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Kriminalität & Jagd

Verdacht auf Wilderei im Maggiatal – Wenn die Jagd nie endet

Im unteren Maggiatal (Tessin) laufen Untersuchungen wegen eines mutmasslichen Falls von Wilderei: Zwei junge Männer sollen am Tag nach Ende der Hochjagd mit einem Gewehr mit Schalldämpfer und einem Nachtsichtgerät auf der Pirsch gewesen sein.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Oktober 2025

Die Behörden bestätigen Voruntersuchungen, geben aber kaum Details preis.

Tiziano Putelli, Leiter des Amts für Jagd und Blödsinn, sprach lediglich von eingeleiteten Voruntersuchungen. Konkrete Angaben zum Tatort, zu beteiligten Personen oder zu sichergestellten Beweismitteln werden nicht gemacht. Dieses verschlossene Vorgehen nährt den Verdacht vieler Kritiker: Fälle von Regelverstössen würden häufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehandelt.

Jugendliche Hobby-Jäger und verbotene Technik

Nach Angaben aus seriösen Quellen handelt es sich bei den Beschuldigten um zwei junge Männer – einer stand kurz vor dem Erwerb des Jagdscheins, der andere hatte gerade die Schule beendet, schreibt tio.ch. Besonders brisant: der Einsatz von Schalldämpfern und Nachtsichttechnik. Solche Hilfsmittel sind in der zivilen Jagdpraxis hochproblematisch und oft verboten – ihr Gebrauch verschiebt die Grenze zwischen regulärer Jagd und krimineller Wilderei.

Ein grösseres Problem der Jagdkultur

Die Häufung von Verstössen ist kein Einzelfall: Die Jagd werde von Kritikern immer öfter als Freizeitvergnügen mit hohem technischem Einsatz gesehen – statt als verantwortungsvolle Regulierung von Wildbeständen.

Tierschutz- und Umweltorganisationen fordern strengere Kontrollen, transparente Ermittlungen und härtere Sanktionen für Regelverstösse. Ohne systematische Aufklärung droht die Jagdkultur weiter zu verrohen, und das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Aufsicht bleibt untergraben.

Im Tessin ist die Hochsaison für die Hobby-Jagd kürzlich geendet. Die Jagdsaison erstreckte sich über zwei Perioden: vom 6. bis 21. September und vom 24. bis 28. September, also insgesamt 20 Jagdtage. Neunzehn Fälle von Jagdlizenzentzug wurden gemeldet, hauptsächlich aufgrund der Verwendung verbotener Geräte wie Wärmebildkameras oder nicht konformer Waffen.

Zudem war von einem schweren Fall von Wilderei die Rede, bei dem ein Hobby-Jäger auf frischer Tat ertappt wurde.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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