Vorbestrafter Hobby-Jäger verpasst Wahl ans Thurgauer Verwaltungsgericht
Thurgauer Grosse Rat wählt Stephan Zlabinger zum Verwaltungsrichter – SVP-Kandidat mit Vorstrafen unterliegt.
In einer spannungsgeladenen Wahl hat der Thurgauer Grosse Rat Stephan Zlabinger (GLP) zum neuen Richter am kantonalen Verwaltungsgericht gewählt.
Im ersten Wahlgang lag Hess mit 57 zu 56 Stimmen knapp vorn, was die Bedeutung des Leumunds in politischen Entscheidungen unterstrich.
Der 39-jährige Stephan Zlabinger erhielt im zweiten Wahlgang 61 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 61. Sein Herausforderer von der SVP, Robert Hess, vermochte 55 Stimmen der 120 gültigen Stimmen der Kantonsräte auf sich zu ziehen.
Hess, 41 Jahre alt, ist Jurist und seit 2020 Amtsleiter des kantonalen Veterinäramts. Er wurde jedoch wegen versuchter Nötigung und Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt. Zudem steht er wegen seiner Jagdreisen nach Südafrika in der Kritik. Hess organisiert seit Jahren Jagdreisen für Hobby-Jäger aus seinem Bekanntenkreis, bei denen eine fixe Anzahl Abschüsse von Warzenschweinen und Antilopen im Pauschalpreis enthalten ist. Wer mehr schiesst, muss draufzahlen – schriftliche Verträge gibt es jedoch nicht. Ein Hobby-Jäger, der eine Rechnung über 650 Dollar nicht bezahlte, wurde von Hess mit Mahnschreiben und der Drohung eines Ausschlusses aus dem kantonalen Jagdverband konfrontiert. Das Bezirksgericht Münchwilen verurteilte Hess wegen versuchter Nötigung, und das Obergericht bestätigte den Schuldspruch, wandelte jedoch die unbedingte Geldstrafe in eine bedingte um.
Die GLP stellte Zlabinger als eigenen Kandidaten auf und brach damit den freiwilligen Proporz, nach dem die SVP Anspruch auf die Richterstelle gehabt hätte. Die Ersatzwahl wurde nötig, nachdem Gerichtspräsident Richard Weber (SVP) zurückgetreten war. Zlabinger ist selbstständiger Rechtsanwalt und Partner bei der Anwaltskanzlei Degginger Bischof Zlabinger in St. Gallen.
Die Wahl zeigt, dass sowohl fachliche Qualifikation und tierschützerische Aktivitäten mit einer Petition als auch Leumund im Kanton Thurgau durchaus eine zentrale Rolle spielen und Vorstrafen für politische Karrieren in kantonalen Ämtern entscheidend sein können.
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