Der Goldschakal in der Schweiz: Ein neues Kapitel der Tierwanderung
Ende März tappte ein Goldschakal zwischen Neuenkirch und Hellbühl in eine Fotofalle. Es ist der erste bestätigte Nachweis dieser Tierart im Kanton Luzern, die schweizweit als geschützt gilt und nicht bejagt werden darf. Künftig dürfte sich die Tierart in der Schweiz ansiedeln und fortpflanzen.
Ende März tappte ein Goldschakal zwischen Neuenkirch und Hellbühl in eine Fotofalle.
Es ist der erste bestätigte Nachweis dieser Tierart im Kanton Luzern, die schweizweit als geschützt gilt und nicht bejagt werden darf. Künftig dürfte sich die Tierart in der Schweiz ansiedeln und fortpflanzen.
Seit knapp 15 Jahren wandern immer öfter Wildtiere dieser Art auf natürliche Weise in die Schweiz ein. Nun wurde er erstmals auch im Kanton Luzern nachgewiesen.
Der erste dokumentierte Nachweis eines Goldschakals in Deutschland stammt aus dem Jahr 1997 – damals wurde ein Tier in Brandenburg gesichtet. Inzwischen gibt es Nachweise aus allen deutschen Bundesländern bis auf Rheinland-Pfalz, Saarland, Berlin, Bremen und Hamburg, mit steigender Tendenz bei der Anzahl der Nachweise. Die meisten Nachweise kamen bislang aus Baden-Württemberg. Hier gibt es seit 2021 jedes Jahr Nachwuchs. Und in Niedersachsen konnte 2022 im Landkreis Uelzen erstmals Schakal-Nachwuchs bestätigt werden.
Der Internationale Tag der Schakale am 19. April ist ein noch junger Jahrestag: Erst 2023 von der BOKU University Wien ins Leben gerufen, soll er auf die zunehmende Ausbreitung des Goldschakals in Europa aufmerksam machen – und helfen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum scheuen Hundeverwandten bekannt zu machen. Obwohl der Goldschakal bereits seit Jahrzehnten auftaucht, wissen Forscher noch immer wenig über seine Verbreitung und sein Wanderverhalten.
Der 19. April als Tag des Goldschakals ist bewusst gewählt, weil die Fähen von Ende April bis in den Mai hinein ihren Nachwuchs zur Welt bringen – oft bis zu fünf Welpen pro Wurf. Die gelb-grau-gefärbten Jungen liegen gut versteckt im Unterholz, im Dickicht oder in Erdhöhlen und werden rund sechs Wochen lang gesäugt. Dann brechen wie bei allen Hundeartigen die spitzen Milchzähne durchs Zahnfleisch und die Kleinen folgen neugierig und verspielt ihrer Mutter auf deren Beutezüge. Goldschakale leben in sozialen Familienverbänden. Die Jungtiere bleiben oft bis zum nächsten Frühjahr bei den Eltern – manchmal sogar noch länger, um bei der Aufzucht der nächsten Generation zu helfen.
Eine geschützte Tierart
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Goldschakals liegt in Südosteuropa. Seit den 1950er-Jahren breitet sich die Tierart in Richtung Mittel- und Nordeuropa aus. Abwandernde Jungtiere können in kurzen Zeiträumen Distanzen von über 200 Kilometer zurücklegen, was die natürliche Ausbreitung des Goldschakals zusätzlich unterstützt. Seit ein paar Jahren haben sich die Nachweise in der Schweiz gehäuft. Bis anhin konnten aber nur durchziehende Einzeltiere nachgewiesen werden. Irgendwann dürfte sich der Goldschakal aber zumindest in den tieferen Lagen der Schweiz auch niederlassen und fortpflanzen.
Gründe für die Ausbreitung in den letzten Jahrzehnten liegen in der grossflächigen Dezimierung des Wolfes im frühen 20. Jahrhundert, in der Klimaerwärmung und in der Öffnung der Landschaft durch das menschliche Zurückdrängen der Wälder. Somit ist der Goldschakal keine durch den Menschen in unserem Gebiet eingeführte Tierart wie der Waschbär oder der Marderhund. Deshalb gilt er bundesrechtlich als geschützte Tierart und darf nicht bejagt werden.
Der Goldschakal: kein Fuchs, kein Wolf und ein Allesfresser
Der Goldschakal ähnelt einem Fuchs, ist aber hochbeiniger, kräftiger gebaut und hat einen kürzeren Schwanz. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Ohrrückseiten und Vorderpfoten, die beim Fuchs schwarz und beim Goldschakal goldbraun sind. Gegenüber einem Wolf ist der Goldschakal hingegen deutlich kleiner, weniger kräftig gebaut und mit einer deutlich feineren Schnauze.
Bezüglich der Lebensraumansprüche sind Goldschakale äusserst anpassungsfähig. Häufig suchen sie Lebensräume in Gewässernähe, da es dort viel Deckung und ein grosses Nahrungsangebot gibt. Generell sind Gebiete mit vielen unterschiedlichen Strukturen (Hecken, offene Flächen, Gewässern, etc.) sehr geeignet. Gemieden werden höhere Lagen mit über längere Zeit geschlossener Schneedecke sowie intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiete ohne Deckung. Der Goldschakal meidet zudem Gebiete, in denen Wölfe vorkommen, da Goldschakale von diesen erbeutet werden können. Das Nahrungsspektrum des Goldschakals entspricht hauptsächlich demjenigen des Fuchses und besteht überwiegend aus kleineren Tieren wie Nagern oder Amphibien, seltener auch aus Aas und pflanzlicher Nahrung. Goldschakale können aber Tiere bis zur Grösse eines Rehs erbeuten, vor allem, wenn sie als Paar oder im Rudel unterwegs sind.
HOBBY-JÄGER-RADAR
Auf der Spur versteckter Tierschutzvergehen, Wilderei und/oder Kriminalität? Melden Sie uns Verdachtsfälle! Helfen Sie beim grossen Hobby-Jäger-Radar.

Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →
