Wilderer ohne Jagd- und Waffenschein vor Gericht
Ein Wilderer stahl ein Gewehr und erlegte in einer Nacht 29 Rehe. Jetzt steht er im Harz vor Gericht.
Eik R. (25) ist im Harz aufgewachsen.
Er liebt schwere Pickups, Präzisionsgewehre und die Jagd. Dabei hat er weder Führerschein noch Waffenschein. Und jagen darf er auch nicht.
Er wohnte bei seinem Grossvater, dessen Wohnzimmer voller Jagdtrophäen hing.
Jetzt sitzt der Wilde aus dem Harz auf der Anklagebank. Denn Eik R. soll in der Nacht zum 3. August 2022 losgezogen sein und in den Jagdrevieren rund um das 6000-Einwohner-Dorf Huy in Sachsen-Anhalt an fünf Stellen 29 Rehe und drei Stück Damwild erlegt haben.
100 Polizisten und SEK rücken zur Razzia an
Wenige Tage später rücken 100 Polizisten – unterstützt von SEK-Beamten und Sprengstoffspürhunden – in Schwanebeck an und durchsuchen das Grundstück von Eiks Großvater. Michael L. (66) ist passionierter Jäger, sein Enkel wohnt bei ihm im Haus.
Eik R. wird wegen Wilderei festgenommen und kommt für ein Vierteljahr in Untersuchungshaft. Sein Grossvater wurde wegen illegalen Munitionsbesitzes angeklagt.
Grossvater Michael L. lud ein BILD-Reporter in sein Wohnzimmer ein. Vor seiner Trophäenwand gab er sich unschuldig und schwor: „Mit Wilderei habe ich nichts zu tun. In der angeblichen Tatnacht habe ich neben meiner Frau geschlafen.“
Und wo war sein Enkel Eik? Achselzucken statt einer Antwort.
Auch Grossvater wegen illegalen Munitionsbesitzes angeklagt
Jetzt sitzt der junge Mann aus der Gemeinde Nordharz auf der Anklagebank des erweiterten Schöffengerichts am Amtsgericht Halberstadt.
Bei einer Drückjagd im November 2021 war Eik R. als Treiber eingesetzt. Der Staatsanwalt: „Im Rahmen dieser Jagdveranstaltung entwendete der Angeklagte einem Jäger aus dessen Unterkunft das Gewehr, eine Repetierbüchse Blaser R8“.
Die Waffe war zwar im Holster und mit einem Schloss gesichert, aber die Zimmertür der Pension war nicht abschliessbar. Das gestohlene Gewehr fanden die Polizisten bei der Razzia in Schwanebeck. Versteckt zwischen Stroh, zusammen mit Jagdmunition, einem Nachtsichtgerät und dem Futteral.
Eik R. schweigt bis heute zu allen Vorwürfen. Die später am Tatort gefundenen Projektile konnten jedoch der gestohlenen Waffe zugeordnet werden. Dem Angeklagten drohen im Strafverfahren wegen Jagdwilderei bis zu fünf Jahre Haft.
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