26. Mai 2026, 06:11

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Jagd

Kugel trifft Pferd: Hobby-Jäger verfehlen Verantwortung

In den frühen Morgenstunden des 9. Oktober in Rosellen: Ein Hobby-Jäger, ausgerückt zur Nachtjagd auf Schwarzwild, gibt einen Schuss ab und ein Pferd auf einer benachbarten Koppel wird tödlich getroffen. Der Mann meldet sich selbst bei der Polizei.

Redaktion Wild beim Wild — 4. November 2025

Was nach unglücklichem Unfall klingt, offenbart jedoch ein grösseres Problem, denn hier geht es wieder nicht einfach um ein Missgeschick, sondern um Systemfragen von Sicherheit, Qualifikation und Jagd-Ethik.

Dass erneut ein Pferd statt Schwarzwild erlegt wird, wirft schwerwiegende Fragen auf:

  • Wie konnte das Tier „verwechselt“ werden? Nach Angaben des Falles war der Hobby-Jäger nachts im Wald unterwegs, Zielobjekt Schwarzwild. Stattdessen traf er das Pferd auf der Koppel.
  • Wurde das Ziel eindeutig identifiziert (“ansprechen”), wie es jagdrechtlich vorgeschrieben ist? Die Fachliteratur betont, dass Tierart, Geschlecht und Ziel sicher benannt werden müssen.
  • Welche Sicherheitsmassnahmen wurden ergriffen? Insbesondere nachts: Sichtbedingungen, Umgebung, Hintergelände, hier offensichtlich entscheidende Defizite.

Die Tragweite ist gross: Ein lebendiges Pferd, Nutztier, Familien- oder Freizeitreittier, wurde getötet. Der psychische und materielle Schaden ist erheblich und die Jagdbranche steht mit in der Verantwortung.

Der Vorfall zeigt exemplarisch: Wenn jagdliche Praxis nicht stringent geregelt, kontrolliert oder reflektiert wird, entstehen Gefahren, nicht nur für Wild, sondern für Nutztiere, Menschen und Natur insgesamt. Einige Stichworte:

Nach dem Vorfall ist die zuständige Jagdbehörde des Kreises gefragt. Der jägerische Anschlag auf ein Nutz­tier darf nicht wieder als bedauerlicher Einzelfall abgetan werden. Welche Konsequenzen erfolgen?

Auch die Jagdverbände sind gefordert: Solche Unfälle untergraben die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft. Sie müssen Schulungen intensivieren, Sicherheitsstandards klarer kommunizieren und Fehlverhalten konsequent ahnden.

Der Fall in Rosellen ist weit mehr als eine Meldung in der Presse. Er ist ein Weckruf: Jagd auf Wildschweine in der Nacht, in unmittelbarer Nähe zu Nutz­tieren, braucht höchste Sicherheitsstandards und eine jagdliche Kultur, die Fehler nicht als Kollateralschäden hinnimmt.

Wenn ein Pferd zur Kugel wird, war nicht nur das Ziel falsch, sondern die ganze Praxis geriet in Schieflage. Für die Gesellschaft, die Natur und die Tiere ist das kein Bagatelldelikt, sondern ein Versagen, ein Versagen in der Umsetzung von Verantwortung, Respekt und Kontrolle.

Die Jagd darf sich nicht hinter „Bedarf“ oder „Wildschadensdruck“ verstecken. Sie muss offenlegen: Wie viele solcher Fehl­schüsse gibt es? Welche Konsequenzen sind gezogen worden? Und wie wird künftig sichergestellt, dass Nutztiere, Anwohner und Wild gleichermassen geschützt sind?

Für die IG Wild beim Wild bleibt die Forderung klar: keine stille Akzeptanz von Jagd-Unfällen. Transparenz, Konsequenz, Verantwortung, das müssen die Stichworte sein. Denn jedes lebende Wesen zählt.

Die IG fordert, ein Verbot der Hobby-Jagd.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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