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Kriminalität & Jagd

Mit Fuchs verwechselt: Hobby-Jäger erschiesst drei Pferde

Ein Hobby-Jäger hatte versehentlich zwei seiner eigenen Pferde getroffen.

Redaktion Wild beim Wild — 19. Februar 2025

Am 13.2.2025 teilten Zeugen der Polizei Zweibrücken mit, dass ihr Pferd erschossen auf einer Weide im Bereich Hornbach liegen würde.

Die Einsatzkräfte konnten auf der Koppel insgesamt drei tote Pferde und einen toten Fuchs feststellen. Die Tiere wurden nach derzeitigem Kenntnisstand vermutlich in der Nacht zum Donnerstag erschossen.

Als verantwortlicher Schütze konnte ein 82-jähriger Hobby-Jäger ermittelt werden. Zwei der getöteten Pferde gehörten nach bisherigem Kenntnisstand diesem Landwirt, das dritte Pferd einem 60-Jährigen aus dem Landkreis. Die mutmassliche Tatwaffe wurde durch die Polizei sichergestellt.

Die Waffenbehörde der Kreisverwaltung Südwestpfalz war ebenfalls vor Ort und hat weitere Waffen sowie die Waffenbesitzkarte und den Jagdschein des Schützen eingezogen.

Die waffenrechtliche Erlaubnis des Mannes wird aktuell geprüft. Das Veterinäramt der Kreisverwaltung war bei dem Einsatz gutachterlich für Polizei und Staatsanwaltschaft tätig. Die Hintergründe des Vorfalls sind derzeit Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt.

Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich insbesondere Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren selbst regulieren. Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert.

Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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