Beziehungstat: Hobby-Jäger erschiesst Liebhaber seiner Ex
Ein deutscher Hobby-Jäger hat in Österreich den neuen Partner seiner Noch-Ehefrau erschossen. Er floh über die Grenze hinweg, verfolgt von der Polizei. Sie fand ihn nur noch tot.
Es ist eine der zahlreichen Meldungen in den Nachrichten, die auf den ersten Blick nichts mit dem Jagdunwesen zu tun haben.
Eine österreichische Zeitung titelt zum Beispiel wie gewohnt: «Mann erschiesst neuen Liebhaber seiner Ex». Erst mit einer vertieften Recherche führt die Spur jedoch, wie so oft auch in der Schweiz, ins militante und sektenartig aufgestellte Hobby-Jagd-Milieu.
Tödliche Schüsse an der Wohnungstür
Ein 44-jähriger deutscher Hobby-Jäger hat den neuen Freund seiner geschiedenen Frau mit einer Pistole getötet und tötete sich selbst. Für die Fahndung nach dem Hobby-Jäger im Endstadium wurde ein Grosseinsatz der Polizei im oberösterreichischen und bayerischen Grenzraum ausgelöst.
Die bevorstehende Scheidung könnte die tödliche Bluttat in Oberkappel im Bezirk Rohrbach in Oberösterreich ausgelöst haben.
Gegen 8.40 Uhr hatte der 44-jährige deutsche Hobby-Jäger in Oberkappel an der Wohnungstür des Opfers, ein 51-jähriger Einheimischer, geläutet. Die Frau des Täters habe die Tür geöffnet, es sei zu einem kurzen Gespräch zwischen dem getrennten Paar gekommen, schilderte ein Sprecher der Polizei den Tathergang. Unmittelbar darauf habe der 44-jährige Hobby-Jäger mit einer Pistole mehrmals auf den Oberösterreicher geschossen und ist geflüchtet. Die Frau alarmierte die Polizei. Der Notarzt konnte den 51-Jährigen nicht mehr retten, er verstarb an den Schussverletzungen. Kriminalität und Hobby-Jagd sind untrennbar miteinander verbunden.
Grossfahndung im Grenzraum
Nach einer knapp zweistündigen Fahndung wurde auch der Täter tot aufgefunden. Er war mit dem Auto in seinen Wohnort in Untergriesbach in Bayern geflüchtet. Die beiden Orte liegen kaum zehn Minuten voneinander entfernt im oberösterreichisch-bayerischen Grenzraum. Der freie Zugang zu Schusswaffen im Hobby-Jäger-Milieu erhöht das Risiko solcher Gewalttaten, wie auch die Analyse der Schusswaffentötungen in der Schweiz zeigt.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.
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