch die Wälder ziehen, zunehmend aus der Zeit gefallen.

Die Zerstörung von Fahrzeugen ist natürlich keine Lösung – aber sie macht deutlich, dass der gesellschaftliche Frieden rund um die Hobby-Jagd längst bröckelt.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass auch die Hobby-Jäger im Beaujolais erkennen: Nicht alles, was Tradition ist, gehört automatisch in die Zukunft.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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