Auswirkungen der Hobby-Jagd auf Wildtiere in Deutschland
In vielen Wildlife-Themen kommt man immer wieder auf die Hobbyjagd. Warum eigentlich “Hobby”-Jagd? Ein Hobby, bei mir war und ist es der Sport, bei anderen die Fotografie oder das Briefmarkensammeln. Ein Hobby betreibt man mit Inbrunst, mit grosser Leidenschaft.

Die «Leidenschaft des Tötens»
Auf einschlägigen Seiten der sozialen Medien eben, aus der Jagdszene ist diese «Leidenschaft des Tötens» von den Hobby-Jägern oft genau beschrieben.
«Das Gefühl von Macht» wird da sehr exzessiv genauso beschrieben, wie der Moment der Tötung «als Kick» empfunden wird, wenn diese durch das Zielfernrohr aus weitem Abstand erledigt wird, eben mit Leidenschaft Tiere getötet werden.
Nach Prof. Dr. Reichholf («Jagd reguliert nicht») ist ein sehr, sehr grosser Teil der Hobby-Jagd nicht nur überflüssig, sondern schädigt stark die Natur, das Wild, die Wälder, die Biodiversität, unsere Lebensbasis. Das Management der Hobby-Jagd plant Abschüsse über den Abschussplan und setzt diesen gegen Zwangsgeld bei Nichterfüllung auch durch.
Die Kontrolle erfolgt über die jährliche Jagdstrecke. Das System dahinter ist die Reproduktion in der Kurve der grösstmöglichen Population zu halten, für noch mehr Wild, für noch mehr Hobby-Jäger.
403’000 Hobby-Jäger, nur 1’000 Berufsjäger
Die Hobby-Jagd also, mittlerweile haben wir über 403’000 Hobby-Jäger in Deutschland und nur etwa 1’000 Berufsjäger, dient nur der Bedürfnisbefriedigung einiger, nicht aber der Natur. Mittlerweile haben wir in Deutschland mit die höchste Wildtierdichte, spätestens hier wird jedem klar, dass die uns verkaufte «Bestandsregulierung», die «Hege und Pflege» völlig versagt.
Sehr viele Themen der Natur tangieren die Hobby-Jagd direkt oder indirekt. Aufgrund der aktuellen (u.a.) gänzlich kaputten Wälder aber sollten wir das ausserordentlich wichtige Thema Natur nicht nur der kleinen aber lauten Fraktion der Hobby-Jägerschaft überlassen.
Mit dem Thema Hobby-Jagd sind sehr viele Themen verbunden, wessen man sich erst dann bewusst wird, wenn man sich damit tiefer beschäftigt. Aktuell das Thema der Bestandsregulierung für den Wolf, gefordert von Hobby-Jägern. Jeder der sich mit Wölfen ein wenig beschäftigt hat, weiss, dass diese überhaupt nicht funktioniert, ähnlich eben wie diese beim Wildschwein auch völlig versagt hat.
Jagddruck drückt Rotwild in die Wälder
Auch ein begehrtes Thema sind die Verbissschäden durch Rotwild. Diese edlen grossen Wildtiere, die früher auf weiten Flächen, auf Wiesen gelebt haben, deutlich weniger scheu waren, die viel lieber Gräser, Kräuter fressen, werden durch den extrem hohen Jagddruck in die Wälder «gedrückt». Dort fressen sie nur aus grossem Hunger schon die Rinde der Bäume ab, schaden deshalb dem Wald!
Oder die Population der Wildschweine, erst die Bejagung hat diese extrem angefacht. Wurden in den 80ern etwa 120’000 Tiere getötet, so sind es heute in den Jagdstrecken jährlich fast 800’000 (s. Jagdstrecken DJV).
Die Fuchsjagd, auch mit den Nebenthemen Fallen und Schliefenanlagen, völlig umsonst sterben die schönen Tiere, sinnfrei und ohne Nutzen werden sie nur zum Spass bejagt. Fast jeder weiss heute vom jagdfreien Luxemburg, in dem sich auch die Nagerpopulation gesünder hält, die Mäuse 80 % weniger Borrelioseerreger mit sich tragen. Abgesehen davon, dass die Population sich dort nivelliert hat, nicht weiter zunimmt, «nicht zur Plage wird», wie oft aber dumm argumentiert wird. Die Natur kann es eben besser.
Das Thema Naturschutzgebiete, die es im Grunde nicht sind, da in allen auch immer noch genauso weiter gejagt wird.
Rewilding, die Idee zur Biodiversität, ob in kleinen Flächen oder in grossen Projekten, kommt in Deutschland nicht mal auf den Tisch, weil der Gedanke für Hobby-Jäger unvorstellbar ist, dass sich Natur selbst regulieren könnte.
Unwissenschaftliche Argumente der Jagdlobby
Mufflons, stellenweise immigriert, zur jagdlichen Belustigung wie einst das Damwild «eingeschleppt», obgleich in vielen gegebenen Arealen durch den Wolf kaum eine Chance zum Überleben haben, da ihnen ihre natürliche Umgebung zur Flucht fehlt. Die Situation, also von Hobby-Jägern geschaffen, und in der Argumentation gegen den Wolf genutzt, obwohl sie vielerorts «entnommen» werden sollen.
Oft wird von Hobby-Jägern völlig unwissenschaftlich behauptet, Tierart «A» müsse erlegt werden, damit Tierart «B» überlebt, z.B. in der Thematik Bodenbrüter. In diesen Gegenden werden deshalb die Füchse ausgerottet, die Leidenschaft des Erschiessens soll da den grünen Anstrich erhalten, die Akzeptanz zur Bejagung eben.
Ähnlich auch bei der Kitzrettung, dem nächsten fast schon jagdlichen Thema, da man sich hier medienwirksam bemüht, die Hobby-Jägerschaft neben echten Tierschützern positioniert, Kitze rettet, die aber bereits 3-4 Monate später gem. Jagdkalender geschossen werden.
Auch der Wolf würde bei Weitem nicht so in den negativen Schlagzeilen landen, wenn er für Hobby-Jäger kein Konkurrent wäre. Jede Möglichkeit wird lautstark genutzt, den für uns so wichtigen Beutegreifer Wolf, der völlig natürlich selektiert, als mordendes Monster hinzustellen, indem die Jagdlobby unsere Urängste mobilisiert, statt im Sinne der Natur vernünftig aufzuklären. Gern wird hier auch medienwirksam mit einigen Weidetierhaltern zusammengearbeitet.
Ich könnte dies mit zahlreichen anderen Themen wie Marder, Fasan, Feldhasen ergänzen.
Gemeinsam gegen die Hobby-Jagd
Sehr schade ist, dass fast alle oben genannten Einzelthemen für sich oft tatsächlich in fantastischen Aufklärungsarbeiten einzelner «Tiervertreter» aufgearbeitet werden. Sie kämpfen für den Fuchs, für den Wolf, oder den Wald usw. Die Wurzeln allen Leids aber liegt u.a. in der Hobby-Jagd. Schulter an Schulter sollten sich die Wildlifer gegenseitig effektiver unterstützen, um die viel grössere Gruppe Menschen aus dem Volk zu erreichen, diese haben politische Stimme.
Die Gruppe der Hobby-Jäger will sich überhaupt nicht weiterentwickeln, lässt nicht mal Wissenschaft zu, lehnt diese völlig ab. Selbst Areale, in denen bewiesen ist, dass es ohne Hobby-Jagd seit Jahrzehnten funktioniert, dass dort die Biodiversität zugenommen hat, die Wälder gesünder sind, werden verschwiegen, passen nicht ins Bild der Lobby und richten sich gegen das perfide Interesse.
Wenn wir alle aber den unnötigen Teil der Jagd, die Hobby-Jagd, gleichermassen bekämpfen würden, eben den Teil, der für die Probleme verantwortlich ist, und wie diesen morgen nicht mehr hätten, wären viele Probleme erledigt, würden viele Chancen sich aber öffnen und genutzt werden können.
Lasst uns zusammenrücken und die stimmengewaltige Mehrheit gemeinsam informieren.
Quelle: Guido Meyer
Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet
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