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Jagd

Drei Tote an drei Sonntagen: Brambilla fordert Kontrollen

Die Jagdsaison in Italien fordert bereits nach wenigen Wochen drei Todesopfer. Ex-Ministerin Michela Vittoria Brambilla spricht von einer gefährlichen und überholten Praxis – und ruft zu strengeren Kontrollen auf.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Oktober 2025

Die neue Jagdsaison in Italien hat gerade erst begonnen – und schon fordern tragische Unfälle erneut Menschenleben.

Innerhalb von nur vier Wochenenden sind drei Hobby-Jäger durch Schüsse ihrer Begleiter getötet worden. Ein weiterer Beweis, wie gefährlich und unkontrollierbar die Hobby-Jagd geworden ist.

Am vergangenen Wochenende endete erneut ein Jagdausflug tödlich: In den Wäldern von Faedis (Provinz Udine) wurde ein 70-jähriger Hobby-Jäger versehentlich von einem Mitjäger erschossen. Zuvor kamen ein 46-Jähriger am 21. September in Carrù (Cuneo) und ein 82-Jähriger am 5. Oktober in Locana (Turin) bei ähnlichen Vorfällen ums Leben. Dutzende weitere Personen wurden in diesem Zeitraum verletzt – durch Querschläger, Stürze oder den leichtsinnigen Umgang mit Waffen.

Die italienische Abgeordnete Michela Vittoria Brambilla, ehemalige Tourismusministerin und bekannte Tierschutzaktivistin, reagierte mit deutlichen Worten:

Die Jagd ist anachronistisch, grausam und gefährlich. Das Durchschnittsalter der Jäger liegt bei über 60 Jahren. Es sind mehr Kontrollen erforderlich, um alle zu schützen.

Brambilla kritisiert, dass trotz des offensichtlichen Risikos kaum Sicherheitskontrollen stattfinden. Viele der rund 500’000 italienischen Hobby-Jäger, die seit den 1980er Jahren aktiv sind, seien mittlerweile weit über sechzig – mit abnehmenden Reflexen und eingeschränkter Reaktionsfähigkeit. Trotzdem dürfen sie weiterhin mit modernen Hochleistungswaffen auf die Pirsch gehen.

Neben den menschlichen Tragödien verweist Brambilla auch auf die ökologischen Schäden, die durch die Hobby-Jagd entstehen:

Abgesehen von den Schäden für die biologische Vielfalt und die Umwelt, die meiner Meinung nach ausreichen würden, um die Jagd zu verbieten, muss man sich fragen, ob diejenigen, die mit diesen Waffen umgehen, überhaupt dazu in der Lage sind.

Die Politikerin sieht in der Nachsicht gegenüber der Jägerschaft ein strukturelles Problem: Eine kleine, alternde und dennoch einflussreiche Lobby halte an Privilegien fest, die längst nicht mehr zeitgemäss seien.

Während sich die italienische Öffentlichkeit über steigende Zahlen von Jagdunfällen empört, bleiben konkrete Reformen bislang aus. Doch die Serie von tödlichen Vorfällen in nur drei Wochenenden zeigt: Die Hobby-Jagd ist nicht ausschliesslich für Tiere, sondern auch für Menschen lebensgefährlich.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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