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Österreich: Faktencheck zu Wolfs-Mythen

Kein Kuscheltier, aber auch keine wilde Bestie: Höchste Zeit für echte Lösungen für ein möglichst konfliktfreies Miteinander – Österreich braucht ein rechtskonformes Wolfsmanagement.

Redaktion Wild beim Wild — 4. September 2018

Kein Kuscheltier, aber auch keine wilde Bestie: Höchste Zeit für echte Lösungen für ein möglichst konfliktfreies Miteinander – Österreich braucht ein rechtskonformes Wolfsmanagement.

Kann der Wolf durch Vergrämung oder Abschüsse wieder scheu gemacht werden? Wie realistisch ist ein wolfsfreier Alpenraum? Die Naturschutzorganisation WWF Österreich räumt mit Vorurteilen und Stammtisch-Parolen rund um den Wolf auf und macht den Mythen-Check.

Unlängst war in einer österreichischen Tageszeitung zu lesen, dass vor fast 300 Jahren Kinder auf dem Schulweg «vom Wolf zerrissen» wurden und es «nur eine Frage der Zeit» sei «bis der Wolf bei uns wieder auf den Menschen geht». Diese und ähnliche Schauermärchen werden von einzelnen Politikern und Bauernvertretern bewusst geschürt.

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Mythos 1: Schreckschüsse machen den Wolf wieder scheu

Vergrämung ohne sachgerechten Herdenschutz ist nicht erfolgversprechend. Verzichtet man auf Herdenschutz, lernt der Wolf, dass ungeschützte Schafe eine leichte Beute darstellen. Im Jahr 2017 wurden in ganz Österreich insgesamt 21 Schafe vom Wolf gerissen; im Vergleich dazu sterben im Jahr mindestens 8’000 Schafe durch Krankheit, Blitzschlag, Absturz oder weil verletzte Tiere in nicht betreuten Herden zu spät bemerkt werden.

Mythos 2: Es braucht «wolfsfreie Zonen»

Die gezielte regionale Bejagung von Wölfen zur Schaffung von «wolfsfreien Zonen» widerspricht eindeutig dem EU-Naturschutzrecht. Der Wolf ist eine weit wandernde Tierart, die in relativ kurzer Zeit halb Europa durchqueren kann. Für «wolfsfreie Zonen» bei uns müsste man tausende Wölfe in den Alpen und in einem 1’000-Kilometer-Radius darüber hinaus töten.

Mythos 3: Schafrisse machen einen «Problemwolf»

Ein Wolf der ungeschützte Schafe erbeutet, ist noch kein «Problemwolf». Er verhält sich ähnlich «normal» wie ein Hund, dem man eine Knackwurst vor die Nase hält. Der Wolf frisst von Natur aus das, was mit dem geringsten Kraft- und Energieaufwand zu bekommen ist. Das ist in Österreich grossteils Wild (in erster Linie Hirsche, Rehe und Wildschweine), da dieses überreichlich vorhanden ist.

Mythos 4: Wölfe überwinden jeden Zaun

Das ist falsch, weil Wölfe grundsätzlich nicht hoch springen. Bewährt haben sich etwa schon 90 Zentimeter hohe, dünne Zaunnetze, die Strom führen. In Deutschland und in der Schweiz hat man mittlerweile Herdenschutz sehr gut im Griff und Österreich könnte sich etliches abschauen.

Mythos 5: Die Wölfe kommen immer näher

Die Gefahr, in Österreich von einem Wolf angegriffen zu werden, liegt nahezu bei null. Unser Land hat eine der höchsten Schalenwild-Dichten Europas und der Wolf findet genügend natürliche Beute vor. Dass der Wolf scheu ist, bedeutet nicht, dass er «unsichtbar» bleibt.

Mythos 6: Präventiver Abschuss ist nötig

Gesunde Wölfe reagieren scheu und vorsichtig auf Menschen. Im Vergleich zu anderen wehrhaften Tieren wie Wildschweinen oder Kühen wird die Gefährlichkeit des Wolfes stark überschätzt. Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland (nach zwei Jahrzehnten derzeit 60 Familien, ca. 500 Wölfe) bzw. in die Schweiz (drei bis vier Familien, ca. 50 Wölfe) gab es keine einzige Attacke oder Verletzte.

Im Gegensatz dazu kam es 2016 alleine in Österreich zu rund 3’100 spitalsbehandelten Verletzungen durch Hundebisse und werden pro Jahr rund 260 Personen bei Wildunfällen verletzt. Mehr zu den Jagdmythen und warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert.

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