Aas auf dem Küchentisch zerschneiden
Bei der Bündner Sonderjagd im Spätherbst kann das Fleisch oft nicht verarbeitet werden.
Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Lügen in Graubünden wünscht sich, dass die Bündner Bevölkerung das ganze Jahr über das «Superprodukt» Aas isst.
«Da ist ein Fleischprodukt auf dem Markt, das man mit bestem Wissen und Gewissen essen kann», fabuliert er in dem Audio-Beitrag.
Sonderjagd als Regelfall
Es ist Tradition, dass die Hobby-Jägerschaft die vorgegebenen Abschusszahlen in Graubünden während der Hochjagd nicht erreicht. Die Wildtiere werden später tierquälerisch während der unwaidmännischen Sonderjagd teils im Schnee brutal erlegt. Die Sonderjagd ist immer auch ein unethisches und barbarisches Massaker an Wildtieren. Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen, ganze Sozialstrukturen werden wie in einem Blutrausch ohne Erbarmen zusammengeschossen.
Sonderjagd ist, wie der Name schon sagt, eine Nachbesserung. Wird eine Nachbesserung zum Regelfall, dann stimmt etwas nicht mit der Wissenschaft, Wildbiologie, Planung sowie Ausführung.
Bestände werden seit Jahrzehnten nicht wirklich reguliert, sondern dezimiert und die Geburtenrate stimuliert. Wildtiere stehen in erster Linie den Beutegreifern zu, nicht den Hobby-Jägern, aber Wolf, Luchs und Co. will man ja nicht so richtig. Die Regulierung der Wildbestände erfolgt nicht nach natürlichen wildbiologischen Gegebenheiten.
Wenige Metzger
Nun gibt es vermehrt das Problem, dass Jagdgruppen während der Sonderjagd nur mit Müh und Not einen Metzger finden, der ihre Tiere kurz vor Weihnachten verwertet, schreibt srf.ch. Es fehlt an Personal in den Metzgereien, was zur Folge hat, dass die Sonderjagd abgebrochen werden muss.
Und sonst müssen sie das Tier halt auf dem Küchentisch zerschneiden oder nicht mehr zur Sonderjagd gehen.
Orlando Strub, Präsident Bündner Fleischfachverband und Metzger
Behörden und Studien warnen vor Wildfleisch
Bei Wildliebhabern zeigen Studien aus der Schweiz, dass in diesen Haushalten bis zu 90 Portionen Wildfleisch im Jahr verzehrt werden.
Viele wissen gar nicht, dass mehrere Behörden vor Wildfleisch warnen. Verarbeitetes Wildfleisch sei wie Zigaretten, Asbest, Plutonium oder Arsen krebserregend, erklärt zum Beispiel die WHO.
Bei Wildfleisch besteht zudem eine erhöhte Gefahr an Toxoplasmose, Trichinellose, Sarkosporidiose und weiteren Krankheiten zu erkranken, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. In Kanada ist es in der Regel verboten, Wildfleisch vom Hobby-Jäger in Restaurants oder Geschäften zu verkaufen.
Für die IG Wild beim Wild ist Tierschutz immer auch Menschenschutz.
| Sie können mit Barmherzigkeit allen Tieren und unserem Planeten helfen. Wählen Sie Mitgefühl auf Ihrem Teller und in Ihrem Glas. Go vegan. |
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Rolle und Kritik der Hobby-Jäger beleuchten wir Ausbildung, Macht und Selbstbild der Hobby-Jäger. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →