4. Mai 2026, 14:34

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FAQ

Was kostet die Hobby-Jagd die Schweiz wirklich?

Die öffentliche Diskussion über die Hobby-Jagd dreht sich fast ausschliesslich um Nutzen und Tradition. Über die Kosten wird geschwiegen. Dabei entstehen durch die Hobby-Jagd erhebliche Ausgaben für die öffentliche Hand: Verwaltung, Wildschadenregulierung, Unfallfolgekosten, Umweltschäden durch Bleimunition und der Verlust an Biodiversität. Das Dossier über die wahren Kosten legt diese Rechnung erstmals offen.

Redaktion Wild beim Wild — 11. März 2026

Die Jagdlobby betont gerne, dass Hobby-Jäger Patentgebühren und Jagdpachten bezahlen.

Was dabei verschwiegen wird: Diese Einnahmen decken die tatsächlichen Kosten des Systems bei weitem nicht. Zur korrekten Rechnung gehören auch die Aufwendungen für Jagdverwaltungen auf kantonaler Ebene, die Kosten der Wildschadenabwicklung, die Ausgaben für Wildhüter und Jagdaufseher sowie die Kosten der Strafverfolgung bei Jagdvergehen.

Das Dossier Was die Hobby-Jagd die Schweiz wirklich kostet zeigt, dass eine vollständige Kostenrechnung für das Hobby-Jagdsystem in der Schweiz nie öffentlich vorgelegt wurde. Das ist kein Versehen, sondern ein strukturelles Problem eines Systems, das nie auf seine gesellschaftliche Effizienz hin überprüft wurde.

Die Kosten der Jagdverwaltung

In der Schweiz ist die Hobby-Jagd Kantonssache – die Kantone regeln, überwachen und kontrollieren sie. Dafür unterhalten sie Jagdinspektorate, Wildhüterkorps und Verwaltungsapparate. Die Kosten dieser Infrastruktur werden selten transparent ausgewiesen und sind in kantonalen Budgets oft in breiteren Posten versteckt.

Hinzu kommen die indirekten Kosten: Rechtsstreitigkeiten, Behördenkommunikation, politische Arbeit in parlamentarischen Kommissionen und die Kosten der Jagdgesetzgebung auf Bundes- und Kantonsebene. Das Schweizer Jagdgesetz (JSG) und seine kantonalen Ausführungsbestimmungen erfordern laufende Pflege, Revision und Durchsetzung.

Wildschäden und ihre Folgekosten

Ein Teil der Kosten ist direkt messbar: Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Wald werden in der Schweiz jährlich in Millionenhöhe ausgewiesen. Dabei handelt es sich nicht nur um Schäden durch Arten, die tatsächlich bejagt werden. Teile dieser Schäden entstehen durch Wildtiere, deren Populationsstruktur durch die Hobby-Jagd verändert wurde, etwa durch die Dezimierung natürlicher Beutegreifer.

Das Wildhütermodell zeigt, dass ein professionelles Management dieser Schäden vorbeugen kann, indem Wildtierpopulationen ökologisch sinnvoll gehalten werden statt jagdlich manipuliert.

Jagdunfälle: Die versteckten sozialen Kosten

Jedes Jahr ereignen sich in der Schweiz Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern. Das Dossier Jagdunfälle in der Schweiz dokumentiert, dass die offiziellen Statistiken unvollständig sind und die tatsächliche Zahl der Unfälle unterschätzt wird. Unfälle, die keine Anzeige auslösen, Beinaheunfälle und psychische Folgeschäden bei Betroffenen werden nicht systematisch erfasst.

Die sozialen Kosten dieser Unfälle – Spitalaufenthalte, Invalidisierung, Traumabehandlung, Strafverfolgung – trägt die Allgemeinheit. Sie fliessen nicht in die Kosten-Nutzen-Rechnung der Jagdlobby ein, obwohl sie real und erheblich sind.

Bleimunition: Schleichende Umweltvergiftung

Eines der am häufigsten unterschätzten Kostenprobleme der Hobby-Jagd ist die Verwendung von Bleimunition. Das Dossier Bleimunition belegt, dass Bleipartikel aus Jagdmunition Böden, Wasserläufe und Wildtiere kontaminieren. Greifvögel, die Reste von angeschossenen oder nicht geborgenen Wildtieren fressen, vergiften sich chronisch an Blei.

Die Kosten dieser Umweltverschmutzung sind schwer zu beziffern, aber real: Arten, die durch Bleivergiftung dezimiert werden, fehlen im Ökosystem, und die ökologischen Folgewirkungen sind langfristig. Eine gesetzliche Einschränkung von Bleimunition würde erhebliche gesellschaftliche Kosten vermeiden – sie scheitert aber am Widerstand der Jagdlobby.

Jagd und Biodiversitätsverlust als gesellschaftlicher Schaden

Die Hobby-Jagd beeinflusst die Biodiversität, und Biodiversitätsverlust hat wirtschaftliche Kosten. Das Dossier Jagd und Biodiversität analysiert, wie jagdliche Eingriffe Populationsstrukturen verändern und welche Konsequenzen das für Ökosystemleistungen hat. Ökosystemleistungen – Bestäubung, Wasserreinigung, Bodenbildung, Schädlingsregulation – sind wirtschaftlich bewertbar und bei weitem teurer als das, was die Hobby-Jagd an Einnahmen generiert.

Wird dieser volkswirtschaftliche Schaden in die Rechnung einbezogen, kehrt sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Hobby-Jagd klar um.

Das Problem der fehlenden Gesamtrechnung

Ein zentrales Problem ist: Es gibt keine öffentliche Gesamtrechnung der Hobby-Jagd in der Schweiz. Kein Kanton und kein Bundesamt hat je eine vollständige Kosten-Nutzen-Analyse des Hobby-Jagdsystems vorgelegt. Das ist in einem Land, das bei anderen öffentlichen Ausgaben hohe Transparenzanforderungen stellt, bemerkenswert.

Diese strukturelle Intransparenz ist kein Zufall. Solange keine vollständige Rechnung vorliegt, lässt sich das Argument, die Hobby-Jagd «zahle sich aus», nicht widerlegen – aber auch nicht bestätigen.

Was ein professionelles System günstiger machen würde

Das Jagdverbot Schweiz und die Alternativen zur Hobby-Jagd zeigen, dass ein staatlich organisiertes Wildhütersystem in vielen Bereichen effizienter wäre als das heutige Hobby-System. Der administrative Aufwand würde sinken, weil keine Jagdlizenzen, Revierpatente und privaten Abschussquoten mehr verwaltet werden müssten. Die Kosten für Unfallfolgen, Strafverfolgung und Wildschadenregulierung würden durch bessere Ausbildung und klare Protokolle gesenkt.

Ob ein solches System letztlich günstiger wäre, lässt sich erst beurteilen, wenn die vollständige Rechnung des heutigen Systems auf dem Tisch liegt.

Fazit

Die Kosten der Hobby-Jagd in der Schweiz werden systematisch nicht erhoben, nicht publiziert und nicht debattiert. Was bekannt ist – Unfallkosten, Verwaltungsaufwand, Bleikontamination, Biodiversitätsverluste – deutet auf ein erhebliches Missverhältnis zwischen den tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten und dem behaupteten Nutzen hin. Eine öffentliche Gesamtrechnung ist längst überfällig.

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