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Jagd

Jagd in der Schweiz: Bevölkerung ist über Hobby-Jagd schlecht informiert

Zur Jagd in der Schweiz kursieren Mythen und Jagdpropaganda. Die Bevölkerung ist schlecht informiert. Ein Faktencheck aus Sicht von Tierschutz und Wildtierschutz.

Redaktion Wild beim Wild — 29. August 2018

Der militante Verein «Jagd Schweiz» hat bei der Firma Demoscope AG eine Umfrage in Auftrag gegeben, die in beängstigender Weise aufzeigt, wie schlecht die Schweizer Bevölkerung über die Hobby-Jagd informiert ist.

Interessant ist, dass die gleiche Firma Demoscope vor einem Jahr bereits eine jagdrelevante Befragung gemacht hat. Jedoch kommt offensichtlich zu anderen Ergebnissen hinsichtlich Tierschutz, als bei der Umfrage der Hobby-Jäger von Jagd Schweiz, die jetzt durch das Internet geistert.

64 % für Verbot der Baujagd

Während der Verband Jagd Schweiz «die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist der Meinung, dass hierzulande nachhaltig und tierschutzgerecht gejagt wird» von sich gibt, sieht die Realität bei der Umfrage des Schweizer Tierschutzes STS unter anderem so aus:

Zumindest in der Schweizer Bevölkerung geniesst die Baujagd kaum Akzeptanz; das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 1’015 Personen, die das Marktforschungsunternehmen Demoscope im Auftrag des Schweizer Tierschutzes (STS) durchgeführt hat. 64 Prozent unterstützen ein Verbot, nur 21 Prozent wünschen die Baujagd beizubehalten.

Laut der gleichen Umfrage vom Schweizer Tierschutz wollen zudem 43 Prozent die Treibjagd verbieten, weitere 32 Prozent sie zahlenmässig beschränken. Gerade diese Form der tierquälerischen Hobby-Jagd ist wegen Jagd Schweiz weitverbreitet im Mittelland.

Widerstand gegen die Hobby-Jagd

Biker, Jogger, Langläufer und andere Nutzer des Waldes werden immer wieder aufgefordert, Rücksicht auf das Wild zu nehmen. Das ist OK, aber es wird verschwiegen, dass die jährlich bis zu fünf Treibjagden in unseren Wäldern mit Abstand die gravierendste Störung des Wildes bedeuten. Gemäss Studien in Deutschland werden auf Treibjagden 30 % der Tiere nicht unmittelbar tödlich getroffen.

In der Umfrage der Hobby-Jäger steht jedoch Folgendes: 82 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Hobby-Jagd in der Schweiz tierschutzgerecht stattfindet. Wie ist es möglich, dass Hobby-Jäger zu solchen Schlussfolgerungen kommen?

Nachteile einer nicht pflanzlichen Ernährung

Essen Sie Wild?
Essen Sie Wild?

Was genau soll zudem an Wildbret wertvoll sein? In der Hobby-Jäger-Umfrage von Jagd Schweiz wird behauptet, dass 69 % der Befragten Wildbret als wertvolles «Bio-Fleisch» beurteilen.

Fleisch macht krank, das steht in jeder guten Zeitung oder guten Quelle. Egal, ob Wildbret, Bio oder Massentierhaltung. Die Behörden empfehlen seit Jahren Kindern, Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch, auf den Verzehr von Fleisch, mit Bleimunition erlegtem Wild zu verzichten. Zudem ist «Bio» ein geschütztes Label und kann niemals für Wildtiere gelten.

Der Bevölkerung wird das minderwertigste Fleisch überhaupt – aus Bewegungsjagden – von Hobby-Jägern untergejubelt, welches nicht selten auch noch mit Munition verseucht ist.

Jagdunfälle wie ein Kriegsreport

In der Umfrage der Hobby-Jäger wird weiter behauptet, dass 90 Prozent der Befragten den 30’000 Jägerinnen und Jägern die Liebe zur Natur und den verantwortungsvollen Umgang mit der Jagdwaffe bestätigen. In der Realität sieht dies so aus:

  • Im Mehrjahresdurchschnitt sind es vier Getötete durch Jagdunfälle pro Jahr in der Schweiz.
  • Seit Beginn der BFU-Statistik (im Jahr 2000) sind es insgesamt 57 Todesfälle in der Schweiz (Stand 2016). Also alle 3,5 Monate ein Toter wegen der Hobby-Jägerei.
  • In den Jahren 2011–2015 wurden insgesamt 1’526 Verletzte durch Jagdunfälle durch die Unfallversicherungen registriert. Alle 29 Stunden passiert in der Schweiz ein Unfall wegen der Hobby-Jägerei.

Die IG Wild beim Wild ist überzeugt, die Umfrage der Hobby-Jäger habe in etwa eine Aussagekraft wie ein toter Fisch auf dem Teller. Und was man wirklich liebt, tötet man nicht. Mehr zum Tierschutzproblem der Hobby-Jagd und zu den Jagdmythen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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