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Jagd

Der umstrittene Abschuss eines Wildschweins im Engadin

Ende November 2024 wurde in Zernez ein einzelnes Wildschwein in einer Fotofalle aufgenommen. Einen bestätigten Nachweis im Engadin gab es noch nie.

Redaktion Wild beim Wild — 5. Juni 2025

Ende November 2024 hat das Amt für Jagd und Blödsinn in Graubünden von einer externen Person die Meldung erhalten, dass am 26. November 2024 auf einer Fotofalle im Gebiet Val da Barcli auf knapp 1’800 m ü. M. ein Wildschwein aufgenommen wurde.

Vermutlich ist das Tier von Süden her über das Bergell oder über Livigno zugewandert. Die Videoaufnahme zeigt, dass es sich um ein männliches Tier handelt. Junge männliche Wildschweine wandern oftmals aus dem ursprünglichen Lebensraum ab und können dabei grosse Distanzen zurücklegen. Sie können bis zu 250 Kilometer weit abwandern.

Beim Wildschwein handelte es sich um ein kerngesundes Wildtier. Solche Wanderungen sind normales Verhalten von Männchen. Noch im Januar 2025 wurde es zweimal beobachtet – es war also immer noch da.

Im Winter ernähren sich Wildschweine vorwiegend von unterirdischen Pflanzenteilen wie Knollen oder Wurzeln, von heruntergefallenen Buchennüssen, Eicheln oder Kastanien oder von Ernterückständen. Dass sich Wildschweine zeitnah im Engadin ansiedeln, ist deshalb eher unwahrscheinlich, schreibt das Amt 4.12.2024.

Da das Engadin als Lebensraum für Wildschweine laut dem Amt ungeeignet ist, wird davon ausgegangen, dass das fotografierte Wildschwein weiterziehen wird. Dem war aber nicht so. Die immer milderen Winter begünstigten ihren Aufenthalt.

Landwirte aus Tschlin stellten im Frühling fest, dass ihre Wiesen und Felder ausserhalb des Dorfes durch das Tier beschädigt wurden. Wie Lukas Walser vom Amt sagt, war der Schaden erheblich. «Ein Wildschwein kann innerhalb einer Nacht grosse Flächen umgraben.» Bei Wildschäden ist das Amt verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen.

Dem Wildschwein im Engadin wurde sein Hunger zur Last gelegt

Am 27. Mai 2025 wurde in unmittelbarer Nähe des Schweizerischen Nationalparks der Keiler von den Killern beim Amt für Jagd und Blödsinn Graubünden erschossen.

Die Tötungsabsichten des Amts für Jagd und Blödsinn Graubünden sind erschreckend einfallslos. Behördliche Massnahmen müssen immer das mildeste Mittel zuerst ins Kalkül ziehen, und das ist in diesem Fall zum Beispiel eine Umsiedlung des Tieres. Mit tiergerechten Lebendfallen oder Betäubungsgewehren hätte der Keiler schonend eingefangen und in ein geeigneteres Gebiet ausgesetzt werden können. In Afrika werden ganze Löwenrudel eingefangen und in sicheren Gebieten wieder ausgesetzt – da sollte es den Behörden in Graubünden gelingen, einen Keiler unversehrt einzufangen. Es ist beschämend, dass immer die militanten und letalen Absichten bei den Behörden den Vorrang haben sollen. Carl Sonnthal, IG Wild beim Wild

Der Ort des Geschehens ist besonders brisant, da der Abschuss im erweiterten Umfeld des Schweizerischen Nationalparks stattfand, eines Schutzgebietes, das eigentlich der natürlichen Entwicklung verpflichtet ist. Dass dort ein nicht invasives Wildtier entfernt wird, weil es nicht in das Raster passt, offenbart ein autoritäres, statisches Naturbild, das mit modernem Natur- und Artenschutz unvereinbar ist.

Kritik gegenüber dem Amt gab es auch von einem Präsidenten eines Jagdvereins: «Ein einzelnes Wildschwein kann gar keinen so grossen Schaden verursachen, als dass es von der Wildhut erlegt werden müsste.»

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