16. Juni 2026, 08:30

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Jagd

Aas auf dem Küchentisch zerschneiden

Bei der Bündner Sonderjagd im Spätherbst kann das Fleisch oft nicht verarbeitet werden.

Redaktion Wild beim Wild — 10. Januar 2023

Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Lügen in Graubünden wünscht sich, dass die Bündner Bevölkerung das ganze Jahr über das «Superprodukt» Aas isst.

«Da ist ein Fleischprodukt auf dem Markt, das man mit bestem Wissen und Gewissen essen kann», fabuliert er in dem Audio-Beitrag.

Sonderjagd als Regelfall

Es ist Tradition, dass die Hobby-Jägerschaft die vorgegebenen Abschusszahlen in Graubünden während der Hochjagd nicht erreicht. Die Wildtiere werden später tierquälerisch während der unwaidmännischen Sonderjagd teils im Schnee brutal erlegt. Die Sonderjagd ist immer auch ein unethisches und barbarisches Massaker an Wildtieren. Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen, ganze Sozialstrukturen werden wie in einem Blutrausch ohne Erbarmen zusammengeschossen.

Sonderjagd ist, wie der Name schon sagt, eine Nachbesserung. Wird eine Nachbesserung zum Regelfall, dann stimmt etwas nicht mit der Wissenschaft, Wildbiologie, Planung sowie Ausführung.

Bestände werden seit Jahrzehnten nicht wirklich reguliert, sondern dezimiert und die Geburtenrate stimuliert. Wildtiere stehen in erster Linie den Beutegreifern zu, nicht den Hobby-Jägern, aber Wolf, Luchs und Co. will man ja nicht so richtig. Die Regulierung der Wildbestände erfolgt nicht nach natürlichen wildbiologischen Gegebenheiten.

Wenige Metzger

Nun gibt es vermehrt das Problem, dass Jagdgruppen während der Sonderjagd nur mit Müh und Not einen Metzger finden, der ihre Tiere kurz vor Weihnachten verwertet, schreibt srf.ch. Es fehlt an Personal in den Metzgereien, was zur Folge hat, dass die Sonderjagd abgebrochen werden muss.

Und sonst müssen sie das Tier halt auf dem Küchentisch zerschneiden oder nicht mehr zur Sonderjagd gehen.

Orlando Strub, Präsident Bündner Fleischfachverband und Metzger

Behörden und Studien warnen vor Wildfleisch

Bei Wildliebhabern zeigen Studien aus der Schweiz, dass in diesen Haushalten bis zu 90 Portionen Wildfleisch im Jahr verzehrt werden.

Viele wissen gar nicht, dass mehrere Behörden vor Wildfleisch warnen. Verarbeitetes Wildfleisch sei wie Zigaretten, Asbest, Plutonium oder Arsen krebserregend, erklärt zum Beispiel die WHO.

Bei Wildfleisch besteht zudem eine erhöhte Gefahr an Toxoplasmose, Trichinellose, Sarkosporidiose und weiteren Krankheiten zu erkranken, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. In Kanada ist es in der Regel verboten, Wildfleisch vom Hobby-Jäger in Restaurants oder Geschäften zu verkaufen.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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