Tschechien: Ein Hobby-Jäger erschiesst einen Hobby-Jäger
Ein 67-jähriger Jagdteilnehmer wird in Tschechien mit einem Kopfschuss getötet.
Nicht von einem Wilderer. Nicht von einem bewaffneten Einbrecher. Nein: von einem Mitjäger.
Die Tätergruppe ist also eine eingeschworene Gemeinschaft und der Tatort ein Ort, den sie angeblich „beherrschen“: der Wald.
Wenn man bedenkt, dass Hobby-Jäger sich selbst gerne als die letzten waffenkompetenten Naturversteher inszenieren, wirkt es beinahe ironisch: Eine Branche, die vorgibt, Wildtiere sicher regulieren zu können, schafft es nicht einmal, sich einander nicht umzubringen.
Ein Hobby, bei dem „Sicherheitsmängel“ normal sind
Die Jagdlobby wird wieder von „tragischem Unglück“ sprechen. Einzelschicksal. Pech. Doch wer die Fakten kennt, weis: Diese angeblichen Einzelfälle treten mit der Regelmässigkeit einer kaputten Kuckucksuhr auf.
Allein in Europa:
- jährlich Tausende Jagdunfälle
- Hunderte Tote
- unzählige verletzte oder getötete Haustiere, Kühe, Pferde oder Menschen
- und noch viel mehr „Beinahe-Treffer“, die nie in der Statistik landen
Die Hobby-Jagd ist die einzige Freizeitaktivität, bei der man offenbar jedes Jahr ein paar Opfer einpreist und es „Hege“ nennt.
Die militärische Manöverübung, die man der Bevölkerung als „Naturschutz“ verkauft
Der tödliche Schuss in Tschechien fiel am 15.11.2025 bei einer Gesellschaftsjagd mit Jagdgästen aus dem Ausland in der Region Tachov gegen 16 Uhr in der Nähe des Dorfes Kladruby. Das ist die Jagdform, bei der man Dutzende Schützen und Treiber gleichzeitig in einen Wald steckt, Tiere in Panik Richtung Kugeln jagt und hofft, dass niemand im Eifer des Gefechts alles trifft, ausser das, was er treffen sollte.
Treibjagden liefern verlässlich:
- Querschläger
- Streifschüsse
- völlig falsche Treffer
- und eine erstaunliche Menge an Ausreden
Würde man dieses Konzept in jeder anderen Branche testen z. B. beim Strassenverkehr, wäre es längst verboten. Aber bei der Hobby-Jagd nennt man es „Tradition“ und verkauft es als Notwendigkeit.
Die Hobby-Jagd ist die einzige Privatfreizeit, die es erlaubt, die gesamte Bevölkerung in einem riesigen Outdoor-Risikoradius einzubeziehen. Ohne Warnschilder. Ohne Absperrungen. Ohne vorherige Information.
Während Wanderer, Familien und Sportler glauben, in der Natur unterwegs zu sein, bewegen sie sich real in einem unsichtbaren Gefahrenkorridor, geprägt von:
- unvorhersehbaren Schusswinkeln
- schlechter Sicht
- Stresssituationen
- Fehleinschätzungen
- und der Hoffnung, dass der Schütze „schon gut gezielt hat“
- Alle anderen müssen das Risiko tragen
Die Hobby-Jagd ist damit die einzige Freizeitbeschäftigung, bei der man als Unbeteiligter erleichtert sein darf, wenn man lebend nach Hause kommt.
Die Jägerschaft wird wieder von „Tragik“ sprechen. Vielleicht von „versagender Technik“. Vielleicht vom „dunklen Wald“ oder der „Hektik der Situation“.
Doch wir sollten nicht länger vortäuschen, als wäre die Hobby-Jagd ein traditionelles, geschütztes Kulturgut. Sie ist ein Sicherheitsrisiko für Wildtiere, Haustiere, Menschen und für die Natur selbst.
Der 67-jährige Jäger ist gestorben, weil ein System toleriert wird, das Waffen in Situationen einsetzt, in denen niemand solche Waffen führen dürfte. Nicht Pech. Nicht Schicksal. Ein vorhersehbares Resultat.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.
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