Dortmunder Jagdmesse erlaubt wieder Gatterjagd-Angebote
24 Tier- und Naturschutzorganisationen kritisieren Aufweichung der Teilnahmebedingungen und die Untätigkeit der Ethikkommission des Oberbürgermeisters.
Am 28. Januar beginnt in Dortmund Europas grösste Jagdmesse JAGD & HUND, auf der auch Trophäenjagdreisen mit Abschüssen auf bedrohte und international geschützte Tierarten wie Elefanten, Leoparden, Nashörner oder Löwen angeboten werden.
Diese Messeangebote sind seit Jahren hochumstritten. Nun weicht die Messe zudem ihre Teilnahmebedingungen auf und erlaubt erneut Angebote von Gatterjagden. Die Ethikkommission des Dortmunder Oberbürgermeisters bleibt stumm. 24 Tier- und Naturschutzorganisationen kritisieren Messe und Oberbürgermeister dafür scharf. «Es ist erschreckend, insbesondere vor dem Hintergrund des globalen Artensterbens, dass selbst die kleinen positiven Entwicklungen bezüglich wichtiger Tier- und Artenschutzaspekte von Trophäenjagdangeboten auf der Messe nicht nur ausgebremst, sondern auch rückgängig gemacht werden. Das ist absolut inakzeptabel!», bemängelt Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.
Gatterjagdangebote nach acht Jahren wieder erlaubt
2016 verabschiedete die Weltnaturschutzunion (IUCN) eine Resolution gegen die Zucht von Löwen zum Abschuss in Gehegen (Gatterjagd). Auch der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüsste dieses Signal gegen diese besonders grausame Form der Trophäenjagd. Infolgedessen untersagte die Dortmunder Messe ab 2017 derartige Angebote. Doch wie Pro Wildlife 2023 aufdeckte, wurde dieses Verbot nicht kontrolliert und damit auch nicht durchgesetzt. Anstatt die Kontrollen zu verschärfen, hat die Messe das Verbot nun nahezu unbemerkt aus den Teilnahmebedingungen gestrichen. Neben der Gatterjagd von Löwen dürfen jetzt auch wieder Angebote für Hobby-Jagden auf künstlich gezüchtete Farbvarianten von Antilopen vermarktet werden. «Es ist ein Armutszeugnis, dass die Messe nicht einmal ihre Minimalstandards aufrechterhält und Angebote zulässt, die selbst von Jagdlobbyorganisationen öffentlich abgelehnt werden», so Schweizer. Die Hobby-Jagd gefährdet die Biodiversität weltweit.
Oberbürgermeister verschleppt Ethikkommission
Als Reaktion auf die anhaltende Kritik an den Trophäenjagdangeboten auf der Messe versprach Dortmunds Oberbürgermeister Westphal (SPD) zur Wahl 2020 eine Ethikkommission, die eine Bewertung der entsprechenden Angebote aus ethischer Perspektive erstellen sollte. Nach anhaltendem Druck wurde die Kommission 2023 endlich eingesetzt. Seitdem ist nichts passiert. Auch zur aktuellen Aufweichung der Teilnahmebedingungen gab es keine Reaktion. Eine schriftliche Anfrage von 23 Tier- und Naturschutzorganisationen im November 2024 bezüglich des aktuellen Arbeitsfortschritts seiner Kommission liess der OB auch nach wiederholter Nachfrage unbeantwortet. «Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Herr Westphal nie wirklich hinter seinem Wahlversprechen stand und nun hofft, dass, wenn er die Thematik lange genug ignoriert, ihm mögliche ethische Bedenken der Kommission und ein daraus folgender Handlungsbedarf nicht im anstehenden Wahlkampf in die Quere kommen. Denn die Messeangebote zum Abschuss bedrohter Tierarten untergraben nicht nur den Artenschutz, sondern sind auch aus Tierwohlsicht absolut unethisch», betont Schweizer abschliessend. Im Herbst 2025 finden in Dortmund Oberbürgermeisterwahlen statt. OB Westphal stellt sich zur Wiederwahl.
Protest gegen die Jagdmesse
Auch PETA protestiert mit einer blutigen Aktion gegen die Jagdmesse. Die Kritik an bedrohten Vogelarten im Visier der Hobby-Jägerschaft wurde ebenfalls dokumentiert. Mehr zum Tierschutzproblem der Hobby-Jagd.
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