5. Juni 2026, 09:15

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04. Oktober 2025 – Welttierschutztag

IG Wild beim Wild fordert radikales Umdenken in zoologischen Gärten.

Anlässlich des Welttierschutztages kritisiert die jagdkritische Tierschutzorganisation IG Wild beim Wild die Praxis in Zoos, gesunde Tiere aus Platz- oder Zuchtgründen zu töten. «Während Artenschützer weltweit um das Überleben bedrohter Arten kämpfen, entsorgen Zoos Tiere wie Wegwerfartikel», sagt ein Sprecher der Organisation. «Die Tötung ungewollter Tiere ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein klarer Verstoss gegen die Grundprinzipien des Tierschutzes.»

Fall Nürnberg: Pavian-Tötungen sorgen für Empörung

Im Juli dieses Jahres wurden im Tiergarten Nürnberg zwölf gesunde Guinea-Paviane getötet – offiziell aus Platzmangel. Der Fall sorgte bundesweit und darüber hinaus für Empörung. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gingen mehr als 350 Strafanzeigen ein; die Ermittlungen laufen.

Das war ein kalkulierter Tabubruch. Als neuer Präsident des Verbands der Zoologischen Gärten setzt der Nürnberger Direktor wieder ein fatales Exempel: Er legitimiert die Entsorgung eigens gezüchteter Tiere durch Tötung.

Fachorganisationen wie Pro Wildlife weisen seit Jahren darauf hin, dass Zuchtprogramme in Zoos kaum einen Beitrag zum Artenschutz leisten. In den allermeisten Fällen existieren weder konkrete Auswilderungsprojekte noch sind die Tiere überhaupt dafür geeignet.

Systematische Praxis in Zoos

Die Tötung sogenannter «überzähliger» Tiere ist kein Einzelfall. In europäischen Zoos werden nach Schätzungen jährlich mehrere Tausend Tiere getötet – oft Jungtiere, die keinen Platz finden oder genetisch nicht in das Zuchtprogramm passen.

Besonders bekannt wurde 2014 der Fall der Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo. Das erst 18 Monate alte Tier wurde getötet und vor Publikum an Löwen verfüttert, weil es «nicht ins Zuchtprogramm passte». Trotz weltweiter Proteste verteidigten viele Zoos das Vorgehen damals als «notwendig».

Zuchtprogramme: Kaum Auswilderungen, viele „Überschüsse“

Zoologische Gärten rechtfertigen die Tötungen häufig mit dem Hinweis auf den «Erhalt der Art». Doch die Fachorganisation Pro Wildlife weist darauf hin, dass diese Argumentation trügerisch ist.

  • In europäischen Zoos leben derzeit rund 1,3 Millionen Tiere aus über 1’500 Arten – die meisten ohne jeden Bezug zu echten Auswilderungsprojekten.
  • Weniger als 5 % aller Zootiere werden jemals in die Wildnis zurückgeführt.
  • Die überwältigende Mehrheit der Nachzuchten bleibt ein Leben lang in Gefangenschaft.

Artenschutz bedeutet, Wildtiere und ihre Lebensräume zu schützen – nicht, sie hinter Gittern nachzuzüchten und bei Überbestand zu töten.

Die eigentlichen Bedrohungen: Lebensraumverlust und Wilderei

Die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt liegen vor allem im Lebensraumverlust durch Landwirtschaft, Infrastruktur und Abholzung sowie in der gezielten Verfolgung und Wilderei bzw. der Jagd.

  • Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) sind aktuell mehr als 42’000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht.
  • Jährlich verschwinden schätzungsweise bis zu 150 Wildtier– und Pflanzenarten unwiederbringlich.

Echter Artenschutz müsse daher vor Ort ansetzen: durch den Schutz von Lebensräumen, Aufklärung der Bevölkerung, Bekämpfung der Jagd und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen in den betroffenen Regionen.

Forderungen der IG Wild beim Wild

Zum Welttierschutztag fordert die Organisation ein grundsätzliches Umdenken in den Zoos.

Die zentralen Forderungen lauten:

  1. Sofortiger Stopp der Tötung gesunder Tiere.
  2. Verantwortungsvolle Alternativen: Zuchtbegrenzung, Abgabe an andere geeignete Einrichtungen oder Erweiterung von Gehegen.
  3. Ehrliche Kommunikation: Schluss mit der Rechtfertigung von Zuchttötungen als «Artenschutz».
  4. Fokus auf echtem Artenschutz: Unterstützung von Projekten, die Lebensräume sichern und Wildtierbestände in den Herkunftsregionen schützen.
  5. Gerechtigkeit für Zoo-Tiere

«Artenschutz ohne ethischen Tierschutz ist eine Farce», betont die IG Wild beim Wild. Wer Tiere züchtet, muss Verantwortung übernehmen – und zwar bis zu ihrem Lebensende.