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Tierrechte

Rumänien verbietet die Pelztierzucht

Die Tierschutzorganisation Humane Society International/Europe feiert diese bahnbrechende Entscheidung des rumänischen Parlaments nach fast zwei Jahren intensiver Gespräche und Kampagnen. Rumänien ist das 22. Land in Europa, das Pelztierzucht verbietet. In Deutschland gibt es nach wie vor kein Verbot von Pelztierfarmen.

Redaktion Wild beim Wild — 23. Oktober 2024

Humane Society International/Europe (HSI/Europe) feiert am 22.10.2024 einen monumentalen Sieg für den Tierschutz in Rumänien.

Um 12 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) stimmte das rumänische Parlament mit überwältigender Mehrheit für ein Verbot der Zucht von Chinchillas und Nerzen, den einzigen beiden Pelztierindustrien des Landes. Diese historische Entscheidung ist das Ergebnis von fast zwei Jahren politischen Debatten und intensiven Kampagnen der internationalen Tierschutzorganisation HSI/Europe, des rumänischen Teams vor Ort sowie anderen Tierschutzgruppen. Rumänien ist damit das 22. Land in Europa, das die Pelztierzucht verbietet. Das sieht die Organisation als wichtigen Meilenstein für ihre globale Kampagne zur Beendigung der grausamen Zucht und Tötung von Tieren für Pelzmode.

Andreea Roseti, Landesdirektorin von HSI/Europe in Rumänien, sagt: «Wir freuen uns sehr über diese bahnbrechende Entscheidung in Rumänien. Dieser legislative Meilenstein repräsentiert eine wichtige Entwicklung im rumänischen Tierschutz und damit auch das wachsende Engagement der rumänischen Bürgerinnen und Bürger für das Wohl der Tiere. Tiere sind keine Waren, die für unsere Mode gezüchtet und getötet werden dürfen. Wir hoffen, dass uns dieses Gesetz einen wichtigen Schritt näher zu einem EU-weiten Verbot der Pelztierzucht bringt.»

Undercover-Investigation zeigt schockierende Bedingungen

Der Ursprung des Gesetzesvorschlags basiert auf einer Undercover-Investigation von HSI/Europe aus dem Jahr 2022, die die grausamen Bedingungen auf Pelzfarmen in Rumänien aufdeckte. Die Aufnahmen zeigen junge Chinchillas in kleinen, schmutzigen Drahtkäfigen, die in improvisierten Gaskammern oder durch einen Genickbruch getötet wurden. Das Tierleid in der Pelzindustrie ist systematisch und gut dokumentiert.

Nachdem die Abgeordnetenkammer den Gesetzentwurf heute verabschiedet hat, tritt das Gesetz nach der Promulgation ab dem 1. Januar 2027 in Kraft und verbietet die Pelztierzucht in Rumänien. HSI/Europe rechnet mit keiner Verzögerung bei der Promulgation von Präsident Klaus Iohannis und der Veröffentlichung im Amtsblatt.

Deutschland setzt falsches Signal

Im Gegensatz zu der Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten, hat Deutschland noch immer kein Pelztierfarmverbot auf den Weg gebracht. Zwar werden in Deutschland seit 2019 keine Pelzfarmen mehr betrieben, was jedoch auf erhöhte Tierschutzstandards zurückzuführen ist, die die Zucht von Pelztieren unrentabel gemacht haben.

Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von HSI/Europe in Deutschland, dazu: «HSI/Europe fordert ein gesetzlich verankertes Verbot von Pelztierfarmen auch in Deutschland, um sicherzustellen, dass Wildtiere künftig nie wieder für die Pelzproduktion gehalten und getötet werden. Zudem würde dies ein klares Signal für ein europaweites Verbot von Pelztierfarmen setzen. Ein Scheitern des EU-Verbots wäre ein herber Rückschlag, wenn stattdessen lediglich erhöhte Tierschutzstandards nach deutschem Vorbild eingeführt würden, die in der Praxis schwer überprüfbar sind und zahlreiche Schlupflöcher offenlassen.»

Jegliche Art von Tierschutzstandards für die Pelztierzucht suggerieren darüber hinaus, dass es eine «humane» Praxis gibt, Tiere für die Pelzproduktion zu halten und zu töten. Dabei ist Pelzproduktion von Natur aus nicht human.

Fakten zur Pelzindustrie

Zehn Millionen Tiere leiden und sterben jedes Jahr im globalen Pelzhandel, die meisten werden in kahlen Batteriekäfigen auf Pelzfarmen gehalten. Die Pelztierzucht ist mittlerweile in 22 europäischen Ländern verboten. Nerze auf fast 500 Pelzfarmen in 13 Ländern in Europa und Nordamerika wurden mit COVID-19 infiziert, und das hochpathogene aviäre Influenzavirus A(H5N1) wurde bisher auf 72 Pelzfarmen nachgewiesen. Millionen von Nerzen, Arktischen Füchsen, Rotfüchsen und Marderhunden wurden aus Gründen des öffentlichen Gesundheitswesens geschlachtet. Die Tierrechtsbewegung erzielt zunehmend legislative Erfolge gegen die Pelzindustrie.

Zehn Modemarken in Rumänien haben sich verpflichtet, pelzfrei zu werden, nachdem sie mit HSI/Europe zusammengearbeitet haben. Sie schliessen sich den fast 1’600 Modemarken, Einzelhändlern und Designern in 25 Ländern weltweit an, die Teil des Fur Free Retailer-Programms sind, darunter Gucci, Moncler, Prada, Adidas, H&M und Zara.

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