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Jagd

Spilamberto verbietet Hobby-Jagd: Sicherheit vor Jagdlobby

Spilamberto, Provinz Modena. Eine Frau wird im September 2024 in ihrem eigenen Garten durch einen Schuss verletzt.

Redaktion Wild beim Wild — 17. Dezember 2025

Nicht im Wald, nicht weit weg von Häusern, sondern im privaten Lebensraum, dort, wo Menschen sich sicher fühlen müssen.

Danach erlässt der Bürgermeister eine Verordnung, die die Hobby-Jagd auf einem grossen Teil des Gemeindegebiets untersagt, ausdrücklich mit Blick auf die öffentliche Sicherheit.

Wer jetzt reflexartig «Unfall» sagt, macht es sich bequem. Ein Unfall ist ein Sturz auf der Treppe. Hier geht es um Schusswaffen im Umfeld von Wohngebieten. Und um ein System, das solange als akzeptabel gilt, bis jemand blutet.

Sicherheitsabstände sind keine Empfehlung, sie sind das Minimum

Die italienische Jagdgesetzgebung enthält klare Verbote, darunter das Schiessen in Richtung von Gebäuden aus weniger als 150 Metern, je nach Waffe. LAV verweist darauf, dass im Fall Spilamberto offenbar genau diese Mindestdistanzen missachtet wurden. Das ist der Punkt, den Jagdbefürworter gern ausblenden: Selbst wenn Regeln existieren, hängt die Sicherheit der Allgemeinheit davon ab, dass alle Beteiligten jederzeit fehlerfrei handeln. Wer das für realistisch hält, hat die menschliche Realität nicht verstanden.

Die Wahrheit ist unbequem: Jagdrisiko wird auf Unbeteiligte abgewälzt

Die Hobby-Jagd wird oft als «Bestandsregulierung» verpackt und als notwendiger Service für die Gesellschaft verkauft. Nur ist es in der Praxis die Gesellschaft, die das Risiko trägt: Spaziergänger, Anwohner, Kinder, Haustiere. Spilamberto ist deshalb nicht «ein bedauerlicher Einzelfall», sondern ein Beispiel dafür, was passiert, wenn eine gefährliche Freizeitbeschäftigung räumlich und politisch näher an die Menschen heranrückt als jede ehrliche Risikoabwägung erlaubt.

Wenn Gemeinden handeln, zeigt die Jagdlobby ihr wahres Gesicht

Bemerkenswert ist nicht nur die Verordnung, sondern auch das erwartbare Echo aus jagdnahen Kreisen, die gegen die Darstellung von Tierschutzorganisationen und gegen das Verbot mobilisieren.
Das Muster ist immer gleich: Statt zuerst über Sicherheit zu reden, wird zuerst über Deutungshoheit gestritten. Als wäre das Image der Hobby-Jagd wichtiger als die Unversehrtheit von Menschen und Tieren.

Spilamberto setzt einen Massstab, der auch ausserhalb Italiens gilt

Die zentrale Frage lautet: Warum muss erst ein Mensch verletzt werden, bevor Politik das Offensichtliche tut? Ein Jagdverbot in sensiblen Zonen ist kein radikaler Akt. Radikal ist die Normalisierung von Schüssen in Lebensräumen, in denen Familien wohnen, spielen und sich erholen.

Spilamberto hat etwas getan, das andernorts als «unmöglich» gilt: Es hat die Priorität richtig gesetzt. Sicherheit und Schutz des Lebens vor dem Jagdinteresse einer Minderheit.

Was jetzt nötig wäre

Nicht nur in Spilamberto, überall:

  • Jagdfreie Zonen rund um Siedlungen, Wege, Schulen, Naherholungsgebiete
  • Konsequente Kontrollen, transparente Meldung von Vorfällen
  • Politische Ehrlichkeit: Die Hobby-Jagd ist kein harmloses Brauchtum, sondern eine riskante Praxis mit tödlichen Konsequenzen für Tiere und potenziell auch für Menschen

Spilamberto ist kein Ausreisser. Es ist ein Warnsignal. Und es ist ein Beispiel dafür, dass man nicht warten muss, bis die nächste Person im eigenen Garten getroffen wird. In der Schweiz dokumentiert die Statistik tödlicher Jagdunfälle ein ähnliches Muster.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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