Laut einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Ecosystem Services veröffentlicht wurde, haben Erhaltungsstrategien oft einen engen Fokus und neigen dazu, wirtschaftliche oder ökologische Werte verschiedener Arten in den Vordergrund zu stellen, während andere Arten von Vorteilen, wie solche, die mit dem Wohlbefinden oder der Moral zusammenhängen, ignoriert werden.
Ökotourismus vs. Trophäen-Hobby-Jagd
Am Beispiel der Elefanten stellten die Fachleute fest, dass die finanziellen Vorteile, die sich aus der Rolle der Elefanten im Ökotourismus, der Trophäen-Hobby-Jagd oder der Arbeit ergeben, oft im Widerspruch zu den ökologischen, kulturellen und spirituellen Leistungen der Elefanten stehen. Werden die Wertesysteme aller am Naturschutz beteiligten Akteure, einschliesslich der lokalen Bevölkerung, nicht berücksichtigt, kann dies zu sozialer Ungleichheit, Konflikten und nicht nachhaltigen Strategien führen.
«Wir haben uns für die Fallstudie Elefanten entschieden, weil ihr Schutz besonders schwierig und umstritten sein kann», so die Mitautorin der Studie, Antoinette van de Water, Expertin für die Interaktion zwischen Mensch und Elefant an der Universität von KwaZulu-Natal in Südafrika. «Wir sagen nicht, dass wirtschaftliche Beiträge nicht wichtig sind, aber es sind viele verschiedene Werte im Spiel, und sie alle müssen in den Schutzstrategien berücksichtigt werden, wenn sie erfolgreich sein sollen.»
Pauschale Betrachtungsweise schadet dem Artenschutz
Laut van de Water und ihren Kolleginnen und Kollegen neigen Entscheidungsträger im Naturschutz häufig dazu, bei der Betrachtung des Wertes der Natur eine einzige Weltsicht zu vertreten. «Ob ökonomisch, ökologisch oder sozial, eine pauschale Betrachtungsweise von Werten kann den Erfolg einer Naturschutzstrategie beeinträchtigen», erklärte die Mitautorin der Studie, Lucy Bates, Zoologin an der University of Portsmouth in Grossbritannien.
«Nehmen wir zum Beispiel den Elfenbeinhandel. Der internationale Handel mit Elfenbein ist illegal, aber viele Länder des südlichen Afrikas wollen den Handel wieder aufnehmen, was zu Konflikten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent führt. Wenn man sich weniger auf den potenziellen wirtschaftlichen Wert des Elfenbeins konzentriert und sich anderen Möglichkeiten zuwendet, wie Elefanten die Gemeinschaften unterstützen können, kann dies einen entscheidenden Wandel bewirken.»
«In kleinerem Massstab kann man diesen Rahmen auch bei der Festlegung von Schutzgebieten und der Frage anwenden, welches Land den Elefanten zur Verfügung gestellt werden könnte. Indem man die Menschen anhört, die in diesen Gebieten leben, bekommt man ein klares Verständnis dafür, wie sich die Entscheidungen auch auf das Leben der Menschen auswirken werden, und man kann Wege finden, alle Probleme zu lösen.»
Umdenken im Naturschutz nötig
Anstatt sich also nur auf finanzielle und wirtschaftliche Vorteile zu konzentrieren, sollten Naturschützerinnen und Naturschützer auch die nicht-materiellen Vorteile der Natur berücksichtigen, wie z. B. Erholung, Inspiration, geistige Gesundheit oder sozialen Zusammenhalt, zusammen mit umfassenderen moralischen Werten, wie Menschenrechte, Umweltgerechtigkeit, Rechte der Natur oder das Vermächtnis zwischen den Generationen.
Ein Ansatz, der moralische Werte im Zusammenhang mit der Erhaltung der biologischen Vielfalt einbezieht, um einen positiven Kreislauf zwischen den Vorteilen für Mensch und Natur zu schaffen, würde politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern und Managern helfen, besser zu verstehen, was Elefanten für die Menschen bedeuten, warum diese Tiere an sich wichtig sind und welche Werte und Interessen tatsächlich auf dem Spiel stehen.
«Was wir wirklich brauchen, ist ein Umdenken. Naturschutzpolitik basiert oft auf Preisschildern. Unser pluralistisches Bewertungssystem bietet Lösungen, die nicht auf wirtschaftlichen Gewinnen oder politischem Status für einige wenige beruhen, sondern auf dem langfristigen Gemeinwohl und den Zielen und Bestrebungen der Gesellschaften», schloss van de Water.
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